Die Top-Variante wartet mit einigen Highlights auf, die es in dieser Klasse bisher noch nicht gab
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Das Cannondale Adventure NEO 1 EQ ist das Top-Modell einer neuen Serie, die 2021 den Einstieg in die E-Bike-Welt der US-Amerikaner markieren soll. Wir hatten bereits die Gelegenheit, die Top-Variante in den letzten Wochen ausgiebig zu testen und stellen unsere Eindrücke hier im Testbericht ausführlich dar. Kann Cannondale mit der neuen Serie einer breiteren Zielgruppe den Zugang zu ihren Pedelecs ermöglichen?

Cannondale Adventure NEO 1 EQ – eines wie keines?

Mit der neuen Adventure NEO Serie möchte Cannondale den Einstieg in das urbane E-Bike-Segment erleichtern. Als praktische Tiefeinsteiger für die Stadt bringen die Modelle aber auch das Zeug dazu mit, sich auf längeren Runden auch abseits befestigter Wege zu beweisen. Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, das Top-Modell der neuen Serie über einige Wochen auszuprobieren.

Auf den ersten Blick als kleiner Bruder des Mavaro NEO einzustufen, unterscheidet sich das neue Cannondale Adventure NEO 1 EQ doch ziemlich von der bekannten Modellreihe im E-Urban-Segment, nicht zuletzt um einen gebührenden Abstand zu wahren. Der neue Rahmen mit tiefem Einstieg bringt aber wie dieses einen breiten Durchstieg mit, der das Aufsteigen problemlos zulässt.

Angetrieben wird das Modell vom Bosch Performance Line der neuesten Generation, der mit 65 Newtonmeter genügend Drehmoment für Touren im urbanen Raum, aber auch im Umland mitbringt. Dabei arbeitet der Motor auch flüsterleise, was bestens zur Charakteristik des Modell passt. Die Bedienung erfolgt dabei durch das minimalistisch gehaltene Purion-Display und folgt damit bestens der Philosophie des neuen E-Bikes.

Bosch Performance Line Gen. 4

Der neue Aluminiumrahmen betört dabei mit demselben Emerald Green, welches auch das von uns kürzlich getestete Topstone NEO Carbon Lefty 1 zierte. Unter einer unlackierten Plastikabdeckung befindet sich dann der Akku, im Falle des Adventure NEO 1 EQ ist dies der PowerTube 625 von Bosch.

Der per Schloss gesicherte Akku lässt sich zum Laden leicht entnehmen und auch problemlos im Pedelec aufladen. Die zugehörige Ladebuchse sitzt am Steuerrohr und ist mit einer stabilen Kappe geschützt. Somit braucht man sich für das Anschließen des Ladegeräts nicht bücken. Leider liefert Cannondale nur den Compact Charger mit 2A mit, so dass man gerade beim großen Bosch-Akku viel Geduld beim Aufladen mitbringen muss.

Ein herausragendes Ausstattungsdetail hat die von uns getestete Top-Variante mit dem Mavaro NEO 1 gemeinsam: Das Garmin Varia Radarsystem soll den Nutzer vor rückwärtigem Verkehr warnen. Dafür ist eine kompakte LED-Anzeige am Cockpit integriert und der zugehörige Sensor unter der Rückleuchte verbaut.

Das unscheinbare System funktioniert ohne weitere Einstellung und erledigt seine Aufgabe bravourös. Wer möchte, kann via zugehöriger Garmin-App eine erweiterte Anzeige auf seinem Smartphone nutzen. Notwendig ist dies aber nicht.

Für die einfache Befestigung des Smartphones bringt das Adventure NEO eine SP-Connect Schnittstelle auf dem Vorbau mit, so dass man sein Smartphone leicht auch für die Navigation nutzen kann. Leider ist eine Stromversorgung des Smartphones über das Bosch Purion nicht möglich.

Cannondale verbaut hier weiter eine Shimano Deore Schaltung mit 10-Gängen aus der M4100-Reihe der Japaner, die im Zusammenspiel mit dem ausreichend kräftigen Antrieb bestens harmoniert. Die hydraulischen Bremsen aus der MT400-Serie von Shimano stellt eine hohe Bremsleistung bereit und bringt Bremsscheiben von 180 mm vorne und 160 mm hinten mit.

