Mit dem Inkrafttreten der EU-Richtlinie „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo) am 27. März 2026 verschärfen sich die Anforderungen an Umweltaussagen von Unternehmen deutlich. Künftig müssen Nachhaltigkeitsversprechen nachvollziehbar, überprüfbar und rechtssicher belegt sein. Für die Bike- und Outdoorbranche – inklusive des wachsenden E-Bike-Segments gewinnt damit die unabhängige Zertifizierung von Produkten erheblich an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund treibt VAUDE die Weiterentwicklung seines bisherigen Umweltlabels Green Shape konsequent voran. Der bislang unternehmenseigene Standard soll zu einer unabhängigen, akkreditierbaren Zertifizierung ausgebaut werden mit dem Ziel, sich als Branchenstandard für textile Produkte zu etablieren.
Vom internen Label zum Branchenstandard
Bereits 2010 hatte VAUDE Green Shape als eigenen Umweltstandard eingeführt. Der Ansatz: eine ganzheitliche Betrachtung des Produktlebenszyklus von Design und Materialwahl über die Produktion bis hin zu Nutzung und Recycling. Dieses System wird nun organisatorisch und strukturell neu aufgestellt.
Seit Anfang 2025 liegt die Verantwortung beim neu gegründeten, gemeinnützigen Green Shape e.V., der unabhängig von VAUDE agiert. Der Verein fungiert als Programmeigner, entwickelt den Standard weiter und vergibt künftig die Lizenzen für die Nutzung der EU-Gewährleistungsmarke.
„Echte Veränderung entsteht durch Zusammenarbeit“, betont Antje von Dewitz.
Mit der Öffnung des Standards wolle man das eigene Know-how der gesamten Branche zugänglich machen.
Akkreditierung als Schlüssel zur Glaubwürdigkeit
Ein zentraler Schritt ist die laufende Prüfung der Akkreditierungsfähigkeit durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS). Parallel wurde Green Shape bereits als EU-Gewährleistungsmarke eingetragen. Künftig sollen unabhängige Zertifizierungsstellen die Prüfung übernehmen eine Voraussetzung, um den verschärften EU-Vorgaben gerecht zu werden.
Für Hersteller bedeutet das: Nur zertifizierte Produkte dürfen mit entsprechenden Nachhaltigkeitsaussagen beworben werden. Das betrifft auch viele Anbieter im E-Bike-Umfeld, etwa bei Bekleidung, Taschen oder Zubehör.
Laut Hilke Patzwall könnte sich Green Shape damit als „ambitionierte und vertrauenswürdige Umweltzertifizierung“ etablieren vorausgesetzt, die Akkreditierung wird erfolgreich abgeschlossen.

Das Bild zeigt die VAUDE Geschäftsleitung (rechts) bei der symbolischen Übergabe des Green Shape® Standards im Dezember 2025 an den Vorstand des Green Shape® Vereins – vertreten durch Anna Rodewald, Matthias Kimmerle und Hilke Patzwall. Bild: Vaude
Strenge Kriterien entlang des gesamten Lebenszyklus
Das Zertifizierungsprogramm definiert konkrete Anforderungen in mehreren Bereichen:
- Design: Reparierbarkeit und Recycelbarkeit
- Materialien: mindestens 50 % recycelte oder erneuerbare Rohstoffe
- Produktion: strenge Umwelt- und Chemikalienstandards in der Lieferkette
- Nutzung: langlebige, pflegeleichte Produkte mit Serviceangeboten
- End-of-Life: Förderung von Rücknahme- und Recyclingsystemen
Gerade im E-Bike-Kontext, wo funktionale Textilien und langlebiges Zubehör eine große Rolle spielen, könnten solche Kriterien künftig stärker in Kaufentscheidungen einfließen.
Öffnung für weitere Marken; Signal an die Branche
Mit der geplanten Akkreditierung wird Green Shape nicht nur VAUDE vorbehalten bleiben. Auch andere Marken sollen den Standard nutzen können, um ihre Produkte EmpCo-konform zu kennzeichnen.
Anna Rodewald spricht von einer Einladung an die gesamte Branche, sich zu beteiligen. Je mehr Unternehmen teilnehmen, desto größer sei die Wirkung auf Umwelt- und Klimaschutz.
VAUDE selbst will als Vorreiter auftreten: Erste Produkte sollen bereits zur Wintersaison 2026 nach dem neuen Standard zertifiziert in den Handel kommen.
Einordnung für die E-Bike-Branche
Die Entwicklung zeigt exemplarisch, wohin sich der Markt bewegt: Weg von unternehmensinternen Labels hin zu unabhängigen, überprüfbaren Standards. Für Hersteller von E-Bike-Bekleidung und Zubehör dürfte der Druck steigen, belastbare Nachweise für Nachhaltigkeitsversprechen zu liefern.
Green Shape könnte sich je nach Marktdurchdringung und Akzeptanz – zu einem relevanten Referenzsystem entwickeln. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, eine breite Branchenbeteiligung zu erreichen und gleichzeitig hohe Anforderungen konsequent durchzusetzen.
Mehr Details unter: https://green-shape.org/.







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