Für die Traditionsmarke aus Waldsassen zeichnet sich keine Zukunftslösung ab. Die verbliebenen Fahrradbestände sollen geschlossen an einen Händler verkauft werden. Damit nimmt die Auflösung der deutschen Accell-Gruppe weiter konkrete Formen an.
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Für Ghost Bikes gibt es offenbar keine Zukunft mehr unter dem bisherigen Unternehmensdach. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Ghost-Bikes GmbH wurde am 1. November 2026 am Amtsgericht Schweinfurt eröffnet. Nachdem sich im internationalen Investorenprozess für die deutsche Gesellschaft keine tragfähige Fortführungslösung ergeben hat, soll der Geschäftsbetrieb in Abstimmung mit den gesicherten Gläubigern geordnet eingestellt werden. Die noch vorhandenen Fahrradbestände sind für einen geschlossenen Verkauf an einen Händler vorgesehen.

Damit zeichnet sich ein weiterer Einschnitt innerhalb der deutschen Accell-Gruppe ab. Die Ghost-Bikes GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Accell Germany GmbH und hatte gemeinsam mit dieser sowie der Winora Staiger GmbH und der Engelbert Wiener Bike Parts GmbH am 5. August 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Kein Investor für Ghost Bikes gefunden

Seit der Anordnung des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens hatte das Sanierungsteam der Kanzlei Grub Brugger unter Führung von Rechtsanwalt Martin Mucha gemeinsam mit der Geschäftsführung um Joost van Schaik nach einer Zukunftslösung für die deutschen Accell-Gesellschaften gesucht.

In einem international gesteuerten Investorenprozess wurden zahlreiche Interessenten angesprochen und unterschiedliche Fortführungsoptionen geprüft. Für Ghost Bikes konnte jedoch kein Angebot gefunden werden, das aus Sicht der Gläubiger wirtschaftlich vorteilhafter gewesen wäre als die Verwertung der vorhandenen Bestände.

Der Sachwalter, Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus, bestätigte, dass ein geordneter Abverkauf deshalb die wirtschaftlich beste Option darstelle. Die Umsetzung werde weiterhin eng begleitet, um die bestmögliche Verwertung im Interesse der Gläubiger sicherzustellen.

Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens beschäftigte die Ghost-Bikes GmbH noch 53 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs Anfang September hatte die Eigenverwaltung zunächst vorhandene Fahrräder an den Fachhandel verkauft. Die verbliebenen Bestände sollen nun en bloc an einen Händler gehen. Einzelbestellungen bei Ghost Bikes sind ab Insolvenzeröffnung nicht mehr möglich.

Unterschiedliche Perspektiven innerhalb der deutschen Accell-Gruppe

Die Entwicklung bei Ghost Bikes steht in deutlichem Kontrast zu den jüngsten Nachrichten über die Schwestergesellschaft Winora Staiger GmbH. Wie bereits berichtet, wurde deren Insolvenzverfahren am 29. Oktober eröffnet. Mit Bike Tree fand sich dort ein Käufer, der im Rahmen eines Asset Deals wesentliche Vermögenswerte einschließlich der Marken WINORA und HAIBIKE übernimmt. Der Geschäftsbetrieb in Sennfeld soll mit 87 Beschäftigten fortgeführt werden, auch wenn 73 Arbeitsplätze wegfallen.

Für Ghost Bikes ist eine vergleichbare Lösung dagegen nicht zustande gekommen. Während sich für Winora und HAIBIKE damit zumindest eine Perspektive unter einem neuen Eigentümer abzeichnet, steht bei der Marke aus Waldsassen die geordnete Abwicklung des Unternehmens im Vordergrund.

Auch das Verfahren der Engelbert Wiener Bike Parts GmbH gehört zu den noch laufenden Teilen der Restrukturierung der deutschen Accell-Gesellschaften. Die Entwicklungen zeigen, dass der ursprünglich angestrebte Verkauf beziehungsweise die Herauslösung der deutschen Aktivitäten aus dem internationalen Konzern nicht für alle Unternehmen zu einer Fortführungsperspektive geführt hat.

Die Krise der Accell Group dauert an

Die Schwierigkeiten der deutschen Gesellschaften sind Teil einer wesentlich größeren Krise des internationalen Fahrradkonzerns. Die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft KKR & Co. hatte 2022 die Mehrheit an der Accell Group übernommen. Unmittelbar danach geriet der Fahrradmarkt nach dem Ende des pandemiebedingten Nachfragebooms in eine anhaltende Absatz- und Preiskrise.

Auch umfangreiche finanzielle Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 konnten die wirtschaftliche Situation des Konzerns nicht nachhaltig stabilisieren. Ein anschließender strukturierter Verkaufsprozess für die gesamte Accell Group scheiterte ebenfalls. In der Folge wurden in zahlreichen Ländern Insolvenzverfahren eingeleitet, darunter in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien sowie mehreren nordischen Ländern.

Wie bereits bei der internationalen Neuordnung der Accell Group und den Übernahmeentwicklungen in den Niederlanden deutlich wurde, geht es inzwischen nicht mehr um eine einheitliche Rettung des gesamten Konzerns. Vielmehr werden einzelne Unternehmen, Marken und Vermögenswerte getrennt betrachtet und teilweise an neue Eigentümer übertragen. Für einige Teile des bisherigen Markenportfolios konnten bereits Lösungen gefunden werden. Andere Gesellschaften müssen ihren Geschäftsbetrieb einstellen.

Mit der nun eröffneten Insolvenz der Ghost-Bikes GmbH wird deutlich, dass auch eine traditionsreiche und im Fachhandel etablierte Fahrradmarke nicht zwangsläufig einen Platz in der künftigen Struktur findet. Für die 53 Beschäftigten in Waldsassen bedeutet die Entscheidung eine ungewisse berufliche Zukunft.