Nach dem Zerwürfnis des ZIV mit den Machern der Eurobike möchte man jetzt mit Partnern eine eigene Leitmesse etablieren
Jetzt ist es raus! Wie bereits zuvor berichtet, soll die „towards tomorrow – European Bike Show“ seitens ZIV – die Fahrradindustrie als neue Leitmesse der Fahrradindustrie etabliert werden. Als Standort und Veranstalter wurde aus mehreren Kandidaten nun die Messe in Köln auserkoren. Dort hatte die Vorgängerorganisation des Zweiradindustrieverbands in den 90ern bereits eigene Fahrradmessen etabliert (IFMA / Intercycle), die im Laufe der Zeit wohl aber der Dominanz der Eurobike zum Opfer fielen. Was man dieses Mal anders machen möchte, stellte Louise Böhler vom Branchenpartner und Markeninhaber ZR – Zweirad-Gesellschaft mbH während der Präsentation heraus.

ZIV | Louise Böhler am 18. März 2026 © Dirk Michael Deckbar | +491723108973 | Mail@deckbar.de |
Demnach möchte man das gesamte „Ökosystem Fahrrad“ abbilden, Produktklarheit schaffen und in Europa nicht zugelassene E-Bikes gleich ganz von der Veranstaltung ausschließen.

Wobei Letzteres wohl auch eines der größten Mankos war, was zuletzt der fairnamic GmbH, den Veranstaltern der Eurobike vorgeworfen wurde. Die „ungezügelten Antriebe“ wie von Avinox, Askoll etc. oder die Vielzahl an LEVs, die auf der Fahrradmesse gezeigt wurden, stießen der Industrie wohl am meisten sauer auf. Die neue Messe soll sich daher komplett auf Pedelecs und Fahrräder konzentrieren.

Insgesamt soll auch Europa als Wertschöpfungsstandort mehr als bisher herausgestellt werden, wie ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork im Rahmen der Pressekonferenz betonte. Trotzdem soll ein globales Publikum angesprochen werden, auch weil die Industrie ja auch global agiere, wie Stork auf Nachfrage klarstellte. Als Termin hat man die erste volle Woche im September festgelegt, was für nächstes Jahr die Messe vom 06. bis zum 08. September 2027 gleich nach der Eurobike stattfinden lässt.

Burkhard Stork bei der towards tomorrow-Pressekonferenz
Neben ZIV und VSF hat man noch die Bike&Co an Bord geholt, die ihre im vergangenen Jahr erfolgreich durchgeführte Ordermesse in Kassel ebenfalls in 2027 noch durchführen möchte. So haben die Aussteller und Besucher innerhalb nur acht Tagen die Qual der Wahl, denn die Ordermesse in Kassel liegt genau zwischen beiden konkurrierenden Fachmessen.

Auch die ZEG konnte man ins Boot holen, dieses Jahr selbst noch mit ihrer Bike Show in Köln am Start. Ob die Hausmesse dann zusätzlich noch stattfindet, steht derzeit in den Sternen. Allerdings wird die „towards tomorrow – European Bike Show“ ebenfalls als reine B2B-Messe konzipiert und keine Publikumstage bereitstellen. Auch die Dauer von drei Tagen ist wohl fix.
Bisher konnte man bereits die folgenden Aussteller gewinnen: ABUS, BIKE&Co. Bosch, Büchel, Busch+Müller, Coboc, Croozer, ergotec, KTM, Paul Lange (Shimano Europe), Puky, Schwalbe, Velo de Ville, VSF und die ZEG.

In Sachen Fahrradhersteller sucht man Big Player auch hier vergebens, so dass man sich seitens der Veranstalter die Frage gefallen lassen muss, worin jetzt der Mehrwert für die Messebesucher liegen soll. Außer vielleicht komplett über acht Tage im Messerummel eintauchen zu müssen. Ach ja, die IAA Mobility in München startet ja auch noch am 07. September.
Zitate von Partnern und Unterstützern:
Oliver Frese | Geschäftsführer (COO) | Koelnmesse GmbH

Oliver Frese, Geschäftsführer der Koelnmesse
Köln ist für diese neue Leitmesse genau der richtige Standort. Natürlich bringen wir als Koelnmesse mit unserer Erfahrung, Innovationskraft und unserer modernen Infrastruktur die besten Voraussetzungen mit, die ein internationales B2B-Format braucht. Aber entscheidend ist zudem auch: In Köln kommen Märkte in Bewegung. Im Herzen Europas gelegen ist Köln eine Stadt mit exzellenter internationaler Anbindung, hoher medialer Sichtbarkeit und einer Begeisterungsfähigkeit, die optimal zu einer Branche passt, die selbst für Bewegung steht.Oliver Frese
Bernhard Lange | ZIV-Präsidiumsmitglied und CEO Paul Lange GmbH & Co. KG

Bernhard Lange
Aus den Mitgliedsunternehmen des ZIV, der deutschen und der internationalen Fahrradindustrie, dem Handel und von Dienstleistern wurde nahezu einhellig die Überzeugung geäußert, dass die Branche eine globale Leitmesse braucht und dass diese im wohl wichtigsten Fahrradmarkt, in Deutschland, stattfinden soll. Diesem Wunsch und Anspruch stellen sich die Branchenverbände, und ich bin überzeugt, dass wir mit der towards tomorrow genau das richtige Format dafür schaffen.Bernhard Lange
Burkhard Stork | Geschäftsführer | ZIV – Die Fahrradindustrie

