Neue Wege für Pendler: Arbeitgeber setzen auf nachhaltige Mobilität
5 min Lesezeit

Kreative und vorbildhafte Ideen für bessere Arbeitswege und umweltschonende Mobilität – danach sucht „mobil gewinnt„, eine gemeinsame Initiative des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) und des Bundesumweltministeriums (BMUB).

Gestern wurden die 12 Gewinner des gleichnamigen Wettbewerbs auf einer Fachtagung in Berlin präsentiert. Zusätzlich wurden 14 weitere Ideen ausgezeichnet. Neben dem Preisgeld von je 2.000 Euro erhalten alle Preisträger die Chance auf eine Förderung durch das BMVI.

Mithilfe dieser finanziellen Mittel sollen die Gewinner ihre geplanten Maßnahmen realisieren. Bundesverkehrsminister Christian Schmidt:

Mit unserer gemeinsamen Initiative ‚mobil gewinnt‘ wollen wir das betriebliche Mobilitätsmanagement in Deutschland fördern. Auch Unternehmen können dazu beitragen, den Arbeitsweg ihrer Mitarbeiter einfacher und umweltschonender zu gestalten. Damit leisten wir einen Beitrag für mehr Mobilität bei weniger Emissionen. Wer schnell, sicher und damit stressfrei zur Arbeit kommt, ist außerdem kreativer und effizienter. Ich freue mich über die zahlreichen innovativen Ideen und gratuliere den Gewinnern herzlich.Christian Schmidt
mobil gewinnt Preisverleihung 2017

Preisverleihung in Berlin; Bild: Rainer Kant

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Lange Wege zur Arbeit, Schadstoffe, Lärm und Staus – viele Menschen erleben täglich, wo der heutige Verkehr an seine Grenzen stößt. Die steigende Zahl der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch Betriebe und ihre Beschäftigten. Vielerorts ist der Arbeitsweg mit Stress und hohen Kosten verbunden. Hier wollen wir ansetzen und zeigen, dass eine nachhaltigere Mobilität nicht nur ein Gewinn für die Umwelt ist, sondern ebenso für die Unternehmen und ihre Beschäftigten. Ich gratuliere den Gewinnern zu ihren tollen Konzepten und freue mich, dass aus guten Ideen jetzt auch gute Taten werden.

Dies sind die Hauptpreisträger des Wettbewerbs „mobil gewinnt“

Kategorie „Kleine und mittlere Betriebe (KMU)“

  • CJD Berufsförderungswerk Koblenz (Koblenz, Vallendar): Das gemeinnützige Unternehmen plant neben der Anschaffung von Elektroautos und Pedelecs, die mit eigenem Solarstrom geladen werden sollen, u.a. die Förderung von Fahrgemeinschaften und den Bau einer Fahrradverleihstation.
  • ad agencies (Düsseldorf): Das Konzept sieht ein Mobilitätsbudget vor, mit dem Mitarbeiter flexibel und selbstbestimmt zwischen Dienstwagen-, Bahn-, Carsharing- und Dienstfahrradnutzung wählen können. Darüber hinaus sollen u.a. Parkplätze in Fahrradstellplätze umgewandelt, Ladestationen errichtet und E-Roller angeschafft werden.
  • Baugenossenschaft Freie Scholle eG (Bielefeld): In ihrem Konzept skizziert die Baugenossenschaft Freie Scholle eG die Idee eines solidarisch finanzierten Mobilitätspaketes für Genossenschaftsmitglieder einer Wohnsiedlung. Dieses Paket umfasst u.a. die Bereitstellung von Leih- und Lastenräder, ÖPNV-Tickets sowie den Bau von Carsharing-Stellplätzen und Ladestationen.

Kategorie „Großbetriebe“

  • Nassausche Heimstätte Wohnstadt (Frankfurt a.M.): Das Konzept dieses Betriebes sieht alternative Mobilitätsangebote an Dienststätten und Wohnanlagen vor. Dabei sollen u.a.induktiv aufladbare Pedelecs sowie E-Lastenräder zur dienstlichen und privaten Nutzung bereitstehen. Zur Finanzierung der Räder ist die Einführung des Dienstrad-Leasings geplant. Außerdem möchte das Unternehmen Kredite zur Anschaffung von privaten E-Fahrzeugen bereitstellen.
  • MV Werft Wismar GmbH (Wismar): Aufgrund steigender Mitarbeiterzahlen möchte das Unternehmen Anreize für die Nutzung des Umweltverbundes schaffen. Dabei plant die MV Werft Wismar GmbH u.a. einen externen Pendlerparkplatz mit Shuttleanbindung, die Bereitstellung von Jobtickets, den Bau von Fahrradstationen sowie eine Online-Plattform für die Bildung von Fahrgemeinschaften.
  • Alnatura Produktions- & Handels GmbH (Darmstadt): Das Unternehmen konzentriert sich auf die Förderung der ÖPNV- und Fahrradnutzung. U.a. sollen ein Fahrradparkhaus mit Lade- und Reparaturmöglichkeiten, Duschen und Umkleiden errichtet und eine bessere Anbindung an Bus und Bahn geschaffen werden. Darüber hinaus umfasst das Konzept eine Fahrgemeinschaftsbörse, Carsharing-Stationen und eine Mobilitätsgarantie, damit Beschäftigte verlässlich ans Ziel kommen.