In Sachen Komfort bringt das Modell eine SR Suntour Mobie A32 Federgabel mit, die einen Federweg von 63 mm bereitstellt. Eine Thudbuster Paralellogramm-Sattelstütze von Cane Creek soll ihren Teil zur Dämpfung von Unebenheiten beitragen. Über verschiedene Elastomere lässt sich diese an diverse Fahrergewichte anpassen. Dafür liegen noch zwei verschiedene Elastomere zum Wechsel bei, weitere können bei Cane Creek nachbestellt werden.

Der Sattel wurde extra für die neue Serie entwickelt und ist in klassischem, braunem Kunstleder ausgeführt, was für einen schönen Kontrast sorgt. Die ebenfalls hauseigenen und ergonomischen Cannondale Comfort Griffe sind aus Kunststoff und farblich passend abgestimmt.

Um auch abends oder nachts sicher unterwegs zu sein, ist das Cannondale Adventure NEO 1 EQ mit einer LED-Lichtanlage von Herrmans ausgerüstet. Hier kommt der H-Black MR8 mit 180 Lumen zum Einsatz, während hinten der H-Trace für eine Sichtbarkeit von 220° sorgt. Der Kettenschutz zeigt sich durchgängig vom Ausfallende bis zur Kurbel und sorgt im Hinblick auf die Kette dafür, dass die Hose sauber bleibt.

Weiter bringt das Modell einen schön integrierten Gepäckträger mit, der sich optisch und mechanisch mit dem stabilen Schutzblech verbindet. Die tief gezogenen Schutzbleche sollen bestimmungsgemäß dafür sorgen, dass man auch bei schlechtem Wetter relativ sauber bleibt! Gut: Links und rechts am Steuerrohr sind Gewinde eingelassen, welche die Befestigung von passenden Flaschenhaltern zulassen.

Auf den Laufrädern in 27,5 Zoll waren bei unserem Testmodell zwar Schwalbe Hurricane Reifen aufgezogen, die auch für leichtes Offroad-Fahren geeignet erscheinen, in der Serie werden unseren Informationen zufolge Kenda Kwick Seven.5 Reifen verbaut, die wohl Asphalt am liebsten mögen und dort auch für einen leisen Lauf sorgen sollen.

Unser Fahreindruck

Das Cannondale Adventure NEO 1 EQ wusste sogleich aufgrund seiner Optik zu gefallen, wobei der Aufstieg erwartungsgemäß einfach war. Es gibt keine störenden Elemente im Rahmeninneren, so dass man hier auch mit größeren Füßen keine Probleme bekommen sollte. Der Sattel zeigte sich während der gesamten Testdauer als bequem und auch die ergonomischen Griffe haben uns auch auf längeren Strecken überzeugt.

Für die Stadt und das Umland zeigt sich der Bosch Performance Line gewappnet, was nicht verwunderlich ist, schließlich kommt der Antrieb auch bei vielen E-Trekkingbikes zum Einsatz. Für längere Strecken eignet sich auch die Akkugröße, die sich für die meisten Nutzungsszenarien als mehr als ausreichend erweisen dürfte.

Bei unserem Test konnten wir immer auf genügend Energie zurückgreifen, nur das schwache Ladegerät könnte bei so manchem Nutzer für Unmut sorgen. Die Bedienung mittels Purion-Bedienteil stellt niemanden vor Probleme, außer man möchte eventuell sein Handy laden. Das geht leider nicht, obwohl die praktische SP-Connect Schnittstelle auf dem Vorbau zur Nutzung des Smartphones einlädt.

Für Begeisterung sorgte dagegen das Garmin Varia Radarsystem, welches zum einen an einer schmalen Anzeigeeinheit mit LEDs rechts neben dem Vorbau erkennbar ist. Der zugehörige Sensor ist unscheinbar unter dem Rücklicht platziert und erfasst rückwärtige Fahrzeuge bis zu einem Abstand von 140 m. Je nach Geschwindigkeit der Annäherung werden dann die Fahrzeuge in verschiedenen Farbabstufungen auf der Anzeige dargestellt, rot stellt dabei die höchste Gefahr dar.

