Das neueste Modell aus dem Hause Klever Mobility überzeugt mit dem stabilen und gleichzeitig stylischen Rahmen, dem leisen Antrieb und der kompletten Ausstattung.
10 min Lesezeit

Über die Modelle der KYMCO-Tochter Klever Mobility aus Köln haben wir hier schon öfters berichtet und sind viele Neuheiten jeweils auch auf der Eurobike gefahren. Jetzt wurde es aber Zeit, ein Modell auch einmal über eine längere Strecke in heimischer Umgebung zu fahren. Das aktuelle Klever X Commuter hat sich hierfür regelrecht angeboten und wurde so für eine kurze Zeit lang unser Gast im Fuhrpark.

Das neue Modell, welches erst im letzten Jahr vorgestellt wurde, läuft nahezu unverändert auch in der nächsten Saison weiter. Einzig in Sachen Farbgebung und diversen Ausstattungsdetails finden laut Klever Änderungen statt, so dass man sich hier mit einem nagelneuen Modell modisch und technisch auf der Höhe der Zeit befinden kann.

Das Klever X Commuter im Detail

Unser Testmodell, welches uns von Klever Mobility zur Verfügung gestellt wurde, hatte keinerlei modische Allüren nötig, sondern kam auf den ersten Blick im klassischen Weiß daher. „Snow white“ heißt die Farbe bei Klever und korreliert gut mit den schwarzen Elementen der anderen Komponenten, was dann doch ein schönes und stimmiges Design ergibt.

Besonders sticht natürlich der besonders gestaltete Rahmen hervor, der sogenannte „Loop-Frame“, welcher als zentrales Element die Blicke auf sich zieht. An ihm, so scheint es zumindest, sind sämtliche Komponenten festgemacht. Positiv ist ebenso, dass sämtliche Kabel und Züge im Rahmen verlaufen, was diese vor Schmutz und Beschädigung schützt.

Die Kabel und Züge gehen übrigens am Lenker direkt in den Vorbau und laufen innen weiter, bis sie dann unten auf Höhe des Scheinwerfers bzw. in  der Nähe des Tretlagers wieder austreten, um dann ihrer Funktion nachzukommen. Elegant gelöst, was sich dann auch in Sachen Haltbarkeit positiv bemerkbar machen dürfte.

Der Akku des Systems, welcher mit 360 Wh für den Anwendungszweck im urbanen Raum ausreichend dimensioniert ist, findet geschützt in der Rahmenmitte seinen Platz, wo er sich an das Gehäuse der Steuerung schmiegt. Als zusätzliches Designelement geht Klever hier bei den gegensätzlichen Weg wie derzeit die meisten anderen Hersteller und versteckt bzw. integriert den Akku nicht.

Sollte einem die Akkugröße nicht ausreichen, sind Zusatzakkus im Angebot der Kölner verfügbar, deren Kapazitäten bis zu 570 Wh erreichen. Für den Transport der zusätzlichen Energiequelle ist auch eine Tasche von Ortlieb im Programm, womit der Akku stilvoll am Gepäckträger des E-Bikes befestigt werden kann und auf der Fahrt zum schnellen Wechsel bereitsteht.

Der zugehörige Antrieb ist eine Eigenentwicklung aus dem Mutterkonzern KYMCO und bildet zusammen mit der Steuerungseinheit und dem Bedienteil das sogenannte BIACTRON-System, welches beim Klever X Commuter sogar schon in einer zweiten Version zum Einsatz kommt. Der hier eingesetzte Heckmotor mit 250 Watt leistet ein Drehmoment von maximal 43 Newtonmeter und sollte damit auf jeden Fall für nahezu alle Strecken in der Stadt genügend Antriebspower bieten.

Sollte man einmal negativ beschleunigen müssen  😉 , so stehen dem Fahrer kräftige und hydraulisch betätigte Tektro Gemini Scheibenbremsen zur Verfügung. Hier verbaut Klever vorne eine 180er und hinten eine 160er Bremsscheibe. Zudem wird Mineralöl anstatt giftiger Bremsflüssigkeit verwendet, was ebenso positiv zu bewerten ist.

Auch im weiteren ist die Ausrüstung komplett, denn das Modell ist mit einer LED-Beleuchtung der AXA Blueline Serie ausgerüstet, zudem sind noch Gepäckträger (20 kg Zuladung), Schutzbleche und Hinterbauständer verbaut. Auch auf einen praktischen Kettenschutz, rutschfeste Pedale oder ergonomische Griffe und Sattel muss der Fahrer nicht verzichten und sollte so eigentlich nichts vermissen, was man im Alltag benötigt.

Klever X Commuter im Fahrbericht

Anstatt wie auf der Eurobike auf einer abgesperrten Teststrecke zu fahren, haben wir das Modell nun in bekannter Umgebung ausprobieren können. Dabei haben wir besonders darauf geachtet, wie sich das Modell auf unterschiedlichen Strecken bergauf, bergab und im Alltagsbetrieb schlägt. Natürlich kann man in der kurzen Zeit nicht derart Erfahrungen sammeln, welcher ein Besitzer eines entsprechenden Klever-Modells bei deutlich mehr Fahrten zusammenbringen würde.

