Der wachsende Bestand an E-Scootern wirft Fragen zur künftigen Mobilität auf. Sachverständiger Ernst Brust fordert mehr technische Sicherheit, besseren Manipulationsschutz und geeignete Prüfverfahren.
2 min Lesezeit

E-Scooter gewinnen als Alternative zum Pedelec an Bedeutung, insbesondere auf kurzen Strecken. Ihr vergleichsweise niedriger Anschaffungspreis, der geringe Platzbedarf und die Möglichkeit, viele Modelle zusammenzuklappen, machen sie für unterschiedliche Nutzergruppen interessant. Hinzu kommt, dass der elektrische Antrieb keine eigene Tretleistung erfordert. Gerade für junge Menschen kann das ein entscheidender Vorteil sein.

Versicherter Bestand mehr als verdoppelt

Wie stark E-Scooter inzwischen verbreitet sind, zeigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Demnach waren 2025 rund 1,66 Millionen E-Scooter versichert, darunter etwa 1,36 Millionen private Fahrzeuge. Im Jahr 2022 lag der Gesamtbestand noch bei rund 764.000. Die Zahlen beziehen sich auf den versicherten Fahrzeugbestand und sind nicht mit jährlichen Verkaufszahlen gleichzusetzen.

Ernst Brust

Ernst Brust

Ernst Brust, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mikromobilität, sieht die Gründe für die Attraktivität der Fahrzeuge vor allem in wirtschaftlichen und praktischen Faktoren. „Wer verstehen will, warum sich Menschen für einen E-Scooter entscheiden, muss Preis, Platzbedarf und Alltagstauglichkeit berücksichtigen“, erklärt Brust. Das Pedelec erfordere zwar mehr Geld und Abstellfläche, biete dafür aber einen Sitzplatz, größere Räder und die Möglichkeit, Fortbewegung mit körperlicher Aktivität zu verbinden.

Manipulationsschutz als Sicherheitsfrage

Neben Preis und Handhabung rückt die technische Sicherheit in den Fokus. Bei bestimmten E-Scootern können elektronische Veränderungen vergleichsweise leicht vorgenommen werden. Daraus lasse sich allerdings nicht pauschal ableiten, dass E-Scooter grundsätzlich einfacher zu manipulieren seien als Pedelecs. Entscheidend seien das jeweilige Modell sowie dessen Steuerung und Software. Auch bei Pedelecs seien Eingriffe in Sensorik und Motorsteuerung möglich.

Bild: Pexels

„Eine leichte Manipulierbarkeit kann für einzelne Käufer ein zusätzlicher Kaufanreiz sein. Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist sie ein erheblicher Schwachpunkt“, betont Brust. Hersteller und Importeure müssten deshalb Manipulationen erschweren und zugleich nachvollziehbare Diagnosemöglichkeiten für berechtigte Untersuchungen schaffen.

Wie stark Tuning tatsächlich Kaufentscheidungen beeinflusst oder sich auf Unfallzahlen auswirkt, lässt sich bislang nicht belastbar beziffern. Ebenso wenig belegt der wachsende Bestand an E-Scootern, dass diese das Pedelec zunehmend verdrängen.

Bezahlbare Mobilität und technische Sicherheit

Für Brust ergibt sich daraus Handlungsbedarf sowohl für die Branche als auch für die Kontrollbehörden. Die Fahrradbranche müsse bezahlbare und praktische Mobilitätsangebote schaffen. Gleichzeitig benötigten Polizei und Sachverständige geeignete Prüfverfahren, um Manipulationen zuverlässig erkennen und beurteilen zu können.

Bild: Pexels

Preis und Komfort seien wichtige Faktoren bei der Fahrzeugwahl. Die technische Sicherheit dürfe dabei jedoch nicht in den Hintergrund treten.