Mietstreit, gescheiterte Finanzierung und drohende Abwicklung prägen das Ende einer einst viel beachteten E-Bike-Marke
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Der estnische E-Bike-Hersteller Ampler Bikes OÜ hat beim Harju District Court einen Insolvenzantrag gestellt. Auslöser ist ein langanhaltender und letztlich nicht gelöster Rechtsstreit rund um einen Mietvertrag für den Berliner Showroom des Unternehmens. Zwar liegt noch keine formelle Insolvenzentscheidung des Gerichts vor, die Unternehmensführung geht jedoch davon aus, dass diese nur noch eine Frage der Zeit ist.

Nach Angaben aus einem Investorenhinweis von Vorstandsmitglied Kristjan Maruste ist insbesondere ein 2021 geschlossener Zehnjahresmietvertrag in Berlin zum zentralen Problem geworden, wie man auf dem Portal err.ee lesen kann. Der Standort habe sich als wirtschaftlich deutlich schwerer tragfähig erwiesen als ursprünglich kalkuliert und ließ sich trotz intensiver Versuche über rund 18 Monate nicht auflösen oder neu verhandeln.

Der Vermieter forderte demnach eine Ablösesumme von rund 1,2 Millionen Euro – ein Betrag, der für das Unternehmen nicht darstellbar war und letztlich auch neue Finanzierungsrunden blockierte. In der Folge zog sich der Hauptinvestor Urban Mobility aus weiteren Kapitalzuführungen zurück.

Die Entwicklungen ziehen inzwischen weitere Kreise innerhalb der Unternehmensstruktur. Bereits zuvor hatte die deutsche Tochtergesellschaft Insolvenz angemeldet, während die Schweizer Einheit laut Branchenberichten in den kommenden Tagen ebenfalls in ein entsprechendes Verfahren überführt werden dürfte. Insgesamt beschäftigt Ampler zuletzt rund 50 Mitarbeitende, die im Zuge des Verfahrens ihre Stellen verlieren werden.

Für Nutzerinnen und Nutzer der Marke betont die Unternehmensführung, dass die verwendeten Standardkomponenten grundsätzlich eine Wartung und Reparatur in regulären Fahrradwerkstätten in ganz Europa ermöglichen sollen – ein Aspekt, der zumindest die langfristige Nutzbarkeit der Fahrzeuge absichern könnte.

Aus Sicht der Gläubiger soll der Insolvenzverwalter nun prüfen, ob eine Veräußerung der Unternehmenswerte als Gesamtpaket möglich ist, um potenziell einen Käufer zu finden, der die Marke fortführt.

Die Geschichte von Ampler ist auch aus redaktioneller Perspektive bemerkenswert: Zur Eröffnung des Berliner Showrooms waren wir damals selbst vor Ort und hatten die Marke als ambitionierten Vertreter urbaner E-Mobilität kennengelernt und auch die Pedelecs mehrfach getestet.

Nur wenige Jahre später folgte ein strategischer Einschnitt, als Kõu Mobility Group – ebenfalls aus Estland – das Unternehmen übernahm. Nun steht genau jener Standort, der einst als Symbol für die internationale Expansion galt, im Zentrum des Niedergangs.

Quelle: err.ee