Kostenloses Over-the-Air-Update bringt bis zu 120 Nm und neue Fahrdynamik-Features, dazu schnelleren 12A Charger als neue Hardware angekündigt
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Bosch eBike Systems erweitert zum Saisonstart sein sportives eMTB-Ökosystem deutlich: Mit dem Performance Upgrade 2.0 erhalten Fahrerinnen und Fahrer der Performance Line CX und CX-R ab 04. Mai 2026 ein kostenloses Over-the-Air-Update, das Leistung, Kontrolle und Individualisierung auf ein neues Niveau hebt. Im Mittelpunkt stehen mehr situative Spitzenleistung, ein erweitertes Fahrverhalten sowie neue digitale Funktionen für Trail-Kontrolle und Skill-Tracking.

Mehr Leistung genau im richtigen Moment

Das Update erhöht die Spitzenwerte der Systeme auf bis zu 120 Nm Drehmoment sowie bis zu 600 % Unterstützung (je nach Modus und Herstellerfreigabe). Die Software erkennt dabei technische Fahrsituationen und stellt zusätzliche Leistung gezielt und kurzfristig bereit.

Der sogenannte Extended Boost, der kurzzeitige Nachlauf über Hindernisse, wird ebenfalls weiterentwickelt und soll ab Mitte 2026 individuell in der eBike Flow App einstellbar sein.

Neue Funktionen für Kontrolle und Fahrgefühl

Neben der reinen Leistung bringt das Update drei zentrale Funktionsbausteine:

  • Extended Boost (individuell einstellbar) für besseres Überrollen von Stufen und Hindernissen
  • Drivetrain Tensioner für direkten Kraftschluss und reduzierten Leerweg am Pedal
  • Trick Check zur automatischen Erkennung und Auswertung von Trail-Manövern wie Jumps oder Manuals (wir berichteten zuvor)

Gerade die Kombination aus direkterer Kraftübertragung und softwarebasierter Unterstützung soll das Fahrverhalten spürbar präziser machen.

Feature-Matrix: Unterschiede je Antriebssystem

Die neuen Funktionen stehen nicht bei allen Drive Units identisch zur Verfügung. Laut Systemübersicht ergibt sich folgende Einordnung:

Performance-orientierte Systeme mit vollem Funktionsumfang

  • Performance Line CX-R (BDU38)
  • Performance Line CX (BDU38)

Feature-Upgrade auf:

  • max. Drehmoment (bis 120 Nm)
  • max. Unterstützung (bis 600 %)
  • Extended Boost
  • Trick Check

Performance-orientierte Systeme mit eingeschränkten Features

  • Performance Line CX Race Ltd. (BDU37)
  • Performance Line CX (BDU37)
  • Performance Line PX (BDU34)

Feature-Upgrade auf:

  • max. Unterstützung (bis 600 %)
  • Extended Boost (nur CX)
  • Trick Check (nur CX)

Gewicht-orientierte Systeme mit eingeschränkten Features

  • Performance Line SX (BDU31)

Feature-Upgrade auf:

  • Extended Boost
  • Trick Check

Transport-orientierte Systeme mit eingeschränkten Features

  • Cargo Line (BDU38)

Feature-Upgrade auf:

  • max. Drehmoment (bis 120 Nm)
  • max. Unterstützung (bis 600 %)
  • Extended Boost

Speed-orientierte Systeme mit eingeschränkten Features

  • Performance Line Speed (BDU38, US/NZ)

Feature-Upgrade auf:

  • max. Unterstützung (bis 600 %)

Extended Boost: mehr Kontrolle über den Nachlauf

Der bekannte Extended Boost, also der kurzzeitige Nachlauf des Motors nach dem Treten, wird weiterentwickelt und ab Mitte 2026 individuell einstellbar. Die Länge dieses Nachlaufs lässt sich dann direkt in der eBike Flow App über einen Schieberegler pro Fahrmodus anpassen.

Damit wird aus einer festen Systemfunktion ein variabler Parameter: kurze, fein dosierte Unterstützung für niedrige Hindernisse oder längerer Schub für hohe, kantige Stufen und technische Passagen. Die tatsächliche Wirkung ergibt sich dabei aus dem Zusammenspiel von App-Einstellung, Fahrmodus und Pedaldruck.

