Nach dem Scheitern einer Investorenlösung leitet Accell Insolvenzverfahren ein. Wie es mit Raleigh weitergeht, sollen nun Insolvenzverwalter entscheiden.
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Die Zukunft der traditionsreichen Fahrradmarke Raleigh ist ungewiss. Die niederländische Accell Group, zu der neben Raleigh unter anderem auch die Marken Lapierre, Haibike, Winora und Ghost gehören, hat Insolvenzverfahren für wesentliche Gesellschaften des Konzerns eingeleitet. Zuvor war es nach Unternehmensangaben nicht gelungen, einen Käufer oder eine andere tragfähige Lösung für den Fortbestand der Gruppe in ihrer bisherigen Form zu finden.

Für die britische Gesellschaft Accell UK & Ireland, die aus der früheren Raleigh-Gesellschaft hervorgegangen ist, wurde eine sogenannte „Notice of Intention to appoint administrators“ eingereicht. Damit kündigte das Unternehmen die beabsichtigte Bestellung von Insolvenzverwaltern an. Das Verfahren soll zunächst Zeit schaffen, um mögliche Lösungen für den Erhalt von Geschäftsbereichen und Arbeitsplätzen zu prüfen.

Insofern steht auch die Zukunft von Raleigh auf dem Spiel. Die 1887 gegründete Marke entwickelte sich einst zum größten Fahrradhersteller der Welt. In Spitzenzeiten fertigte das Unternehmen nach eigenen Angaben bis zu eine Million Fahrräder pro Jahr in Nottingham und beschäftigte mehr als 8.000 Mitarbeiter. Modelle wie Chopper, Grifter oder Burner prägten in den 1970er- und 1980er-Jahren das Bild der Marke.

Unter der Eigentümerschaft von Accell verlagerte Raleigh seinen Schwerpunkt zunehmend auf Pedelecs, wie das voll vernetzte ONE (hier im Test). Die Marke fertigt jedoch bereits seit 2002 keine Fahrräder mehr in Nottingham. Der Unternehmenssitz blieb zunächst in der Region erhalten und wurde später nach Eastwood verlegt.

Die Produktion in Großbritannien wurde jedoch bereits 2002 eingestellt. Zehn Jahre später übernahm die Accell Group Raleigh. Seither wurde die Marke von den Niederlanden aus geführt, während der Unternehmenssitz in Nottinghamshire erhalten blieb. Nun sollen Insolvenzverwalter über die Zukunft der Marke und möglicher Unternehmensteile entscheiden. Medienberichten zufolge gilt sowohl ein Verkauf einzelner Marken als auch von Unternehmensteilen als möglich.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind eng mit der Entwicklung des Fahrradmarktes verbunden. Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Fahrrädern und Pedelecs stark an. Viele Hersteller bauten ihre Produktion daraufhin deutlich aus. Als die Nachfrage später zurückging, blieben hohe Lagerbestände zurück, die vielfach nur mit Preisnachlässen abgebaut werden konnten. Gleichzeitig verschärfte sich der Wettbewerb durch asiatische Anbieter.

Auch Eigentümerwechsel konnten den Abwärtstrend nicht stoppen. Die Accell Group war 2022 für rund 1,4 Milliarden Euro vom Finanzinvestor KKR übernommen worden. Anfang 2026 ging die Kontrolle an eine Gruppe europäischer Banken und Investoren über. Zuletzt scheiterten Verhandlungen über eine Übernahme durch die Tri Star Group, eine Tochter des in Singapur ansässigen Industrieunternehmens Dutech Holdings.

Accell-CEO Jonas Nilsson bezeichnete die Entwicklung als einen “zutiefst traurigen und frustrierenden” Moment. Trotz umfassender Restrukturierungsmaßnahmen und intensiver Gespräche mit Investoren und Kreditgebern habe sich keine Lösung finden lassen, um den Konzern in seiner bisherigen Form fortzuführen. Nun liege der Fokus darauf, gemeinsam mit den gerichtlich bestellten Insolvenzverwaltern wirtschaftlich tragfähige Geschäftsbereiche und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Für Raleigh kommt die Entwicklung zu einem ohnehin schwierigen Zeitpunkt. Britischen Medien zufolge hatte die frühere Raleigh-Gesellschaft in Großbritannien bereits erhebliche Verluste verzeichnet und war zuletzt auf finanzielle Unterstützung der Konzernmutter angewiesen. Ob und in welcher Form die traditionsreiche Marke fortgeführt werden kann, dürfte sich erst im Verlauf des Insolvenzverfahrens entscheiden.

Mit Informationen von Accell Group, The Guardian, The Daily Telegraph, Nottingham Post.

Quellen: s. Text