Bundesumweltminister Carsten Schneider hat gestern ein neues Förderprogramm vorgestellt, das mehr Privatpersonen den Umstieg auf E-Autos ermöglichen soll. Allerdings profitieren davon nur wenige Bessergestellte. Vom Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad kommentiert Geschäftsführer Wasilis von Rauch:
Der Wirtschaftsverband Zukunft Fahrrad e.V. hat weiter zum Aufruf des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Stellung genommen und konkrete Vorschläge für das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vorgelegt. Ziel ist es, das Potenzial des Radverkehrs für die CO₂-Einsparung im Verkehrssektor stärker zu nutzen.
Potenzial des Radverkehrs für den Klimaschutz
Laut einer vom ADFC beauftragten Fraunhofer-Studie können durch konsequente Radverkehrsförderung jährlich bis zu 19 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden. Dies bezieht sich auf den landgebundenen Personenverkehr auf Strecken bis 30 Kilometer. Zusätzliche Einsparungen ergeben sich insbesondere im Wirtschaftsverkehr und auf längeren Pendelstrecken durch S-Pedelecs (bis 45 km/h).
Die Bundesregierung hatte im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 (NRVP) 2021 das Ziel formuliert, den täglichen Radverkehr bis 2030 von 112 auf 224 Millionen Kilometer zu verdoppeln. Aktuelle Daten aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ (MiD 2023) zeigen allerdings nur einen leichten Anstieg auf 117 Millionen Kilometer pro Tag. Das zeigt: Nur mit gezielten Maßnahmen kann das CO₂-Potenzial des Radverkehrs ausgeschöpft werden.
Gezielte Maßnahmenvorschläge
Ausbau von Radwegen und Fahrradparken
Ein dichtes und sicheres Netz von Radwegen, einschließlich Radschnellwegen, ist Grundlage jeder Radverkehrsförderung. Ebenso wichtig sind sichere Fahrradabstellmöglichkeiten an Wohnorten, Arbeitsplätzen und ÖPNV-Knotenpunkten.
Vorgeschlagen wird eine jährliche Bundesförderung von einer Milliarde Euro für den Radverkehr sowie eine Stärkung der Kommunen bei der Mittelabrufung. Die detaillierten Vorschläge des ADFC sollen dabei umgesetzt werden.
Elektromobilität mit E-Bikes fördern
Das E-Bike gilt als Erfolgsmodell der Elektromobilität in Deutschland. Über 15 Millionen E-Bikes wurden bislang verkauft. Gerade ältere Menschen nutzen E-Bikes deutlich häufiger als klassische Fahrräder.
Das Klimaschutzprogramm sollte daher Wahlfreiheit zwischen der Förderung eines privaten E-Autos, E-Bikes oder E-Lastenrads bieten. Auch soziale Staffelungen und die Förderung von Fahrrad-Abos und Bike-Sharing-Angeboten sind vorgesehen, um klimafreundliche Mobilität breiter verfügbar zu machen.
Betriebliche Mobilität stärken
Pendlerinnen und Pendler sowie betriebliche Fahrten bieten ein großes Potenzial für mehr Radverkehr. Vorschläge beinhalten:
Stärkung des Dienstradleasings durch gesetzliche Verankerung und Verlängerung der 0,25%-Regel bis 2030.
- Einführung einer Pauschalbesteuerung für nachhaltige Mobilitätsbudgets.
- Verstetigung und Ausweitung des Programms „mobil gewinnt“ für Unternehmen.
- Erweiterung der BAFA-Kaufprämie auf alle gewerblichen E-Bikes und E-Lastenräder.
- Freigabe von Radwegen außerorts für S-Pedelecs als erster Schritt.
- Einbeziehung von E-Bikes und E-Lastenrädern in das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz.
Intermodale Nutzung von ÖPNV und Fahrrad verbessern
Fahrrad und öffentlicher Nahverkehr ergänzen sich für kurze und lange Strecken. Vorschläge zur besseren Verzahnung:
- Integration von Bikesharing als zubuchbare Option ins Deutschlandticket.
- Einheitliche Ticketlösungen zur Fahrradmitnahme für Pendler und Tourismus.
Mit diesen Maßnahmen könnten sowohl der Radverkehr als auch die Elektromobilität deutlich gestärkt und ein Beitrag zum Klimaschutz im Verkehrssektor geleistet werden.
Mehr direkt auf der Website von Zukunft Fahrrad.





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