Beim schön gestalteten E-MTB mit Allround-Einsatz-Potenzial konnte man den Drang zum Downhill regelrecht spüren
6 min Lesezeit

Das Erzberg BR wurde von M1 Sporttechnik im Herbst 2020 vorgestellt. Als Neuheit für 2021 bringt es einen komplett neu gestalteten Carbonrahmen mit und wurde auf die Integration des Brose Drive S Mag Systems ausgerichtet. Die Optik wirkt auch heute noch modern und frisch, mittels intelligent platzierter farblich abgesetzter Partien und Knicke konnte zudem eine schlanke Wirkung des Rahmens erzielt werden. Ob das Modell in Sachen Performance auch mit dem Aussehen mithalten kann, wollten wir bereits damals gerne ausprobieren. Dafür hat es uns aber erst jetzt gereicht und umso mehr haben wir die Testfahrten mit dem Modell genossen, bei welchen wir uns ein Urteil bilden konnten.

M1 Erzberg BR im Überblick

Das M1 Erzberg ist in mehreren Versionen erhältlich, darunter mit GT-Ausstattung und auch als S-Pedelec, wie bei M1 Sporttechnik üblich. Wir haben die Top-Variante Erzberg BR ausprobiert, die mit den potentesten Parts und natürlich als Pedelec ausprobiert.

M1 Erzberg BR 2021

Diese ist mit einem potenten Fahrwerk ausgerüstet, welches sich aus Fox 38 Factory mit 170 mm Federweg und dem Fox Float DHX2 Coil-Dämpfer zusammensetzt, welcher dank Split-Tube-Design gut zugänglich im oberen Rahmenrohr untergebracht ist. Hier steht dann ein Federweg von 165 mm zur Verfügung.

Der Brose Drive S Mag wurde mit speziellen Covern sehr harmonisch in den Rahmen integriert und fügt sich gut ins Gesamtdesign ein. Er ist leicht nach oben gedreht, was auch der Bodenfreiheit entgegenkommt. Für gute Kühlung sorgt das sogenannte Air-Flow-Cover.

Brose Drive S Mag

Die Versorgung mit Energie übernimmt ein großer und nach oben entnehmbarer Akku mit 750 Wh, welcher für genügend Reichweite und Runden auf den Trails sorgen kann. Die Bedienung erfolgt mit dem Brose Allround-Display, welches am linken Lenkergriff platziert wurde und so gut erreicht werden kann.

M1 Sporttechnik verbaut eine Shimano XTR-Schaltung mit 12 Gängen, die eine Bandbreite von 510 % bereitstellt. Damit und mit den 90 Newtonmetern des Brose-Antriebs steht man auch bei steilsten Anstiegen kaum vor Problemen. Bergab ist es ähnlich. Große Bremsscheiben aus der Magura MDR-P Serie sorgen mit Scheibendurchmessern von 220 mm vorne und 203 mm hinten dafür, dass einem die Bremspower niemals ausgeht.

Auf den DT Swiss H1900 Felgen in Mullet-Bike-Konfiguration sind Eddy Current Reifen aufgezogen, vorne mit Super Trail-Karkasse und Addix Soft-Mischung, während hinten die Super Gravity-Karkasse und ebenfalls die Addix Soft-Mischung zum Einsatz kommt. Für den angepeilten Einsatzzweck die richtige Wahl, die sich auch bei unserem Test als solche herausgestellt hat. Dazu aber später mehr.

Am 800 mm breiten Aluminiumlenker von Reverse Components, der zudem auch mit Griffen des Zulieferers bestückt und auch an einem Vorbau des Unternehmens aus dem Schwarzwald bestückt ist, hat man das Erzberg BR einwandfrei im Griff.

Den anderen Kontaktpunkt stellt der Selle Royal Rampage Sattel dar, der an der Fox Transfer Sattelstütze mit einem Hub von 150 mm montiert ist und so für Bewegungsfreiheit im Downhill sorgt. Montagepunkte für Flaschenhalter oder Gepäckträger sind vorhanden, ein Licht-Set kann schon ab Werk geordert werden.

