Mit dem Klimaschutzprogramm 2026 erkennt die Bundesregierung den Handlungsdruck im Verkehrssektor grundsätzlich an – ein Schritt, den der Radlogistikverband Deutschland in einer heute veröffentlichten Stellungnahme ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig macht das Programm deutlich, dass der Verkehr weiterhin eines der größten Problemfelder der Klimapolitik bleibt. Bis 2030 sollen die Emissionen zwar um 9,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente sinken, doch zentrale Hebel bleiben Elektrifizierung, alternative Kraftstoffe und Verkehrsverlagerung.
Aus Sicht des Verbands bleibt dabei jedoch eine entscheidende Lücke: Die Radlogistik spielt im Maßnahmenpaket faktisch keine Rolle. Während Themen wie E-Auto-Förderung, Ladeinfrastruktur, Schienengüterverkehr und das Deutschlandticket umfassend behandelt werden, fehlen konkrete Ansätze für Lastenräder, Anhänger, Mikrodepots oder urbane Umschlagpunkte. Selbst beim Radverkehr beschränkt sich das Programm auf ein vergleichsweise kleines Infrastrukturpaket – mit begrenzter finanzieller Ausstattung und entsprechend geringer ausgewiesener CO₂-Minderungswirkung.
Dabei räumt die Bundesregierung selbst ein, dass die Potenziale des Radverkehrs deutlich höher liegen. Genau hier setzt die Kritik des RLVD an: Verkehrsverlagerung werde im Güterverkehr nahezu ausschließlich mit Blick auf die Schiene gedacht, während im Personenverkehr der Fokus auf dem ÖPNV liege. Die Radlogistik als sofort verfügbare, leise und flächeneffiziente Lösung für die „letzte Meile“ bleibe außen vor – trotz ihrer praktischen Relevanz im urbanen Lieferverkehr.
Nach Berechnungen des Verbands ist das Einsparpotenzial erheblich. Bereits 100.000 gewerblich eingesetzte Lastenräder oder Anhänger könnten jährlich rund 212.000 Tonnen CO₂ vermeiden, wenn sie Lieferwagenfahrten ersetzen. Bei einer Skalierung auf 250.000 Einheiten wären Einsparungen von etwa 0,53 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr möglich. Diese konservativ kalkulierten Werte berücksichtigen zusätzliche Effekte wie reduzierte Staus, geringeren Flächenverbrauch oder effizientere Tourenplanung noch nicht.
Im Vergleich mit anderen Maßnahmen wird die Dimension deutlich: Die durch das Deutschlandticket erwartete CO₂-Einsparung liegt laut Bundesregierung bei rund einer Million Tonnen jährlich. Radlogistik bewegt sich damit perspektivisch in einer ähnlichen Größenordnung – vorausgesetzt, sie wird politisch gezielt gefördert und systematisch ausgebaut.
Der RLVD fordert daher, das Klimaschutzprogramm kurzfristig um einen eigenständigen Maßnahmenblock „Radlogistik und urbane Wirtschaftsverkehre“ zu erweitern. Konkret schlägt der Verband ein bundesweites Förderprogramm für gewerblich genutzte Lastenräder und Anhänger vor, Investitionen in Mikrodepots sowie die Integration entsprechender Lösungen in bestehende Förderinstrumente und kommunale Verkehrsplanung. Ergänzend seien belastbare Daten zur Klimawirkung und Verkehrsverlagerung notwendig.
Für den Verband ist klar: Wer die Klimaziele im Verkehr erreichen will, muss den urbanen Wirtschaftsverkehr neu denken. Elektrifizierung allein reiche nicht aus. Gefragt seien leichtere Fahrzeuge, kürzere Wege und effizientere Zustellkonzepte. Lastenräder und Anhänger könnten genau hier ansetzen – sofort verfügbar, wirtschaftlich und skalierbar. Das Klimaschutzprogramm 2026 formuliert die Verkehrsverlagerung als Ziel. Aus Sicht des RLVD fehlt nun der nächste Schritt: die konsequente Einbindung der Radlogistik als zentraler Bestandteil der Lösung.





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