Finnischer Rahmenbauer meldet sich nach Insolvenz zurück und setzt auf lokal gefertigte High-End-Konstruktion
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Der finnische Fahrradhersteller Pole Bicycles arbeitet an seinem Comeback. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2024 Insolvenz anmelden musste, hat Gründer Leo Kokkonen die Markenrechte und das geistige Eigentum zurückerworben und startet nun einen Neustart mit klarer Neuausrichtung. Wie das MTB-Portal Pinkbike berichtet, soll die Wiederaufnahme der Produktion mit einem hochwertigen E-Mountainbike erfolgen, das vollständig in Finnland gefertigt wird.

Im Fokus steht dabei erneut Poles markentypische Rahmenbauphilosophie: Gefertigt wird aus CNC-gefrästem 7075-Aluminium, produziert im finnischen Jyväskylä. Das neue E-MTB bildet den Auftakt der kommenden Produktgeneration, parallel ist auch ein nicht motorisiertes Modell mit ähnlicher Geometrie und Kinematik geplant.

Maxon Air S als Herzstück des Antriebs

Für den elektrischen Antrieb hat sich Kokkonen nach eigenen Angaben bewusst für eine weniger verbreitete Lösung entschieden. Zum Einsatz kommen soll der Maxon Air S, ein nur rund zwei Kilogramm schwerer Mittelmotor mit bis zu 90 Nm Drehmoment und einer Spitzenleistung von 620 Watt. Der Wirkungsgrad wird mit etwa 85 Prozent angegeben.

Kombiniert wird das System mit einem 600-Wh-Akku, der sich über eine Öffnung an der Unterseite des Unterrohrs entnehmen lässt. Optional kann ein Range Extender mit zusätzlichen 250 Wh integriert werden, womit sich die Gesamtkapazität auf bis zu 850 Wh erhöht.

Kokkonen hatte auf dem YouTube-Kanal von POLE Bicycles immer wieder über den Antrieb berichtet und diesen auch mit dem Platzhirsch von Bosch eBike Systems verglichen. Ebenfalls war er mit einem Prototyp mit Maxon AIR S-Antrieb bei der Trans Madeira unterwegs.

Bewährte Plattform, weiterentwickelte Details

Konstruktiv basiert das neue Modell auf den bekannten Pole-Plattformen Onni und Sonni. Charakteristisch bleibt der hoch angesetzte Hinterbau mit separaten Drehpunkten für Ketten- und Sitzstreben. Laut Pinkbike wurden jedoch Anpassungen an der Übersetzungskurve vorgenommen. Zum Produktionsstart sind 180 Millimeter Federweg vorne und hinten vorgesehen. Das System ist modular ausgelegt und soll sich durch den Tausch von Umlenkhebel, Dämpfer und Gabel auf Federwege zwischen 160 und 200 Millimetern anpassen lassen.

Besonderes Augenmerk legte Kokkonen auf die Weiterentwicklung des Frontdreiecks. Die Geometrie wurde überarbeitet, um die Fräsprozesse zu vereinfachen und die Maßhaltigkeit zu erhöhen. Unter anderem wird das Steuerrohr nun erst im letzten Fertigungsschritt bearbeitet, um eine möglichst hohe Rundheit zu gewährleisten. Zusätzlich kommt eine neue, formschlüssige Insert-Lösung im Bereich des Steuerrohrs zum Einsatz, die beide Rahmenseiten mechanisch verbindet und verklebt wird.

Produktionsstart im Frühjahr avisiert

Nach Angaben des Unternehmens ist der Produktionsbeginn für das Frühjahr geplant. Preise, Serienausstattung und finale Spezifikationen stehen noch aus. Klar ist jedoch, dass Pole Bicycles mit dem Neustart konsequent auf kleine Stückzahlen, lokale Fertigung und technisch anspruchsvolle Lösungen setzen will.

Mit Informationen von Pinkbike.

Bilder: Pole Bicycles