Die Insolvenzverwalter der niederländischen Accell Group-Gesellschaften haben am Freitag einen internationalen Verkaufsprozess für den angeschlagenen Fahrradkonzern gestartet, wie unter anderem das Branchenmagazin Bike Europe aktuell berichtet. Potenzielle Käufer können sich dabei um das gesamte Unternehmen oder einzelne Teile bewerben. Eine Rückfallvereinbarung mit einem interessierten Investor soll die Geschäftskontinuität während des Prozesses sichern – besonders für die unter dem Dach von Accell geführten Marken wie Koga, Batavus, Sparta, Haibike und Lapierre.
Der nun eingeleitete Verkaufsprozess beschränkt sich laut Nieuwsfiets.nu nicht nur auf die niederländischen Gesellschaften des Konzerns. Die Insolvenzverwalter streben eine internationale Koordination an, die alle Länder umfasst, in denen Accell aktiv ist. Wo erforderlich, arbeiten sie mit lokalem Management oder regionalen Insolvenzverwaltern zusammen, um eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten.
Seit der offiziellen Insolvenzerklärung durch das Amsterdamer Bezirksgericht am 11. August leiten Thijs Hekman (AKD) und Erik Schuurs (Jones Day) als bestellte Treuhänder die Geschäfte. Ihr vorrangiges Ziel: die Fortführung der Geschäftstätigkeit, um Händlern die Wiederaufnahme von Bestellungen und Lieferungen zu ermöglichen. Parallel dazu soll ein „schneller und effektiver“ Verkaufsprozess die wirtschaftliche Substanz und Arbeitsplätze bestmöglich bewahren, wie es bei Bike Europe weiter heißt. Auch der Verkauf einzelner Vermögenswerte, etwa Markennamen oder Lagerbestände, steht zur Diskussion. Als M&A-Berater unterstützt FTI Consulting Netherlands die Verwalter.
Hintergrund ist die angespannte Lage des Konzerns, dessen niederländische Gesellschaften bereits für insolvent erklärt wurden. Auch in anderen europäischen Ländern, etwa in Frankreich bei Lapierre und Großbritannien bei Raleigh, laufen Insolvenz- oder Restrukturierungsverfahren. Die deutsche Accell-Organisation mit Marken wie Winora-Staiger, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts hatte bereits Anfang August Eigenverwaltung beantragt.
Besonderes Augenmerk liegt auf der engen Abstimmung mit den gesicherten Gläubigern. Eine Gruppe von ihnen hat laut Bike Europe bereits eine Rückfallvereinbarung mit einem Interessenten für alle Fahrradmarken geschlossen, um die Geschäftskontinuität im Sinne aller Beteiligten zu wahren. Zudem können Gläubiger ihre ausstehenden Kredite mit dem Kaufpreis verrechnen („Credit Bid“), um Mindesterlöse zu sichern. Gleichzeitig bleiben Barangebote für einzelne Marken möglich.
Zu den bereits öffentlich bekannten Interessenten zählen die irische Investmentgesellschaft Quanta Capital und die Dutech Holdings. Weitere potenzielle Käufer sind aufgefordert, ihr Interesse bei FTI Consulting zu registrieren. Für den Fachhandel und die Belegschaft bleibt die Situation jedoch vorerst ungewiss – insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch die Schweizer Accell Suisse AG am 18. August für insolvent erklärt wurde. Die Frage nach Lieferfähigkeit, Ersatzteilversorgung und Garantieabwicklung bleibt damit weiter offen.
Die Entwicklung bei Accell zeigt: Trotz aller Bemühungen um einen Neustart bleibt die Zukunft des Konzerns und seiner Marken unsicher. Ob und in welcher Form Teile des Unternehmens unter neuer Führung weitergeführt werden können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Mit Informationen von Bike Europe und Nieuwsfiets.nu.




Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.
Bitte beachte unsere Kommentarregeln:
Wir möchten eine respektvolle und konstruktive Diskussion fördern. Kommentare, die thematisch nicht passen, beleidigend sind oder den Zweck haben, andere Leser oder Autoren herabzusetzen, behalten wir uns vor zu löschen. Denke daran, so zu schreiben, als würdest du mit echten Personen sprechen. Humor ist willkommen, politische Diskussionen sollten vermieden werden. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars.
Bleib auf dem Laufenden:
Du kannst den Kommentar-Feed dieses Beitrags abonnieren.
Wer immer alles mitverfolgen möchte, sollte den Hauptfeed abonnieren.