Wer schon mal versucht hat, ein schweres E-MTB durch eine enge Spitzkehre zu zirkeln, kennt das Problem: Kraft ist schön, Kontrolle ist besser. Genau hier setzt das neue Intrigue Advanced E+ an. Die Carbon-Trailrakete im Programm von Liv 2027 hat ordentlich zugelegt, bleibt aber mit 20,0 kg Gesamtgewicht (Angabe für das Topmodell) erstaunlich auf Linie. Im Vergleich zum bisherigen Intrigue Advanced E+ Elite (MY23) legt das Bike bei Motordrehmoment 41 % und bei Akkukapazität 40 % zu. Vorne und hinten gibt es je 10 mm mehr Federweg, dazu ein 48-Volt-System und erstmals einen herausnehmbaren Akku. Das Gewicht des Rahmensets steigt trotzdem nur um 25 g, das des kompletten Bikes um 0,2 kg. Das ist selten, denn bei neuen E-MTB-Generationen wächst meist alles gleichzeitig, auch der Bauch. Liv setzt dabei konsequent auf sein Women-First-Konzept: Rahmen, Geometrie, Akkuintegration und Komponenten sind auf die Anforderungen von Fahrerinnen abgestimmt. Alle Details jetzt in unserem Beitrag.
Liv Intrigue Advanced E+ 2027 in der Übersicht
Die Serie besteht aus vier Ausstattungsvarianten: Intrigue Advanced E+ 0, E+ 1, E+ SE und E+ 2. Alle teilen sich denselben Carbonrahmen, denselben Motor, denselben 560-Wh-Akku und das Maestro-Fahrwerk mit 150 mm Federweg hinten und 160 mm an der Gabel. Die Unterschiede liegen bei Federelementen, Schaltung, Bremsen, Laufrädern und Cockpit.
Das Spitzenmodell E+ 0 kostet 10.000 Euro (UVP), das E+ 2 als Einstieg 6.000 Euro. Dazwischen liegen das E+ 1 (8.000 Euro) und das E+ SE (6.500 Euro). Der Range Extender ist laut Liv bei allen Modellen im Lieferumfang.
Rahmen & Geometrie
Das Rahmenset besteht aus Advanced-Composite-Carbon, das mit Innenformverfahren aus Livs Advanced SL Composite Technologie entsteht. Es wiegt 2.668 g inklusive Schrauben und nimmt den 560-Wh-Akku integriert auf, und zwar in allen Rahmengrößen bis hinunter zu XS.
Möglich macht das der neue, kompakte Akku, der 28 % weniger Volumen einnimmt als sein Vorgänger. Der Hinterbau wurde optimiert: 6 % weniger Material, 580 g Gewicht und damit 200 g weniger als zuvor.
Die Laufradkombination folgt dem Mullet-Prinzip: 29 Zoll vorne für Überrollverhalten und Kontrolle, 27,5 Zoll hinten für Agilität und leichteres Versetzen. Ein dreifach verstellbarer Flip-Chip am oberen Umlenkhebel des Maestro-Hinterbaus erlaubt es, die Geometrie an Fahrstil und Gelände anzupassen.
Was heißt das auf dem Trail? Ein Lenkwinkel zwischen 64,1° und 64,9° ist für ein Bike mit 160 mm Gabel eine klare Ansage: Das Intrigue soll bergab Ruhe ausstrahlen, auch wenn es schnell und ruppig wird. Der steile Sitzwinkel von rund 77° setzt die Fahrerin bergauf zentral über das Tretlager.
Das kommt der Klettereffizienz zugute, und gerade bei einem E-MTB, das steile Rampen frisst, ist das eine sinnvolle Wahl. Die kurzen bis moderaten Reach-Werte (408 bis 475 mm in Mid) und die recht niedrige Überstandshöhe deuten auf ein Bike hin, das sich nicht ins Gelände zwingen lässt, sondern sich gut platzieren lässt.
Der Radstand wächst mit der Größe moderat und bleibt mit 1179 bis 1259 mm handlich. Die Kettenstrebe liegt bei 443 mm in allen Größen, was für Stabilität sorgt, dank 27,5-Zoll-Hinterrad aber nicht träge wirken sollte. In der Low-Stellung dürfte das Bike am satttesten liegen, in High am lebendigsten und mit mehr Bodenfreiheit. Das ist unsere Einschätzung auf Basis der Zahlen; der Fahrtest muss es bestätigen.