Burkhard Stork vom Zweirad-Industrie-Verband; Bild: Dirk Michael Deckbar
Die towards tomorrow bildet vom deutschen Handel über europäische und internationale Player genau das Netzwerk ab, das die globale Fahrradwirtschaft heute ist. Was die neue Messe außerdem zurückbringt, ist der community spirit. Dieser besondere Drive der Branche und daraus erwachsende Partnerschaften sind das, was uns zusammen stark macht. Kurz: Eine Messe, die nicht mitläuft, sondern vorausfährt. Da freue ich mich drauf!Burkhard Stork
Torsten Burmester | Oberbürgermeister Stadt Köln
Als internationale Messestadt, jahrtausendealte Wirtschaftsmetropole und moderne Mobilitätsstadt bringt Köln die besten Voraussetzungen mit, um jetzt zu einem Knotenpunkt der Fahrradbranche zu werden. Kaum eine andere Industrie denkt, Innovation, urbane Mobilität und wirtschaftliche Dynamik so intuitiv und kreativ wie die Fahrrad- und E-Bike-Branche. (…) Dass sich die Branche für Köln entschieden hat, ist weit mehr als eine reine Standortentscheidung. Damit entsteht in Köln ein neuer, internationaler Ankerpunkt der Fahrradwirtschaft mit einer Sichtbarkeit, die weit über Deutschland hinausreicht. Köln bringt Menschen, Märkte und jetzt einmal mehr Mobilität zusammen. Genau deshalb passt dieses Zukunftsprojekt hervorragend zu unserer Stadt. Mit dieser neuen internationalen Plattform entstehen zudem wichtige Impulse für Wirtschaft, Stadtentwicklung, internationale Sichtbarkeit und – ja – auch urbane Lebensqualität. Köln wird damit in Zukunft noch stärker zu einem Schaufenster für moderne Mobilität. Ich freue mich sehr, dass die Fahrradwelt künftig in Köln zusammenkommt.Torsten Burmester
Georg Wagner | Geschäftsführer | BICO Zweirad Marketing GmbH
(…) Die enge Zusammenarbeit der Einkaufsverbände auf Augenhöhe sowie die Abstimmung mit dem ZIV stellen eine historische Chance für die Fahrradbranche dar – und genau das, was der Markt derzeit zu Recht erwartet. Deshalb werden wir gemeinsam eine pragmatische Lösung für 2027 entwickeln, die es sowohl Besuchern, Ausstellern und als auch uns als BICO ermöglicht, organisatorisch und zeitlich an beiden Messeformaten teilzunehmen. (…)Georg Wagner
Fred Schierenbeck | Vorstandsvorsitzender (CEO/CSO) | ZEG Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft eG
Wir freuen uns zunächst auf unsere ZEG-Show in rund vier Wochen hier in Köln. Gleichzeitig blicken wir mit großer Freude und Zuversicht auf die neue Leitmesse, die ab 2027 ebenfalls in Köln stattfinden wird. Wir werden dort als ZEG- vertreten sein und begrüßen diese Zusammenarbeit innerhalb der Branche ausdrücklich. Eine starke gemeinsame B2B-Plattform kann zu einem echten Impulsgeber für die gesamte Branche werden. Wir freuen uns darauf, diesen Weg aktiv mitzugestalten, und gemeinsam auch im Kreise der Verbände die Zukunft des Fahrradmarktes voranzubringen.Fred Schierenbeck
Uwe Wöll | Geschäftsführer | VSF – Verbund Service und Fahrrad

GF des VSF, Uwe Wöll
Wir freuen uns sehr, dass es einen Neuanfang unter Beteiligung der Handelsverbände gibt. Für unsere Händler ist der Überblick über das deutsche, europäische und globale Angebot entscheidend. Gelingt uns gemeinsam zusätzlich große mediale Aufmerksamkeit auf das Event zu lenken, ist der ganzen Fahrradwirtschaft geholfen! Wir sind dabei.Uwe Wöll
Weitere Informationen
Kick-off Event am 09. September 2026 (Messe Köln)
Convention: towards tomorrow – Cycling Industry Convention 2026 (vormals vivavelo)
Website: show.twrds.com
Unsere Meinung
Dass die Umsetzung einer Messe und der Termin nicht immer jedem Teilnehmer zu 100 % gefällt, war schon zu Zeiten der Eurobike in Friedrichshafen so. Auch dort gab es immer wieder Kritik am Messekonzept oder dem „zu späten“ Termin, zu dem man jetzt aber wieder zurückgekehrt ist. Für nächstes Jahr konzentrieren sich daher in diesem „unbeliebten“ Zeitraum jetzt drei Messen, was die Frage aufkommen lässt, ob man jetzt nicht schlechter da steht als früher. Immerhin war für alle Hersteller und Fachbesucher damals glasklar, dass man für Sichtbarkeit an den Bodensee kommen musste. Das ist jetzt nicht mehr gegeben.
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