Richard Thorpe, Gründer der britischen E-Bike-Marke Gocycle, erklärt, was das Elektrorad dem Elektroroller voraus hat

Der Referentenentwurf der Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr (eKFV) ist bereits finalisiert und muss nur noch von Bundesrat und EU-Kommission freigegeben werden. Wird das sogenannte E-Scooter-Gesetz den Straßenverkehr aber wirklich revolutionieren oder wird es ihm eher schaden? Richard Thorpe, Gründer und Designer der britischen E-Bike-Marke Gocycle, steht dem Trend der Elektroroller eher kritisch gegenüber.

Zunächst hört sich die Entwicklung sehr positiv an: Es wird ein weiteres Fortbewegungsmittel geben, das keine Abgase ausstößt und somit gut für die Umwelt ist. Allerdings birgt die Erlaubnis von E-Scootern im Straßenverkehr auch Gefahren für Fußgänger, andere Verkehrsteilnehmer und auch für die Nutzer selbst, da die ohnehin schon überfüllten Straßen um einen weiteren Player ergänzt werden.

Richard Thorpe

Richard Thorpe

Die elektrischen Roller sind keine Alternative zum Auto, sondern werden für kurze Wegabschnitte genutzt, die andernfalls zu Fuß zurückgelegt werden würden. Für längere Strecken sind sie nicht geeignet, sie sind vielmehr eine ‚Last-Mile-Lösung‘. So fördern E-Scooter einen trägen statt einen beweglichen Lebensstil. Bei Pedelecs ist das anders: Der Elektromotor unterstützt nur, wenn der Fahrer auch selbst in die Pedale tritt. Zudem sind viele E-Bikes wie auch das Gocycle so konzipiert, dass der tägliche Pendelweg von mehreren Kilometern bequem bewältigt werden kann. Dementsprechend haben Pedelecs das Potenzial, das Auto auf der Straße zu ersetzen“, so Thorpe.

Auch die Bauweise der E-Scooter und die fehlende Helmpflicht stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Schon ein kleines Schlagloch reicht bei einer hohen Geschwindigkeit (bis zu 20km/h) in Kombination mit den recht kleinen Reifen und dem tiefliegenden Deck aus, um einen Unfall zu verursachen. Die Dynamik und Beweglichkeit eines Fahrrads, egal ob elektrisch oder nicht, gleichen etwaige Unebenheiten wesentlich leichter aus.

Trotz seiner kritischen Einstellung zu E-Scootern ist Thorpe der Meinung, dass sich der Trend zu alternativen, umweltfreundlichen Fortbewegungsmitteln positiv auf das Pendlerverhalten auswirken kann. Autos werden stehen gelassen, öffentliche Verkehrsmittel, Pedelecs und andere elektrische Fahrzeuge verstärkt genutzt. Hierbei sieht Thorpe den Elektroroller-Boom nicht als Bedrohung für die E-Bike-Industrie:

Ich bin fest davon überzeugt, dass Elektrofahrräder die dominierende Form eines ökologisch nachhaltigen städtischen Verkehrs werden. Sie bieten so viele Vorteile: Sie fördern einen gesunden Lebensstil, fast alle Nutzer fühlen sich auf dem Fahrrad sicher, können bequem längere Strecken zurücklegen und beispielsweise Einkäufe einfach transportieren.Richard Thorpe

Mehr unter www.gocycle.com.