Auf der Testfahrt

Die Sitzposition ist angenehm und somit lassen sich lange gerade Strecken und Uphills gut fahren. Sobald es technisch und steil wird, muss man mit dem Erzberg etwas vorsichtiger sein, denn der Brose-Motor gibt sehr direkt Kraft und schiebt relativ lange nach.

Wenn man sich daran aber gewöhnt und man gelernt hat, diesen Unterschied zu Bosch und Shimano für sich zu nutzen, lässt sich der Motor auch gut kontrollieren. Wer sich dazu auch noch ab und zu etwas nach vorne lehnt, um dem Hintenüberfallen entgegenzuwirken, kommt mit dem Erzberg die meisten technisch anspruchsvollen Climbs hoch.

Wenn man auf dem M1 steht und nach unten schaut, wirkt das Bike recht massiv. Beim Fahren fühlt es sich aber nicht so an. Man hat das Gefühl, im Bike zu stehen und kann das Rad somit gut in Kurven legen und mit gutem Speed durch diese hindurch carven. Auf losem Untergrund profitiert man von der guten Reifenwahl, die M1 Sporttechnik beim Erzberg BR getroffen hat.

Die 2.6″ breiten Eddy Current von Schwalbe liefern guten Grip und haben durchgehend viel Auflagefläche auf dem Boden, welches zusätzliche Sicherheit gibt. Wenn es zu lose oder matschig wird, wären hier schmalere Reifen bestimmt besser, allerdings hatten wir aber keine Probleme während dem Testen.

Auch im Steilen bleibt die E-Enduro gut kontrollierbar. Für Fahrer, die am oberen Ende der Größe kratzen, wäre ein höherer Lenker wahrscheinlich nicht schlecht, um nicht ganz zu frontal auf dem Bike positioniert zu werden. Auch bei hohen Geschwindigkeiten bleibt das Bike stabil und wenn man mal richtig in die Eisen gehen muss, bringen einen die Magura MT7 Bremsen mit den großen, wärmeentkoppelten Bremsscheiben schnell zum Stehen.

Wurzel- und Steinfelder sind kein Problem für das Erzberg, es klebt zwar nicht ganz so am Boden wie zum Beispiel ein Yeti 160E, aber fühlt sich immer kontrollierbar an und gibt zudem keine unerwarteten Schläge weiter. Fette Gaps erledigt es auch mit Leichtigkeit, ordentlich „ins Flat klatschen“ funktioniert trotz eher linearem Coil-Dämpfer gut und das Abziehen passiert so kontrolliert, dass sich der zuvor angepeilte Landepunkt recht sicher treffen lässt. In der Luft lässt es sich ganz gut bewegen, man braucht aber etwas mehr Kraft als mit vergleichbaren Bikes, um es zum Beispiel in einen sauberen Table-Top zu legen.

Übrigens hatten wir bereits einige Wochen vor unserem ausgiebigen Praxistest die Gelegenheit genutzt und das M1 Sporttechnik Erzberg BR im Rahmen des BIKE Festival Garda Trentino über die harten Trails am Gardasee gejagt. Welchen Eindruck wir da bei der kurzen Runde und bei weiten Sprüngen hinsichtlich der Performance erfahren durften, wurde dann beim längeren Testen nur bestätigt.

Fazit

Mit dem Erzberg BR hat M1 Sporttechnik ein potentes E-Enduro im Programm, welches sich für den Allround-Einsatz eignet. Es punktet mit einem durchdachten Rahmen und einer gut abgestimmten Komponentenwahl aus den oberen Regalen. In der Praxis hat sich diese dann auch von ihrer besten Seite gezeigt und so ein sehr gutes Bild hinsichtlich Performance und Wertigkeit abgegeben. Uns hat es Spaß gemacht, das M1 Erzberg BR über die Trails und diverse Downhills zu jagen und können das Modell überaus empfehlen. Unser Testurteil zum Erzberg BR lautet daher „Sehr gut“.

PRO
  • durchdacht designter Carbonrahmen
  • kräftiger, leiser Antrieb
  • große Batterie
  • gute Komponentenauswahl
  • gute Fahrerintegration
  • hochwertige Verarbeitung
  • ausgereifte Performance
CONTRA
  • etwas höherer Preis

Transparenzhinweis: Das Erzberg BR wurde uns seitens der M1 Sporttechnik GmbH & Co. KG für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.