Fahrwerk und Komfort

Vor dem Fahren steht die richtige Einstellung. Ein Multitool oder die richtigen Inbusschlüssel vorausgesetzt, ist sowohl die Sattelhöhe als auch die Neigung des Lenkers nach Wunsch des Fahrers im Nu eingestellt. Wo öfters verschiedene Nutzer fahren, bietet sich auch der Einsatz einer Schnellklemmung am Sattelrohr an.

Die Lenkergriffe aus schaumstoffartigem Material fassen sich bequem an und lassen sich auch über einen längeren Zeitraum gut nutzen. Die Bedienelemente sind gut erreichbar und lassen eine Nutzung während der Fahrt zu, ohne die Hände vom Lenker nehmen zu müssen.

Das Modell ist mit einer Starrgabel und einer starren Sattelstütze ausgerüstet, so dass eine dämpfende Wirkung rein von den dicken Schwalbe Super Moto X Reifen in der Größe 650B bewerkstelligt werden muss. Bei normalen Straßen und Wegen in der Stadt geht dies durchaus in Ordnung, befährt man allerdings holprige Rad- oder Schotterwege, kann man schon einigermaßen durchgeschüttelt werden. Hier könnte man im Bedarfsfall auf jeden Fall eine gefederte Sattelstütze als Alternative in Betracht ziehen.

Was einem beim Fahren sofort auffällt, ist der ungemein stabile Rahmen, welcher keinerlei Verwindung zulässt und dem Designschwerpunkt entsprechend auch eine Schlüsselrolle hinsichtlich der Fahrstabilität übernimmt und diese vorbildlich ausfüllt. Die Folge: Jegliche Lenkbefehle werden umgehend übernommen und das Fahrzeug lässt sich dadurch agil und zielgenau dirigieren, was beim Nutzer ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens aufkommen lässt.

Antrieb und Sicherheit

Das Antriebssystem wird automatisch aktiviert, sobald man losfährt. Alternativ kann es natürlich vorab auch manuell am Bedienteil eingeschaltet werden. Der BIACTRON-Heckantrieb leistet 250 Watt und bringt ein maximales Drehmoment von 43 Newtonmeter auf Hinterrad. Auffällig unauffällig war der Antrieb auf jeden Fall durch seinen sehr leisen Lauf und die unmerklich einsetzende Unterstützung. Einen systembedingten Nachlauf, welcher uns bei anderen Heckantrieben oft stört, hat Klever im Griff, denn dieser ist so gut wie nicht vorhanden.

Fünf Unterstützungsstufen bietet das System, wobei sich die fünfte und stärkste Variante während des Fahrens nur mittels dauerhaften Druck auf den Walk/Boost-Knopf aktivieren lässt. Fest eingestellte Stufen von Low (L) über Medium (M) bis High (H) werden mittels Balken im Display angezeigt. Ist das System nur eingeschaltet (ohne Anzeige von Balken) findet trotzdem eine sehr geringe Unterstützung statt.

Fährt man über 35 Stundenkilometer wirkt der Antrieb als Generator und speist mittels Rekuperation Energie in die Batterie ein. So kann die Reichweite unterwegs auch ohne aktives Nachladen verlängert werden. Über 40 km/h kann sich das System ab- und in den sogenannten Selbstschutzmodus schalten, um Beschädigungen am Antrieb zu verhindern. Klever Mobility warnt zudem davor, mehr als 50 Stundenkilometer mit dem Klever X zu fahren, da der Antrieb dabei dauerhaft beschädigt werden kann.

Während unseres Test kamen wir allerdings nie in diesen Bereich, so dass wir hier keine Probleme hatten. Die Rekuperation fand ebenfalls kaum während der Fahrt spürbar statt, was ebenfalls für das Antriebssystem spricht, welches dadurch sehr ausgereift erscheint und gut im Hintergrund funktioniert.

Da wir in einer hügeligen Gegend unterwegs waren, haben wir auch die Leistung des Antriebs am Berg mit anderen uns bekannten und genutzten Systemen verglichen. Hierbei kann man sagen, dass das Klever X Commuter für eine gemäßigten Topografie gut geeignet ist, allerdings wird das Pedelec ohne die notwendige Eigenleistung des Fahrers nicht zum Klettermaxe. Die Steigfähigkeit ist also nicht vergleichbar mit einem Bosch CX oder Shimano E-8000. Aber ist das auch der Anspruch dieses Klever Modells?

Eher nicht, denn wie der es der Modellname schon ausdrückt, ist das E-Bike für Pendler gemacht, die das Modell im Alltag nutzen möchten und ihren Arbeitsweg samt diversen Alltagsfahrten damit erledigen möchten. Und für diesen Einsatzzweck ist der Antrieb mit genügend Kraft und Leistung versehen, um seinen Fahrer im urbanen Raum und dessen Umland zu unterstützen. Für die, welche mehr Kraft benötigen, hat Klever schließlich noch das X Power im Programm!

