Die deutsche Fahrradwirtschaft könnte in den kommenden Jahren mit einer gemeinsamen Stimme sprechen: Die beiden zentralen Branchenverbände Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und Zukunft Fahrrad planen eine Fusion. Ziel des Zusammenschlusses ist es, die politische Schlagkraft der Branche zu erhöhen und der Mobilitätswende in Deutschland mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Darüber berichtete zuerst das manager magazin.
Nach Informationen aus Branchenkreisen laufen die Gespräche zwischen den beiden Organisationen bereits seit dem Sommer 2025. Zusammen vertreten sie rund 240 Unternehmen und Akteure der Fahrradwirtschaft – von Herstellern über Dienstleister bis hin zu Mobilitätsanbietern. Stimmen die Mitglieder zu, könnte der Zusammenschluss laut Bericht im Mai 2027 abgeschlossen sein.
Übergangsphase mit gemeinsamer Führung
Geplant ist zunächst eine mehrjährige Übergangsphase. In dieser Zeit soll ein paritätisch besetzter Vorstand mit zwölf Mitgliedern die Geschicke des neuen Verbandes lenken. Die operative Leitung würden weiterhin die beiden bisherigen Geschäftsführer übernehmen: Burkhard Stork für den ZIV und Wasilis von Rauch für Zukunft Fahrrad.
Langfristig soll das Führungsgremium auf sechs Mitglieder verkleinert werden. Bis zur endgültigen Fusion müssen jedoch noch zentrale Fragen geklärt werden, etwa eine gemeinsame Satzung, eine neue Verbandsbezeichnung sowie eine einheitliche Beitragsstruktur, wie es weiter heißt.
Unterschiedliche Strukturen, gemeinsame Ziele
Die beiden Organisationen unterscheiden sich deutlich in ihrer Herkunft und Arbeitsweise.
Der Zweirad-Industrie-Verband, dessen Wurzeln bis in die traditionsreiche deutsche Fahrradindustrie zurückreichen, vertritt vor allem Hersteller und Zulieferer. Große Branchenunternehmen prägen das Präsidium.
Zukunft Fahrrad dagegen ist ein deutlich jüngerer Verband. Er wurde 2019 gegründet und vertritt verstärkt Geschäftsmodelle rund um moderne Mobilitätsangebote wie Dienstradleasing, Bike-Sharing oder Fahrrad-Abonnements. Initiatoren gehörten unter anderem zu den Gründern des Leasinganbieters JobRad.
Trotz dieser Unterschiede arbeiten beide Verbände bereits seit längerer Zeit eng zusammen. Gemeinsame Pressekonferenzen und abgestimmte Positionspapiere zeigen, dass sich ihre politischen Forderungen vielfach überschneiden.
Mehr Einfluss in der Bundespolitik
Hinter dem geplanten Zusammenschluss steht auch die Einschätzung, dass die Fahrradbranche politisch bislang weniger Gehör findet, als sie sich erhofft. Verbände kritisieren seit Jahren unter anderem den langsamen Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur und eine aus ihrer Sicht ungleiche Förderung von Elektromobilität zugunsten des Autos.
Mit einem gemeinsamen Verband erhoffen sich die Initiatoren mehr Gewicht im politischen Berlin. Dabei soll das Fahrrad nicht nur als Verkehrsmittel, sondern stärker auch als Wirtschaftsfaktor positioniert werden. Trotz der aktuellen Marktschwäche setzte die Branche zuletzt rund 27 Milliarden Euro um und beschäftigt etwa 200.000 Menschen direkt oder indirekt in Deutschland.
Rolle des Fachhandels bleibt Thema
Nicht alle Akteure der Branche sind jedoch direkt in die Fusionspläne eingebunden. Beobachter verweisen im Artikel des manager magazins darauf, dass der Fachhandelsverband Verbund Service Fahrrad (VSF) mit seinen zahlreichen Händlerbetrieben bislang nicht Teil der geplanten Struktur ist. Vertreter des Handels betonen allerdings, dass Gespräche über eine künftige Zusammenarbeit laufen und ihre Interessen weiterhin berücksichtigt werden sollen.
Emotionen und Zahlen als Argumente
Um politisch stärker wahrgenommen zu werden, setzt die Branche künftig neben wirtschaftlichen Kennzahlen auch auf die emotionale Wirkung des Fahrrads. Gerade in der Politik gilt das Radfahren als positives Symbol für Gesundheit, Nachhaltigkeit und aktive Mobilität.
Ob diese Kombination aus wirtschaftlicher Bedeutung und gesellschaftlicher Symbolkraft tatsächlich zu mehr Einfluss auf politische Entscheidungen führt, dürfte sich spätestens nach der geplanten Fusion zeigen.
Mit Informationen des manager magazin.





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