Motor & Akku
Der neue Giant SyncDrive Pro 4 arbeitet mit 48 Volt und liefert 120 Nm Drehmoment sowie 850 W Spitzenleistung. Er wiegt 2,4 kg, das ergibt 50 Nm pro Kilogramm. Nach dem Anfahren aus dem Stand erreicht er das maximale Drehmoment in 0,28 Sekunden, und die volle Leistung liegt über den gesamten Kadenzbereich von 0 bis 140 U/min an. Für technische Anstiege mit niedriger Trittfrequenz ist das genau die richtige Charakteristik.
Die Steuerung übernimmt die Synchronized Power Matrix. Sie wertet sechs Sensorwerte aus (Drehmoment, Trittfrequenz, Geschwindigkeit, Steigung, Leistung, Beschleunigung) und passt die Unterstützung laufend an.
Dazu gibt es sechs Fahrmodi (Eco, Tour, Active, Sport, Power, Boost) und sechs Feinabstimmungen per RideControl App, darunter eine Unterstützung von 0 bis 500 %. Die Traction Control erkennt ein durchdrehendes Hinterrad anhand von Geschwindigkeit, Steigung, Trittfrequenz und Drehmoment und regelt die Leistung so, dass der Grip sanfter zurückkommt.
Der EnergyPak Smart 560X speichert 560 Wh bei 48 V, wiegt 2,6 kg und ist per 22700B-Zellen und 352 Wh/L Energiedichte ungewöhnlich kompakt. Liv verspricht bis zu 2.300 Ladezyklen und IPX7-Schutz. Neu ist, dass sich der Akku entnehmen und außerhalb des Bikes laden lässt.
Für lange Tage lässt sich der EnergyPak Plus 280 (280 Wh, 1,5 kg, USB-C-Anschluss) an den Flaschenhalteraufnahmen am Unterrohr montieren, was die Gesamtkapazität auf 840 Wh erhöht. Wer nur eine Feierabendrunde fährt, lässt ihn zu Hause und spart Gewicht.
Fahrwerk & Ausstattung
Damit die Motorleistung nicht im Hinterbau verpufft, hat Liv gemeinsam mit Yamaha ein eigenes Motorgehäuse entwickelt. Es schafft den Platz, um die Pivot-Positionen des Maestro-Fahrwerks unverändert zu lassen. Das Dual-Link-System soll das Hinterrad unter Last aktiv halten und so Pedalierverhalten, Traktion und Kontrolle verbessern.
Für die höheren Belastungen wurden Laufräder und Antrieb verstärkt. Die TRX und TRA HD WheelSystems mit Titan-Ratchet-Naben und 72-Zahn-Schrägverzahnung sind nach Liv-Angaben im Ermüdungstest 20 % widerstandsfähiger als führende Wettbewerber und bieten 25 % mehr Maximalfestigkeit als die Referenznabe.
Die Wide-Guard-Technologie kombiniert eine 5 mm breite Felgenflanke mit einem neuen, abgerundeten Profil. Die KMC-Kette ist für bis zu 300 Nm kombiniertes Drehmoment ausgelegt und hat 21 % mehr Zugfestigkeit sowie 35 % mehr Bolzenfestigkeit als die Referenzkette. Nach 2.000 km Test lag der Verschleiß laut Liv bei 0,157 % (kritische Grenze: 0,8 %).
Das Giant E+ System verbindet alles über das Smart Gateway unter der Motorabdeckung: kabellose Lenkerfernbedienung RideControl Ergo 5, im Oberrohr integriertes GoLux-Display, Contact Switch E+ für die Vario-Sattelstütze ohne eigene Batterie, AEGIS E-Lock und Kompatibilität mit Apples „Wo ist?“. Ein Aegis Tire Checker (Reifendruckkontrolle) und ein Tubeless-Kit liegen bei.
