Das Handelsgericht in Dijon hat für Cycles Lapierre ein gerichtliches Sanierungsverfahren eröffnet. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, während die traditionsreiche Fahrradmarke nach einem Investor sucht.
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Für Cycles Lapierre ist am Dienstag eine entscheidende Etappe erreicht worden. Das Handelsgericht in Dijon hat das Unternehmen am 25. August 2026 offiziell unter gerichtliche Sanierung gestellt. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens war von der Unternehmensleitung selbst beantragt worden und soll Lapierre nun Zeit verschaffen, um einen Investor und eine tragfähige Perspektive für die Zukunft zu finden.

Eine Liquidation ist damit zunächst abgewendet. Das Verfahren schafft vielmehr einen rechtlichen Rahmen, innerhalb dessen der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann. Produktion, Vertrieb und die laufende Geschäftstätigkeit sollen während der Beobachtungsphase weitergehen.

Das Gericht hat gerade das gerichtliche Sanierungsverfahren für Cycles Lapierre eröffnet. Das ist die Entscheidung, auf die wir gehofft haben: Sie ermöglicht uns, die Tätigkeit fortzusetzen und gibt uns den Rahmen, unseren Plan abzuschließen und einen Investor zu finden“, erklärte Geschäftsführer William Perrier gegenüber dem französischen Magazin Frandroid.

Zeit gewonnen, Zukunft noch offen

Entschieden ist damit allerdings noch nichts. Die gerichtliche Sanierung verschafft Lapierre vor allem Zeit – die eigentliche Herausforderung beginnt erst jetzt. Das Unternehmen muss einen Investor finden, der bereit ist, die weitere Finanzierung zu sichern und eine langfristige Perspektive für die Marke zu entwickeln.

Perrier macht keinen Hehl aus der weiterhin schwierigen Situation. „Nichts ist sicher, aber der Kampf geht weiter, und wir werden ihn beschleunigen“, erklärte der Geschäftsführer.

Besonders verschärft hatte sich die Lage durch die Probleme der niederländischen Muttergesellschaft Accell. Ohne deren bisherige finanzielle Unterstützung muss Lapierre nun eine eigenständige Zukunftsperspektive entwickeln und potenzielle industrielle oder finanzielle Investoren von der Marke überzeugen.

Traditionsmarke mit 106 Beschäftigten

Lapierre kann dabei auf eine lange Geschichte verweisen. Das Unternehmen wurde 1946 gegründet und ist seit Jahrzehnten in Dijon verwurzelt. Nach eigenen Angaben beschäftigt Cycles Lapierre derzeit 106 Mitarbeiter und erzielte 2025 einen Umsatz von 99,1 Millionen Euro.

Die Unternehmensleitung hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, den Standort Dijon und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu wollen. Mit der nun eröffneten gerichtlichen Sanierung erhält das Unternehmen zumindest den zeitlichen und rechtlichen Rahmen, um eine solche Lösung zu suchen.

Auch die Belegschaft hatte sich im Vorfeld der Gerichtsentscheidung kämpferisch gezeigt. Gegenüber Franceinfo fassten Beschäftigte ihre Haltung mit dem Wunsch zusammen, alles dafür zu tun, dass das Unternehmen weiterbestehen kann.

Bedeutung über Lapierre hinaus

Für die französische Fahrradbranche steht mehr auf dem Spiel als die Zukunft eines einzelnen Herstellers. Lapierre zählt zu den traditionsreichen Namen der Branche, die weiterhin in Frankreich verwurzelt sind. Ein mögliches Verschwinden der Marke wäre vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise im Fahrradmarkt ein weiterer Rückschlag für die heimische Industrie.

Für Kunden und Händler gibt es zunächst eine wichtige Nachricht: Der Geschäftsbetrieb soll fortgesetzt werden. Genau dafür wurde das gerichtliche Sanierungsverfahren eröffnet – um dem Unternehmen während der Beobachtungsphase die Möglichkeit zu geben, weiterzuarbeiten und gleichzeitig eine Lösung für seine finanzielle Zukunft zu entwickeln.

Ob daraus tatsächlich eine Rettung wird, hängt nun maßgeblich von der Suche nach einem Investor ab. Lapierre hat mit der Entscheidung des Gerichts zunächst Zeit gewonnen. Ob daraus ein dauerhafter Neuanfang wird, ist dagegen weiterhin offen.

Schon vor der Entscheidung hatte William Perrier die Motivation hinter dem Antrag deutlich gemacht: Lapierre habe diesen Schritt nicht unternommen, um aufzugeben, sondern um sich die Möglichkeit zu verschaffen, weiterzukämpfen. Mit dem Verfahren hat die Marke nun den juristischen Rahmen dafür. Jetzt muss daraus ein tragfähiges Zukunftskonzept entstehen.

Mit Informationen von Frandroid, Franceinfo und Transition Velo.

Bild: Lapierre