Der Vorarlberger Fahrradhersteller Simplon steht erneut vor einem Insolvenzverfahren. Die 2Rad Produktions GmbH, die vormals als Simplon Fahrrad GmbH firmierte, hat am Mittwoch beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Nach Angaben der Kreditschutzverbände belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 33,4 Millionen Euro.
Damit ist der Ende 2024 beschlossene Sanierungsplan gescheitert. Von der neuerlichen Insolvenz sind 54 Beschäftigte sowie rund 150 Gläubiger betroffen. Geschäftsführer der 2Rad Produktions GmbH ist Christoph Mannel, Gesellschafterin die Simplon Bike GmbH, die zuvor als Simplon Holding GmbH firmierte.
Unvollständige Warenbestände als Belastung
Als wesentlichen Grund für die erneute finanzielle Schieflage führt das Unternehmen Probleme im Zusammenhang mit der Übernahme des Geschäftsbetriebs an. Nach dem Anteilserwerb habe sich herausgestellt, dass die Kommunikation der früheren Gesellschaft nicht vollständig nachvollziehbar beziehungsweise korrekt gewesen sei.
Insbesondere die aus dem ersten Insolvenzverfahren übernommenen Warenbestände hätten sich als unzureichend und unvollständig erwiesen. Dadurch fehlten für die Fertigstellung bereits beauftragter Fahrräder wichtige Bauteile. Der vorhandene Auftragsbestand konnte deshalb nicht wie vorgesehen abgearbeitet werden.
Die daraus resultierenden Verzögerungen beeinträchtigten nach Darstellung des Unternehmens die Lieferfähigkeit. In der Folge seien teilweise Folgeaufträge ausgeblieben und die Liquidität zunehmend unter Druck geraten.
Großteil der Verbindlichkeiten stammt aus dem ersten Verfahren
Von den aktuellen Passiva in Höhe von rund 33,4 Millionen Euro entfallen etwa 28,3 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten aus dem vorherigen Sanierungsverfahren. Diese Forderungen leben aufgrund des gescheiterten Sanierungsplans wieder auf.
Besonders ins Gewicht fällt dabei eine Forderung von rund 26 Millionen Euro gegenüber einer Vorarlberger Bank. Weitere etwa 2,3 Millionen Euro entfallen auf sonstige Gläubiger. Das Warenlager des Unternehmens wird mit rund 8,3 Millionen Euro bewertet.
Die 2Rad Produktions GmbH will erneut einen Sanierungsplan vorlegen. Vorgesehen ist eine Quote von 20 Prozent, die innerhalb von zwei Jahren nach Annahme des Plans bezahlt werden soll. Ziel der Geschäftsführung ist es, den laufenden Betrieb fortzuführen, das Unternehmen wirtschaftlich zu stabilisieren und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Zweite Insolvenz innerhalb von zwei Jahren
Die neuerliche Insolvenz folgt auf das Verfahren der damaligen Simplon Fahrrad GmbH im September 2024. Das Unternehmen hatte seinerzeit mit rund 44,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. Als Gründe wurden unter anderem der hohe Wettbewerbs- und Preisdruck sowie der branchenweite Rückgang der verkauften Fahrrad- und Pedelec-Stückzahlen genannt.
Im Dezember 2024 wurde ein Sanierungsplan angenommen und ein Wiener Finanzinvestor stieg bei Simplon ein. Im Zuge der folgenden Restrukturierung verlagerte das Unternehmen Teile der Produktion nach Rumänien und baute am Standort Hard Arbeitsplätze ab.
Die neuerliche Insolvenz zeigt nun, dass die wirtschaftliche Stabilisierung des traditionsreichen Fahrradherstellers damit nicht dauerhaft erreicht werden konnte. Simplon war 1961 als Familienunternehmen in Hard gegründet worden.
Wir bleiben dran.
Mit Informationen des ORF, Kronen Zeitung und APA.



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