Modellübersicht
Liv Intrigue Advanced E+ 0 2027
Motor: Giant SyncDrive Pro 4, 850 W, 120 Nm
Batterie: Giant EnergyPak Smart 560 Wh (Range Extender Giant EnergyPak Plus 280 Wh im Lieferumfang enthalten)
Display: Giant RideControl GO Lux
Rahmen: Advanced SL Carbon, Maestro, 150 mm
Gabel: Fox 36 Factory, 160 mm
Dämpfer: Fox Float X Factory
Schaltung: Sram X0 Eagle Transmission AXS, 1×12
Bremsen: TRP Evo Pro, 220 mm / 200 mm v/h
Kurbelgarnitur: Praxis Carbon 36
Vorbau: Giant Contact SLR Trail Carbon Lenker-Vorbau-Einheit
Sattelstütze: Giant Contact Switch E+
Sattel: Liv Sylvia E+
Laufräder: Giant e-TRX Carbon
Reifen: Maxxis Assegai 29×2.5 v / Maxxis Minion DHR II 27.5×2.4 h
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: 140 kg
Preis: 10.000 EUR
Liv Intrigue Advanced E+ 1 2027
Motor: Giant SyncDrive Pro 4, 850 W, 120 Nm
Batterie: Giant EnergyPak Smart 560 Wh (Range Extender Giant EnergyPak Plus 280 Wh im Lieferumfang enthalten)
Display: Giant RideControl GO Lux
Rahmen: Advanced SL Carbon, Maestro, 150 mm
Gabel: Fox 36 Performance, 160 mm
Dämpfer: Fox Float X Performance
Schaltung: Sram GX Eagle Transmission AXS, 1×12
Bremsen: TRP Evo Expert, 220 mm / 200 mm v/h
Kurbelgarnitur: Praxis e-HD 36
Vorbau: Giant Contact SL 35
Sattelstütze: Giant Contact Switch E+
Sattel: Liv Sylvia E+
Laufräder: Giant e-TRA
Reifen: Maxxis Assegai 29×2.5 v / Maxxis Minion DHR II 27.5×2.4 h
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: 140 kg
Preis: 8.000 EUR
Liv Intrigue Advanced E+ SE 2027
Motor: Giant SyncDrive Pro 4, 850 W, 120 Nm
Batterie: Giant EnergyPak Smart 560 Wh (Range Extender Giant EnergyPak Plus 280 Wh im Lieferumfang enthalten)
Display: Giant RideControl GO Lux
Rahmen: Advanced SL Carbon, Maestro, 150 mm
Gabel: Giant Crest 36 Elite, 160 mm
Dämpfer: Giant Crest FloTrac TR
Schaltung: TRP Electric, 1×11
Bremsen: TRP Evo Comp, 220 mm / 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: Praxis e-HD 36
Vorbau: Giant Contact SL 35
Sattelstütze: Giant Contact Switch E+
Sattel: Liv Sylvia E+
Laufräder: Giant e-TRA
Reifen: Maxxis Assegai 29×2.5 v / Maxxis Minion DHR II 27.5×2.4 h
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: 156 kg
Preis: 6.500 EUR
Liv Intrigue Advanced E+ 2 2027
Motor: Giant SyncDrive Pro 4, 850 W, 120 Nm
Batterie: Giant EnergyPak Smart 560 Wh (Range Extender Giant EnergyPak Plus 280 Wh im Lieferumfang enthalten)
Display: Giant RideControl GO Lux
Rahmen: Advanced SL Carbon, Maestro, 150 mm
Gabel: RockShox Psylo Gold RC, 160 mm
Dämpfer: RockShox Deluxe Select
Schaltung: Shimano Deore M6100, 1×12
Bremsen: TRP Evo Comp, 220 mm / 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: Praxis e-HD 36
Vorbau: Giant Contact SL 35
Sattelstütze: Giant Contact Switch E+
Sattel: Liv Sylvia E+
Laufräder: Giant e-TRA
Reifen: Maxxis Assegai 29×2.5 v / Maxxis Minion DHR II 27.5×2.4 h
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: 156 kg
Preis: 6.000 EUR
Fazit
Das neue Liv Intrigue Advanced E+ liest sich auf dem Papier stimmig: mehr Drehmoment, mehr Akku, mehr Federweg, dazu ein Gewicht, das kaum aus der Reihe tanzt. Besonders clever wirkt die modulare Akkulösung. Wer einen Tag in den Bergen plant, packt den Range Extender drauf. Wer eine Feierabendrunde fährt, spart sich das Zusatzgewicht. Geometrie und Mullet-Laufräder versprechen ein Bike, das bergab Ruhe hat und bergauf zentral sitzt, ohne träge zu werden. Preislich reicht die Serie von 6.000 bis 10.000 Euro. Wer die Plattform ohne Schnickschnack will, greift zum E+ 2. Wer Wert auf elektronische Schaltung und hochwertige Federelemente legt, wird beim E+ 1 oder E+ 0 fündig. Ob das Intrigue Advanced E+ im Gelände hält, was es verspricht, zeigt sich im Test. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut.
Was meint ihr?
Weitere Informationen zu den neuen Modellen findet man jetzt auf der Liv Cycling Website.




















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