Als AMFLOW das TL Carbon erstmals vorgestellt hat, stand vor allem die Technik rund um den Avinox-Antrieb im Mittelpunkt. Inzwischen ist das E-SUV bei uns für einen Langzeittest angekommen und damit beginnt der deutlich interessantere Teil: Wie präsentiert sich das Fahrrad tatsächlich außerhalb der Presseunterlagen?
Für unseren First Look haben wir den Aufbau Schritt für Schritt dokumentiert und das TL Carbon anschließend auf den ersten Kilometern bewegt. Die ausführliche Erprobung über einen längeren Zeitraum steht noch aus.
Vom Karton auf die eigenen Räder
Das TL Carbon kommt entsprechend geschützt verpackt an. Nach dem Entfernen der Sicherungsbänder und des Klebebands lässt sich der obere Teil des Kartons öffnen und gibt zunächst den Blick auf das Zubehör und die einzelnen Bauteile frei.
Benötigtes Werkzeug (unter anderem auch Drehmomentschlüssel und Einsätze) und weitere Komponenten sind separat verpackt. Anschließend werden das bereits mit dem vorderen Schutzblech zusammengebundene Vorderrad sowie das eigentliche Pedelec aus der Verpackung genommen. Für die ersten Arbeitsschritte steht das Fahrrad mit der Gabel wie bei Transport auf einem Pappständer.
Der weitere Aufbau ist grundsätzlich klar strukturiert. Zunächst wird das Vorderrad eingesetzt, anschließend folgt der Lenker. Zuvor aber prüfen, ob der richtige Vorbau ab Werk montiert wurde. Alternative liegt bei.
Auch das Avinox-Frontlicht lässt sich recht einfach montieren. Das entsprechende Kabel ist bereits vorbereitet, sodass die elektrische Verbindung ohne größeren Aufwand hergestellt werden kann. Leider kreuzen sich direkt vor der Lampe viele Kabel. Mal sehen, ob das in der Praxis stört oder ob wir noch mal sortieren müssen.
Danach folgen unter anderem der Seitenständer, die Pedale und das vordere Schutzblech. Das Rücklicht ist ebenfalls Teil der Ausstattung und lässt sich bei Bedarf abnehmen. Dafür muss man es aber auch separat laden (per USB-C). Wir finden raus, ob das ein Problem ist.
Fahrwerk auf den Fahrer abstimmen
Bevor es auf die Straße beziehungsweise den Trail geht, müssen allerdings noch einige Einstellungen vorgenommen werden. Dazu gehören insbesondere die Anpassung der Luftdrücke von Gabel und Dämpfer und die Einstellung des Rebounds.
Auch die übrigen Komponenten werden kontrolliert, eingestellt und kalibriert bzw. gecheckt. Dafür wird das TL Carbon unter anderem mit der Avinox-App verbunden. Damit ist die elektronische Seite des Systems ebenfalls eingerichtet und das Fahrrad bereit für die ersten Kilometer.
Der komplette Aufbau vermittelt dabei bereits einen Eindruck davon, wie stark das TL Carbon auf ein Zusammenspiel aus mechanischen und elektronischen Komponenten setzt. Vieles ist vorbereitet, gleichzeitig bleiben wichtige Punkte wie Cockpit, Fahrwerk und elektronische Funktionen auf die individuellen Anforderungen einstellbar.
Mit zugehörigen Videoanleitungen (per QR-Code oder über die Amflow-Website erreichbar) sollte der Aufbau auch für Laien zumeist kein Problem darstellen. Dank Drehmomentschlüssel kann man auch das übliche „nach fest kommt ab“-Szenario vermeiden. 😉
Das AMFLOW TL Carbon im Detail
Das TL Carbon basiert auf einem Amflow TL Vollcarbonrahmen, der 105 mm Federweg am Heck bietet. Der Rahmen bildet die Basis für das als E-SUV ausgelegte Pedelec und integriert den Antrieb sowie die Batterie in das Gesamtkonzept.
Für den Vortrieb sorgt die Avinox M2 Drive Unit mit einer Leistung von 1.100 Watt und einem maximalen Drehmoment von 125 Nm. Die Energie dafür liefert die entnehmbare Avinox RS800 Batterie.
Gesteuert und angezeigt wird das System über das Avinox DPC100 Display. Die elektronischen Funktionen lassen sich zusätzlich über die Avinox-App konfigurieren und verwalten.
Die Kraftübertragung übernimmt eine elektronische TRP E.A.S.I. RD-T7010E-L mit zehn Gängen, die zusammen mit Avinox entwickelt wurde. Die 1×10-Schaltung fügt sich kompakt in das Antriebskonzept ein und soll später noch automatisiert arbeiten können.
Gebremst wird mit der Tektro TKD173, die mit vier Kolben arbeitet. Vorne und hinten kommen 180 mm große Bremsscheiben zum Einsatz.
Für die Federung ist das TL Carbon vorne mit einer FOX AWL Sport ausgestattet, die 120 mm Federweg bietet. Am Heck arbeitet ein FOX FLOAT Rhythm. Beide Elemente werden vor der ersten Fahrt auf den Fahrer und dessen Gewicht abgestimmt.
Bei der Kurbelgarnitur setzt AMFLOW auf die Avinox SL. Die Kurbelarmlänge richtet sich nach der Rahmengröße und beträgt bei S und M jeweils 155 mm, bei L und XL 160 mm.