Das System funktioniert wirklich und stellt gerade für die Nutzung in der Stadt, auf der täglichen Pendelstrecke oder auf Fahrten über Land eine wertvolle Hilfe dar. Natürlich sollte man sich nicht 100-prozentig darauf verlassen und genauso umsichtig agieren, wie wenn man nicht auf das System zurückgreifen könnte. Aber als Vorwarnsystem ist das System nahezu genial und lässt einen nicht im Unklaren, was hinter einem passiert!

Egal auf welcher Strecke zeigt sich das Adventure NEO 1 EQ agil und direkt, was nicht zuletzt am verwindungssteifen Rahmen liegt. Das Komfortniveau ist hoch, die Federgabel harmoniert hier gut mit der Federung durch die Parallelogramm-Sattelstütze. Das Übrige leisten die Schwalbe-Reifen, die mit geringem Rollwiderstand und guten Grip daherkommen. Wie sich die Kenda in der Serie hier zeigen, können wir allerdings nicht sagen.

Überzeugend hat sich auch die LED-Beleuchtung des Modells dargestellt. Das Frontlicht leuchtet trotz seiner kompakten Größe den Fahrweg gut aus, während die Heckleuchte hinten für eine gute Sichtbarkeit sorgt. Sollte man einmal stark bremsen müssen, stehen die kräftigen Scheibenbremsen bereit, die sich im Testverlauf als gut dosierbar und standfest erwiesen haben.

Beim Fahren vermisst man kaum die heutzutage fast obligatorischen 12 Gänge, die Bandbreite von rund 380 % der 10-fach Schaltung dürfte für die meisten Situationen vollkommen ausreichend sein. Einen Anstieg von 15 % konnte die Testfahrerin jedenfalls problemlos meistern.

Der stabile Gepäckträger ist mit einer Federklappe ausgerüstet, kann aber wohl auch bestimmte Körbe und Taschen zum Einspannen aufnehmen. Ebenfalls lassen sich Seitentaschen anhängen, die dann mittels einer zusätzlichen Lasche gesichert werden können. Für das anvisierte Nutzungsszenario stellt sich die Variabilität aus unserer Sicht als gut dar.

PRO
  • kräftiger und leiser Motor
  • große Batterie
  • stabiler Rahmen
  • hohe Zuladung
  • Garmin Varia Radar
  • helle LED-Lichtanlage
  • Handyhalterung
  • bequemer Sattel
  • gute Parallelogramm-Sattelstütze
  • ergonomische Griffe
  • stabile Schutzbleche
  • gut nutzbarer Gepäckträger
  • Stabiler Ständer
  • zeitloses Design
  • komfortable Reifen
CONTRA
  • keine Klingel
  • Speichenmagnet
  • „nur“ 2A-Charger

Cannondale Adventure NEO 1 EQ 2021

Cannondale Adventure NEO 1 EQ 2021

Motor: Bosch Performance Line, 250 W, 65 Nm
Batterie: Bosch PowerTube 625, 625 Wh
Display: Bosch Purion
Rahmen: SmartForm C3 Alloy
Gabel: SR Suntour Mobie A32, 63 mm
Schaltung: Shimano Deore, 1×10
Bremsen: Shimano MT400, 180/160 mm v/h
Kurbelgarnitur: FSA Bosch E-Bike, 38T
Vorbau: Cannondale 3, Alloy, 31.8 mm
Sattelstütze: Cane Creek Thudbuster G4
Sattel: Cannondale Adventure Neo, 170 mm
Laufräder: Cannondale 2, double wall
Reifen: Kenda Kwick Seven.5, 27.5×2.20″
Gewicht: 24,9 kg
zul. Gesamtgewicht: 150 kg
Preis: 3.999 EUR

Transparenzhinweis: Das Cannondale Adventure NEO 1 EQ wurde uns seitens des Herstellers für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.