Das italienische Start-up CrankPal weitet seine Plattform international aus. Die kostenlose Werkstattsoftware ist ab sofort in 59 Märkten und 40 Sprachen verfügbar. Gleichzeitig startet eine Vorschau der zugehörigen App für Radfahrer. Im Mittelpunkt steht ein zum Patent angemeldeter Algorithmus, der den voraussichtlichen Verschleiß einzelner Fahrradkomponenten berechnen soll.
CrankPal wurde in Italien von Umberto Javarone gegründet und verbindet zwei Bereiche: eine Managementsoftware für Fahrradwerkstätten und eine App für deren Kunden. Nach dem Start in Italien und einem Pilotprogramm mit Werkstätten erfolgt nun der internationale Rollout.
Werkstattsoftware zunächst kostenlos
Der internationale Start erfolgt mit dem Free-Tarif, der sich derzeit noch in der Beta-Phase befindet. Werkstätten können damit bis zu 100 Aufträge pro Monat und 2.000 Kunden verwalten. Zum Funktionsumfang gehören unter anderem Terminbuchungen, Kunden- und Fahrraddaten, Aufträge, Kostenvoranschläge sowie die Kommunikation mit Kunden per App und E-Mail.
Werkstätten, die sich während der Beta-Phase registrieren, sollen zudem ein besonderes Angebot für den späteren Wechsel auf die kostenpflichtigen Tarife erhalten. Premium ist ab dem ersten Quartal 2027 ab 49 Euro pro Monat vorgesehen, Pro soll im zweiten Quartal ab 99 Euro pro Monat folgen.
Premium soll unter anderem Lager- und Bestandsverwaltung, Verkauf am Tresen, einen Mehrkanal-Posteingang, KI-gestützte Diagnose, Berichte im eigenen Erscheinungsbild sowie eine Schicht- und Rollenverwaltung ergänzen. Pro erweitert den Funktionsumfang unter anderem um Kartenzahlungen und SoftPOS, elektronische Rechnungsstellung, Wartungsabonnements, Leihräder, einen Routenplaner für mobile Mechaniker und einen KI-Assistenten.
Verschleiß einzelner Komponenten im Blick
Das technische Kernstück von CrankPal ist ein zum Patent angemeldetes Vorhersagemodell. Es soll nicht lediglich an eine allgemeine Inspektion erinnern, sondern die verbleibende Lebensdauer einzelner Komponenten abschätzen. Dazu zählen beispielsweise Ketten, Kassetten, Bremsbeläge, Bremsscheiben, Reifen, Züge und Lager.
In die Berechnung fließen laut CrankPal verschiedene Faktoren ein. Dazu gehören unter anderem der Fahrradtyp, gefahrene Kilometer, Höhenmeter, Fahrintensität und Fahrten bei Nässe. Auch die verstrichene Zeit wird berücksichtigt, da bestimmte Komponenten unabhängig von ihrer Nutzung altern können. Bei Bremsbelägen soll zudem zwischen Vorder- und Hinterrad unterschieden werden.
Die notwendigen Daten stammen aus GPS- und Smartphone-Sensoren sowie aus Integrationen mit Strava und Garmin. Hinzu kommt die Wartungshistorie, die über die Werkstattsoftware erfasst wird.
Der Ansatz soll dabei mit jeder dokumentierten Wartung weiterlernen. Wird beispielsweise eine verschlissene Kette ersetzt, fließt dieser reale Werkstatteingriff als zusätzlicher Datenpunkt in die Modelle ein. Die Rückmeldungen der Mechaniker sollen ebenfalls Bestandteil dieser Lernschleife sein.
App verbindet Werkstatt und Kunde
Parallel zur Werkstattsoftware stellt CrankPal die App für Radfahrer zunächst als Vorschau bereit. Sie ist für Kunden von Werkstätten, die CrankPal einsetzen, kostenlos. Der öffentliche Start für alle Nutzer ist für das dritte Quartal 2027 vorgesehen.
Über die App sollen Radfahrer unter anderem Wartungshinweise erhalten, Termine bei ihrer bevorzugten Werkstatt buchen und den Status einer Reparatur verfolgen können. Kostenvoranschläge lassen sich über die Anwendung freigeben. Für iPhone-Nutzer soll der Reparaturstatus zudem in Echtzeit auf dem Sperrbildschirm angezeigt werden.
Ein weiterer Bestandteil ist der digitale Fahrradpass. Er soll Informationen zu Rahmen und Komponenten, eine zertifizierte Wartungshistorie sowie Eigentumsübertragungen dokumentieren. Die Informationen sollen damit über die gesamte Lebensdauer eines Fahrrads erhalten bleiben.
Netzwerk soll Werkstätten neue Kunden bringen
CrankPal verbindet die beiden Seiten auch als Marktplatz. Nutzer der App können Partnerwerkstätten suchen, auswählen und Termine buchen. Wartungshinweise des Systems sollen dabei unmittelbar zu Werkstattaufträgen führen können.
Ergänzend betreibt CrankPal mit CrankPages ein öffentliches Verzeichnis von Fahrradwerkstätten. Nach Angaben des Unternehmens umfasst die Datenbank knapp 60.000 Werkstätten in mehr als 100 Ländern. Werkstätten können ihren Eintrag kostenlos beanspruchen und vervollständigen. Betriebe, die CrankPal beitreten, werden dort als „CrankPals“ gekennzeichnet.
Weitere Expansion 2027
Die internationale Plattform ist nach Unternehmensangaben bereits für lokale Anforderungen ausgelegt. Dazu gehören unter anderem unterschiedliche Steuerprofile, Mehrwertsteuersätze, steuerliche Kennungen und Rechnungsregeln sowie Preise in der jeweiligen Landeswährung.
In Italien sind bereits sämtliche Tarife verfügbar. Dort ist auch die elektronische Rechnungsstellung vollständig in das nationale Austauschsystem integriert.
Die App soll im dritten Quartal 2027 für alle Nutzer geöffnet werden. Für Kunden von Werkstätten, die CrankPal einsetzen, sollen die Kernfunktionen auch nach dem öffentlichen Start kostenlos bleiben. Eine Warteliste für die öffentliche Vorschau ist bereits eingerichtet.
CrankPal verfolgt damit einen Ansatz, bei dem die Werkstatt nicht erst nach einem Defekt ins Spiel kommt. Stattdessen sollen Daten aus Fahrbetrieb und Wartung dazu beitragen, Verschleiß frühzeitig zu erkennen und notwendige Arbeiten planbarer zu machen. Der entscheidende Punkt wird dabei sein, wie zuverlässig sich die prognostizierten Lebensdauern im alltäglichen Werkstattbetrieb tatsächlich erweisen.
Was haltet ihr davon?
P.S.: Aktuell ist der Gründer Umberto Javarone von CrankPal beim Italian Bike Festival in Misano und kann am Stand von Bike Economy gefunden werden, um die internationale Expansion der Software vorzustellen.



























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