Ziel ist laut Bosch eine flüssigere Linienwahl im Gelände und weniger Unterbrechungen im Tritt – insbesondere bei technischen Sektionen, in denen sonst häufig ein Absetzen oder erneutes Ansetzen der Pedale nötig wäre.

Drivetrain Tensioner für direktere Umsetzung

Eine der technisch auffälligsten Neuerungen ist der Drivetrain Tensioner. Er optimiert softwareseitig den Kraftschluss zwischen Motor und Hinterrad, indem der Freilauf im Antriebsstrang stärker vorgespannt wird.

In der Praxis reduziert sich dadurch der typische Leerweg beim Antritt deutlich. Fahrerinnen und Fahrer spüren die Kraftübertragung schneller und unmittelbarer, da der Input am Pedal nahezu ohne Verzögerung in Vortrieb umgesetzt wird. Besonders in technischen Situationen – etwa beim explosiven Antritt vor einer Stufe oder beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren – entsteht so ein deutlich direkteres Fahrgefühl.

Ein weiterer Effekt: Durch die gleichmäßigere Kraftübertragung sollen Belastungsspitzen im Antriebsstrang reduziert werden, was sich positiv auf Verschleißkomponenten wie Kette, Kassette und Freilauf auswirken kann. Gleichzeitig bleibt der Freilauf im Betrieb leiser.

Der Drivetrain Tensioner wird per Update über die eBike Flow App bereitgestellt und steht ab Mitte 2026 zunächst in den Fahrmodi eMTB+ und Race zur Verfügung.

Trick Check: Trail-Performance wird messbar

Mit Trick Check erweitert Bosch den sportlichen Ansatz um eine spielerische und zugleich datenbasierte Komponente. Das System erkennt automatisch bestimmte Fahrmanöver wie Jumps, Wheelies, Manuals oder Stoppies.

Dabei werden nicht nur die Bewegungen selbst registriert, sondern auch deren Ausprägung: Dauer, Höhe, Distanz oder Winkel fließen in die Bewertung ein. Ein akustisches Signal bestätigt erfolgreiche Tricks direkt während der Fahrt, zusätzlich wird der letzte erkannte Move für acht Sekunden auf dem Display angezeigt.

Nach der Fahrt werden alle erfassten Aktionen in der eBike Flow App gespeichert. Dort lassen sich persönliche Bestleistungen nachvollziehen und Fortschritte über mehrere Fahrten hinweg vergleichen. Das System soll so nicht nur Unterhaltung bieten, sondern auch eine Art spielerische Trainingskomponente für technische Fahrtechnik darstellen.

Neuer 12A Charger verkürzt Ladezeiten deutlich

Parallel zum Software-Update führt Bosch mit dem 12A Charger eine neue Ladegeneration ein. Mit rund 500 Watt Ladeleistung arbeitet er etwa dreimal schneller als der bisherige 4A Charger.

Eine PowerTube 800 erreicht damit etwa 50 Prozent Ladestand in rund einer Stunde – ein deutlicher Sprung in Richtung alltagstauglicher Schnellladefähigkeit für sportliche Einsätze.

Technisch ermöglicht wird die kompakte Bauweise durch GaN-Halbleiter (Galliumnitrid), die weniger Wärme erzeugen als klassische Komponenten. Dadurch kann die hohe Ladeleistung effizienter und in einem deutlich kleineren Gehäuse umgesetzt werden.

Mit einem Gewicht von unter einem Kilogramm bleibt das Ladegerät dank GaN-Technologie transportabel und eignet sich auch für den Einsatz im Rucksack oder in kleineren Taschen.

Fazit

Mit dem Performance Upgrade 2.0 verschiebt Bosch eBike Systems den Fokus klar in Richtung softwaredefinierter Performance: mehr situative Leistung, stärker individualisierbare Fahrcharakteristik und ein erweitertes Ökosystem aus Antrieb, App und Training. Für sportliche eMTB-Fahrer entsteht damit weniger ein einzelnes Update, sondern ein spürbar erweitertes Systemverhalten auf dem Trail. Obwohl einige der Features auch für die neuesten Speed- und Cargo-Systeme kommen, legt Bosch eBike Systems seinen Fokus weiter auf die sportlichen Nutzer. Wir finden, dass dies eine verpasste Chance ist, um sich weiter als Antriebshersteller für die Verkehrswende zu etablieren.

Was meint ihr?

Quelle: PM Bosch
Bilder: Bosch