Fahrradtourismus legt weiter zu – breite Angebote und klare Trends auf der Stuttgarter Reisemesse
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Die Fahrrad- & WanderReisen 2026, die vom 17. bis 19. Januar im Rahmen der CMT in Stuttgart stattfand, zieht eine durchweg positive Bilanz. Besucherinnen und Besucher zeigten großes Interesse an den vielfältigen Angeboten rund um aktive Urlaubsformen – von spezialisierten Fahrrädern und passendem Equipment über neue Rad- und Wanderrouten bis hin zu thematischen Reisen wie Weinradel-Touren. Besonders stark frequentiert war der Testparcours, auf dem aktuelle Fahrradmodelle unterschiedlicher Kategorien ausgiebig Probe gefahren wurden.

Weitwandern und Radrouten stark nachgefragt

Auch der Bereich Wandern und Wanderreisen stieß auf hohe Resonanz. Vor allem Weitwanderwege erwiesen sich als Publikumsmagnet. „Besonders die Weitwanderwege wurden nachgefragt – etwa der Albsteig über die Schwäbische Alb“, berichtete Heiko Zeeb von der Schwäbische Alb Tourismus GmbH. Gleichzeitig hätten auch die vielfältigen Radwege großes Interesse geweckt.

International gefragt waren unter anderem die Angebote der Grand Tour de Catalunya. Nahezu das gesamte Infomaterial sei verteilt worden, so Xana Martínez Montori vom Catalan Tourist Board. Besonders im Fokus standen Routen in den Pyrenäen sowie Gravel- und Mountainbike-Strecken.

Bühnenprogramm und Community-Angebote als Publikumstreiber

Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein umfangreiches Bühnen- und Vortragsprogramm mit praxisnahen Tipps, Reiseideen und Einblicken aus erster Hand. Der neu geschaffene Community-Bereich „Basislager“ bot Raum für Austausch und Gespräche mit Expertinnen und Experten sowie Gästen wie Extremsportler Jonas Deichmann.

Radurlaub etabliert sich als Massenphänomen

Bereits im Vorfeld der Messe hatte Kathleen Lumma, Geschäftsführerin des ADFC Landesverbands Baden-Württemberg e. V., bei der Fokus-Rad-Pressekonferenz die Bedeutung des Radtourismus unterstrichen. Rund die Hälfte der deutschen Wohnbevölkerung habe 2025 Radreisen unternommen, Tagesausflüge gemacht oder das Fahrrad im Urlaub genutzt. Entscheidend für die Attraktivität seien neben Verkehrssicherheit vor allem gut ausgebaute und ausgeschilderte Routen, fahrradfreundliche Unterkünfte und eine unkomplizierte Anreise.

E-Bikes bleiben Treiber im Markt

Ungebrochen hoch ist laut ADFC auch die Nachfrage nach E-Bikes. 44,7 Prozent der Befragten nutzten im Urlaub ein Elektrorad. Claus Fleischer, CEO von Bosch eBike Systems, verwies zudem auf die wirtschaftliche Bedeutung des Segments: 2,1 Millionen verkaufte E-Bikes im Jahr 2024 sowie ein Branchenumsatz von 6,33 Milliarden Euro unterstreichen den Stellenwert der Elektromobilität im Fahrradmarkt. Auf der Messe spiegelte sich dies in einem breiten Angebot wider – von E-Lastenrädern über Alltags- und Kinder-E-Bikes bis hin zu sportlich orientierten Mountain- und Gravelbikes.

CycleTourismSummit setzt Impulse für die Zukunft

Mit dem erstmals durchgeführten „CycleTourismSummit – Heute Wege für Morgen gestalten“ wurde am 20. Januar eine neue Fachplattform für die Weiterentwicklung des Radtourismus geschaffen. In Vorträgen, Panels und Praxisbeispielen diskutierten Teilnehmende nachhaltige Strategien und zukünftige Anforderungen. Einigkeit bestand darin, den Radtourismus weiter als nachhaltige und wirtschaftlich relevante Urlaubsform zu positionieren.

Erfolgreiches Fazit und Ausblick

Für die mehr als 220 Ausstellerinnen und Aussteller fällt das Fazit der Fahrrad- & WanderReisen 2026 positiv aus. Die nächste Ausgabe ist bereits terminiert und findet vom 16. bis 18. Januar 2027 statt. Noch bis zum 25. Januar 2026 läuft die CMT insgesamt weiter, flankiert vom zweiten Messewochenende mit den Tochtermessen Selbstausbau, Kreuzfahrt- & SchiffsReisen sowie Golf- & WellnessReisen.

Unser Eindruck

Im direkten Vergleich zu den Vorjahren zeigte sich aus unserer Sicht jedoch eine spürbare Verschiebung innerhalb der Ausstellung. Die Präsenz klassischer Fahrradhersteller war geringer, stattdessen traten vor allem Händler als Ansprechpartner auf. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, bedeutet aber zugleich, dass sich Besucherinnen und Besucher, die sich gezielt über aktuelle Fahrradmodelle informieren möchten, dafür eher andere Formate oder Veranstaltungen heranziehen müssen. Auch der Testparcours fiel deutlich kleiner aus als in früheren Jahren. Der thematische Schwerpunkt lag hier klar auf dem Reisen mit dem Fahrrad – und zwar waren Angebote für Urlaubsaktivitäten mit dem Fahrrad messeübergreifend zu finden, nicht nur in der dafür vorgesehenen Halle. Nachdenklich stimmte uns aber, dass parallel zum stark betonten Nachhaltigkeitsgedanken des Rad- und Wandertourismus weiterhin großvolumige Wohnmobile als Selbstverständlichkeit beworben wurden. Angesichts der aktuellen Klimadiskussion wirkte dieser Kontrast zumindest aus der Zeit gefallen.