In Sachen Sicherheit zeigten sich die hier verbauten Tektro Gemini Scheibenbremsen von ihrer besten Seite. Die Verzögerung setzte zuverlässig im gewünschten Maße ein, so dass ein Verringern der Geschwindigkeit oder auch ein schneller Stop wie erwartet jederzeit möglich war. Ein Quietschen oder Fading hatten wir während des gesamten Testzeitraums nicht zu verzeichnen.

Unauffällig und mit erwartungsgemäß zuverlässiger Funktion zeigte sich auch die verbaute Shimano Deore 10-fach Schaltung, die in Verbindung mit der Antriebsleistung des Motors gut funktionierte und passend abgestuft ist. Klever verbaut ein 38er Kettenrad vorne, welches mit den 11-36 Ritzeln in der Kassette gut harmoniert. Die Abdeckung am Kettenrad und der verbaute Kettenschutz soll dabei schmutzige Hosenbeine zuverlässig verhindern.

Ausstattung und Funktionen

Das Klever X Commuter ist komplett ausgestattet und bringt neben der verbauten LED-Beleuchtung der AXA Blueline Serie, dem Hinterbauständer und Schutzblechen auch einen Gepäckträger für Lasten bis 20 Kilogramm mit.

Im kleinen Bedienteil, dessen Display einfach abnehmbar ist und gleichzeitig als Wegfahrsperre fungiert, sind neben der Anzeige der aktuell eingestellten Unterstützungsleistung und des zur Verfügung stehenden Energievorrats noch weitere Funktionen eingebaut. Neben diverser Anzeigen wie Odometer, Kalorienverbrauch usw. ist noch eine elektronische Diebstahl-Warnanlage mit Blockierung des Heckmotors verbaut.

Die Einrichtung erfolgt über die ebenfalls verfügbare Bluetooth-Funktionalität und der zugehörigen Smartphone-App, die derzeit aber nur für Nutzer von iPhones zur Verfügung steht (@Klever:Warum eigentlich? Android-Modelle haben doch einen viel größeren Marktanteil!). So konnten wir die erweiterten Funktionen leider mangels iPhone nicht ausprobieren.

An einem schwül-heißen Tag, an welchem wir das Klever E-Bike auch zur Ausfahrt überredet haben, hat das Display von innen beschlagen. Das Display lag zuvor im Haus, wo es ungefähr 22 Grad Celsius Raumtemperatur hatte. Ob dieser Effekt nun bei allen Modellen so auftritt, der nur bei unserem Testmodell, können wir jetzt so nicht sagen. Es war jedenfalls lästig, das Display nicht korrekt ablesen zu können.

Klever X Display

Klever X Display beschlagen

Einfach gestaltete sich die Entnahme des Akkus (hier die 360 Wh Variante), welcher per Schloß gesichert ist. Nach dem Öffnen desselben konnte der Energiespender leicht nach oben aus der Führung gezogen und dann seitlich entnommen werden. Hier hat Klever mitgedacht und transparente Kleber auf dem Rahmen aufgebracht, damit der Lack hierbei nicht verkratzen kann. Verschiedene Akkugrößen stehen bereits jetzt zur Verfügung, ab 2018 soll sogar optional ein Akku bis 850 Wh verfügbar sein.

Das Aufladen gestaltete sich problemlos, der aktuelle Ladezustand wird per mehrfarbiger LED zuverlässig dargestellt. Alternativ kann der Akku natürlich auch direkt im Fahrzeug wieder aufgeladen werden. Drückt man auf den Knopf am Akku wird ebenfalls per LED-Farbe der aktuelle Energielevel angezeigt, so dass man einschätzen kann, ob ein Laden notwendig ist.

Klever X Akku

Klever X Akku: Schutzfolie auf Rahmen

Plus und Minus

Während unseren Testfahrten haben wir die positiven, als auch die negativen Punkte über das Klever X Commuter gesammelt. Hier haben wir diese aufgelistet:

PRO
  • sehr stabiles Fahrgefühl
  • einzigartiges Styling
  • sicheres, stabiles Handling
  • sehr leiser Antrieb
  • Batterie als Designbestandteil
  • helle LED-Beleuchtung
  • einfaches und leichtes Fahren
  • hydraulische Scheibenbremsen mit Mineralöl (Tektro Gemini)
  • gut abgestimmte Schaltung
  • komfortable Balloonreifen (Schwalbe Super Moto X) mit viel Grip
  • Schutzbleche, Gepäckträger und Ständer serienmäßig
  • Wegfahrsperre serienmäßig
CONTRA
  • Motorleistung lässt am Berg etwas nach
  • Display kann unter Umständen beschlagen
  • etwas höheres Gewicht (25 kg)

Alle weiteren Informationen und weiteren Modellen des Herstellers mit Sitz in Köln finden Sie auf den Webseiten desselben. Dort finden Sie auch ein Händlerverzeichnis und dadurch die Möglichkeit, selbst auch einmal die Möglichkeit einer Probefahrt wahrnehmen zu können.

Wer weiß, vielleicht ist das Klever X Commuter genau etwas für Sie?