Für das Reisejahr 2025 melde der internationale Tourismus „ganz hervorragende Zahlen“, sagte Prof. Dr. Martin Lohmann, Wissenschaftlicher Berater der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) auf der Eröffnungspressekonferenz der CMT 2026 in Stuttgart (17. bis 25. Januar). Mit 1,536 Millionen Ankünften internationaler Gäste sei nicht nur ein weiteres Wachstum im Vergleich zum Vorjahr festzustellen – man liege inzwischen sogar über den Ergebnissen des Rekordjahrs 2019. Positive „Wasserstandsmeldungen“ zum Saisonauftakt gebe es auch für den Inlandstourismus: So könne, wie bereits 2024 und 2019, erneut mit fast 500 Millionen Übernachtungen gerechnet und somit „ein hohes Niveau gehalten werden. Stabilität ist das zentrale Wort.“
Urlaubsreisen: Hohe Nachfrage mit Umsatzplus
Besonders die Deutschen „lassen sich ihren Urlaub nicht nehmen, Krisen hin, Krisen her“, und seien „wieder munter verreist“, kommentierte Lohmann. Auch hier sehe man langfristig „eine sehr stabile Nachfrage von durchschnittlich knapp 70 Millionen Urlaubsreisen“ (69 Millionen im vergangenen Jahr). Beim Umsatz verzeichneten Reiseveranstaltende, Reisebüros sowie Anbietende von Flug- und Kreuzfahrtreisen ein- bis zweistellige Umsatzzuwächse bei etwa gleichbleibenden Gästezahlen. Zwar suchten viele Deutsche nach preisgünstigen Angeboten, doch sei eine zunehmende Wertschätzung von Urlaubsreisen auffallend. Viele wollten es im Urlaub „so richtig luxuriös haben“ und seien bereit, dafür auch Geld auszugeben.
CMT: „Indikator für das Reisejahr“
Das Thema Reisen stehe bei den Deutschen „ganz oben auf der Prioritätenliste“, stimmte Roland Bleinroth zu, Geschäftsführer der Messe Stuttgart. Die CMT und ihre vier Tochtermessen – Fahrrad- & WanderReisen, Kreuzfahrt- & SchiffsReisen, Golf- & WellnessReisen und Selbstbau – seien „ein Indikator, wie sich das Reisejahr entwickeln wird“. Gerade sei man „am dritten Rezessionsjahr vorbeigeschrammt, die Nachrichten geben Anlass zur Sorge“, dennoch sei die CMT 2026 „wieder eine CMT der Rekorde“.
Auf dem „restlos ausverkauften Gelände“ präsentierten 1660 Ausstellende „ein breites Angebot für jeden Bedarf, jede Interessenlage und jedes Budget“. Mit rund 1200 Fahrzeugen sowie 120 Neuheiten und Weltpremieren aus dem Caravaning-Bereich sei die CMT die „größte Neuheiten-Schau für Caravaning, Reisemobile und Camping“. Im Rahmenprogramm böten 720 Vorträge und Fachforen ein riesiges Informationspaket rund ums Reisen. „Ziel einer Messe ist die Inspiration, die Möglichkeit, etwas zu entdecken“, sagte Bleinroth – etwa das vielen als Reisedestination noch unbekannte Partnerland Angola oder die landschaftlich wie kulturell hochattraktive Grand Tour de Catalunya.
„Leitökonomie“: Urlaub in Baden-Württemberg
Dass die weltgrößte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit alljährlich in der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart stattfindet, ist vielleicht kein Zufall, denn im „Ländle“ ist die Reiselust traditionell ausgeprägt. Der Quellmarkt Baden-Württemberg stellt ein Volumen von fast 10 Millionen Urlaubsreisen, einen Anteil von 14 Prozent aller deutschen Urlaubsreisen. Außerdem unternehmen die Baden-Württemberger überdurchschnittlich viele Auslandsreisen (78 Prozent), wobei klassische Mittelmeerziele (46 Prozent) wie Spanien, Italien, Frankreich oder die Türkei ganz vorne in der Reiseplanung rangieren. Doch auch der Urlaub im eigenen Bundesland steht hoch im Kurs, was mit 25 Prozent aller Urlaubsreisen nach Baden-Württemberg zu Buche schlägt. Im „Urlaubsland Baden-Württemberg“ begrüße man daneben vorwiegend Gäste aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland (20 Prozent), berichtete Christine Schönhuber, Geschäftsführerin der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW).
Trend mit Zukunftspotenzial: Camping und Caravaning
Insbesondere Camping und Caravaning bieten Entwicklungsmöglichkeiten, und das nicht nur in Baden-Württemberg. So stieg die Zahl der Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen auf 44 Millionen, was einem ungefähren Marktanteil von 10 Prozent entspricht. Das Zelten sei zwar in der Gunst der Deutschen etwas gesunken, dafür sei der Urlaub im Reisemobil ein „wichtiges Segment mit klarem Aufwärtstrend“, so Prof. Dr. Martin Lohmann. Zudem bekundeten 10 Prozent ein mittelfristiges Interesse an dieser Urlaubsform in den nächsten drei Jahren – ein großes Potenzial für die Zukunft. Dies bestätigte auch Sabine Weber, Caravaning-Expertin der Focus Caravaning Studie: „Momentan gibt es in Deutschland 19 Millionen Reisemobil- und Caravaning-Urlauber, und wir rechnen damit, dass es noch mehr werden.“ Bei der Kundschaft seien „Interesse, Nachfrage und auch das Budget“ gegeben. Entsprechend optimistisch blicke der Handel in die Zukunft. Ähnlich äußerte sich Dr. Holger Siebert, Vizepräsident des Caravaning Industrie Verbands e.V. (CIVD): Aus Sicht der Industrie zeige sich der Markt seit mehreren Jahren „sehr positiv“; es bestehe „nachhaltiges Interesse“ an Kauf und Anmietung. Mittlerweile seien eine Million Fahrzeuge in Deutschland zugelassen, und rund die Hälfte aller Zulassungen in Europa entfalle auf deutsche Fabrikate. „Wir sind zufrieden und freuen uns über die wirtschaftliche Entwicklung unserer Branche!“
Ausblicke und Perspektiven
Für das Tourismusjahr 2026 sehe er „gute Vorzeichen“, fasste Prof. Dr. Lohmann zusammen. „Grundsätzlich sind Zeit, Lust und Geld vorhanden, und 67 Prozent der von uns Befragten planen für 2026 bereits eine oder mehrere Reisen.“ Die Kunden seien multi-optional, flexibel und suchten Abwechslung. Trotz des rasanten Wandels in der Informationstechnologie hätten Reiseveranstaltende oder Reisebüros keineswegs vollständig an Bedeutung verloren. Ganz im Gegenteil: Angesichts der Flut von Möglichkeiten und Angeboten im Internet „wollen es die Gäste zunehmend einfach“. Künstliche Intelligenz werde bei der Reiseplanung möglicherweise eine gewisse Rolle spielen, doch die Inspirationen zu einer Reise stammten nach wie vor aus den Medien oder persönlichen Kontakten. Beste Aussichten also für die CMT, meinte Roland Bleinroth: „Der direkte zwischenmenschliche Austausch macht weiterhin den Reiz einer Messe aus. Wir rechnen deshalb auch für dieses Jahr mit einem guten Besucherergebnis.“
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