Kategorie „Überbetriebliche Verbundprojekte“

  • Stadtwerke Bielefeld (Bielefeld): Durch den Bau von Pedelec-Ladestationen, Fahrradboxen und die Bereitstellung von Fahrradanhängern möchten die Stadtwerke Bielefeld das Fahrradfahren fördern. Darüber hinaus plant das Unternehmen, Mitfahrbänke im öffentlichen Raum zu errichten und Kleinbusse für die Bildung von Fahrgemeinschaften bereitzustellen.
  • GARANT Türen und Zargen GmbH (Gewerbegebiet Erfurter Kreuz): Mit einer unternehmensübergreifenden Mitfahrbörse und Carsharing-Bussen zielt der Türenhersteller darauf ab, den Pkw-Verkehr am Unternehmensstandort zu halbieren. Hierfür möchte das Unternehmen neben der Einführung eines Mobilitätsbudgets und eines Dienstradleasings auch den Ausbau von Radwegen realisieren.
  • BSH Haushaltsgeräte GmbH (Traunreut): Um den Parkdruck zu verringern, sieht das Konzept des Unternehmens einen Werksrufbus und einen autonomen Rundbus auf dem Werksgelände vor. Des Weiteren plant die BSH Haushaltsgeräte GmbH Fahrrad- und E-Bike-Stationen zu bauen, E-Fahrzeuge anzuschaffen und eine Mitfahrplattform, die den Anforderungen des Schichtbetriebes gerecht wird, zu realisieren.

Kategorie „Öffentlich-private Kooperationen“

  • WALA Heilmittel (Bad Boll): Mithilfe eines Anreisemanagement-Tools möchte das Unternehmen die Anfahrt von Gästen und Besuchern bewusst steuern. Weiterhin soll ein breites Mobilitätsangebot im ländlichen Raum u.a. durch die sinnvolle Verknüpfung von Fahrrad- und Pedelec-Anlagen mit ÖPNV-Anschlüssen erreicht werden. Kommunikationsmaßnahmen, die auf eine Änderung des Mobilitätsverhaltens abzielen, runden das Konzept ab.
  • Forschungszentrum Jülich (Jülich): Das Forschungszentrum Jülich plant, Mitarbeitern einen On-Demand-Pendlerservice mit Bussen bereitzustellen. Die intelligent gerouteten Fahrzeuge sollen mit Arbeitsplätzen und W-LAN ausgestattet und vom Nutzer per App buchbar sein.
  • Stadtwerke Pfaffenhofen (Pfaffenhofen): Die Stadtwerke Pfaffenhofen konnten die Jury mit einem Carsharing-Konzept überzeugen. Eigene Mitarbeiter, Beschäftigte fremder Betriebe und Bürger sollen Fahrzeuge, Pedelecs und Lastenräder des Unternehmens in Zukunft über ein Carsharing-System nutzen können. Darüber hinaus sieht das Konzept u.a. ein Mobilitätsbudgetvor sowie eine Abwrackprämie, um den Kauf von Elektroroller anzukurbeln.

Weitere Informationen zu „mobil gewinnt“ und den Gewinnern unter www.mobil-gewinnt.de.

Über „mobil gewinnt“

Die Initiative „mobil gewinnt“ von BMVI und BMUB wird mit Unterstützung des ACE Auto Club Europa (ACE) e.V., des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. und der B.A.U.M. Consult GmbH in Zusammenarbeit mit der Deutschen Plattform für Mobilitätsmanagement (DEPOMM) e.V. durchgeführt. Im Zeitraum Mai bis Oktober 2017 konnten private Unternehmen sowie öffentliche und kommunale Betriebe und Einrichtungen Konzepte einreichen, die den Umstieg vom Pkw auf nachhaltige Mobilitätsformen und damit das betriebliche Mobilitätsmanagement fördern. Bis Bewerbungsschluss gingen mehr als 50 Wettbewerbsbeiträge aus ganz Deutschland ein. Eine Jury mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Forschung wählte die überzeugendsten Konzepte aus.