Das Cockpit besteht aus dem Amflow TA Stem mit 35-mm-Klemmung. Bei Größe S ist ein 35 mm langer Vorbau vorgesehen, bei den größeren Varianten L und XL beträgt die angegebene Länge 57 mm. Am Lenker finden sich neben den Bremshebeln die Bedienelemente für Schaltung und Antrieb sowie das zentral angeordnete Display.
Für die Sitzposition ist eine Amflow TA Sattelstütze mit 31,6 mm Durchmesser zuständig. Der Hub beträgt bei den Größen S und M 150 mm, bei L und XL 170 mm. Darauf sitzt ein Amflow TA Sattel.
Bei den Laufrädern geht AMFLOW einen etwas anderen Weg als viele sportliche E-MTBs und setzt rundum auf 27,5 Zoll. Zum Einsatz kommen Amflow TL XTA-25-27.5 an Vorder- und Hinterrad. Darauf sitzen Maxxis Crossmark II in der Dimension 27,5 × 2,35 Zoll.
Die Laufradgröße ist für uns zunächst ungewohnt, da wir bei vergleichbaren Fahrrädern meist mit 29-Zoll-Laufrädern unterwegs sind. Auf den ersten Kilometern zeigt sich allerdings, dass die Umstellung kein Problem darstellt.
Auch bei der Ausstattung ist das TL Carbon auf einen breiteren Einsatzbereich ausgelegt. Das Avinox-Frontlicht wird direkt am Fahrrad montiert, wobei das Anschlusskabel bereits vorbereitet ist. Am Heck sitzt ein abnehmbares Rücklicht. Dazu kommen Schutzbleche an Vorder- und Hinterrad sowie ein Seitenständer.
Damit präsentiert sich das TL Carbon bereits auf den ersten Blick als eine Kombination aus sportlicher Basis und alltagstauglicher Ausstattung. Wie gut dieses Konzept über längere Strecken und unter unterschiedlichen Bedingungen funktioniert, wird sich allerdings erst im weiteren Test zeigen. Hier noch einige Details:
Erste Fahrt mit dem Avinox M2
Nach Aufbau, Kalibrierung und Verbindung mit der Avinox-App ging es auf die ersten Kilometer. Bereits dabei fällt der Avinox M2 mit seiner kräftigen Unterstützung auf. Der Antrieb vermittelt unmittelbar einen sehr starken Eindruck und bringt das TL Carbon auch auf anspruchsvollerem Untergrund zügig voran.
Gleichzeitig präsentiert sich das System bei den ersten Fahrten angenehm leise. Gerade in Verbindung mit der insgesamt stabilen Anmutung des Fahrrads entsteht dadurch ein überzeugender erster Fahreindruck.
Auch die elektronische TRP-Schaltung funktioniert bei den ersten Ausfahrten sehr gut. Die Schaltvorgänge erfolgen präzise und passen gut zum Charakter des Antriebs. Wie sich das Zusammenspiel von Antrieb und Schaltung unter unterschiedlichen Bedingungen und über einen längeren Zeitraum bewährt, wird allerdings erst der weitere Test zeigen.
Auf einem ersten gröberen Feldweg lässt sich das TL Carbon ebenfalls gut kontrollieren. Das Fahrwerk vermittelt dabei einen stabilen Eindruck, ohne dass sich das Fahrrad bei den ersten Metern auf unebenem Untergrund nervös anfühlt.
Die 27,5-Zoll-Laufräder sind für uns zunächst ungewohnt, da zumeist auf 29er-Rädern unterwegs. Nach kurzer Eingewöhnung stellt sich dieser Unterschied jedoch nicht als Problem dar. Wie sich die kleinere Laufradgröße im direkten Vergleich über längere Strecken und bei unterschiedlichen Fahrsituationen auswirkt, gehört zu den Punkten, die wir in den kommenden Monaten genauer beobachten werden.
Fazit
Das AMFLOW TL Carbon hat bei uns den ersten Schritt vom Ausstellungsstück zum Testbike gemacht. Der Aufbau ist nachvollziehbar, viele Komponenten sind bereits für die Montage vorbereitet und nach der abschließenden Kalibrierung sowie der Verbindung mit der Avinox-App ist das E-SUV schnell bereit für die ersten Kilometer. Noch wichtiger ist allerdings der erste Fahreindruck: Der Avinox M2 tritt ausgesprochen kräftig auf, arbeitet dabei angenehm leise und auch die elektronische TRP-Schaltung (bisher noch ohne Automatikfunktion) hinterlässt bislang einen sehr guten Eindruck. Auf den ersten gröberen Feldwegen vermittelt das TL Carbon zudem einen stabilen und gut kontrollierbaren Eindruck. Das ist ausdrücklich noch keine abschließende Bewertung. Dafür sind die ersten Kilometer zu wenig. In den kommenden Monaten wollen wir genauer herausfinden, wie sich das Zusammenspiel aus Avinox-Antrieb, elektronischer Schaltung, Fahrwerk und 27,5-Zoll-Laufrädern im Alltag, mit und ohne Gepäck und auf unterschiedlichen Untergründen bewährt.
Der erste Eindruck macht jedenfalls neugierig auf die weiteren Kilometer. 🙂
Disclaimer: Das AMFLOW TL Carbon wurde uns von derAmflow Bicycles Co.,Ltd. im Rahmen einer Vereinbarung zum ausführlichen Langzeittest zur Verfügung gestellt und geht nach Abschluss der vereinbarten Berichterstattung in unser Eigentum über. Die redaktionelle Bewertung erfolgt unabhängig.



















































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