Ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung verschärft die anhaltende Energiepreiskrise die Debatte um die Zukunft der Mobilität in Deutschland. Das Bündnis nachhaltige Mobilitätswirtschaft getragen vom Bundesverband Carsharing, dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen und Zukunft Fahrrad fordert einen grundlegenden Kurswechsel hin zu einem widerstandsfähigen und bezahlbaren Verkehrssystem.
„Die aktuelle Energiepreiskrise offenbart schonungslos: Ein Mobilitätssystem, das auf fossile Brennstoffe setzt, ist verletzlich“, erklärt Wasilis von Rauch, Sprecher des Bündnisses.
Die steigenden Ölpreise belasteten Haushalte wie Unternehmen gleichermaßen und ein Ende sei nicht in Sicht. Kurzfristige Maßnahmen wie der zweimonatige Tankrabatt griffen zu kurz, da sie strukturelle Probleme unangetastet ließen.
„Deutschland verbraucht zu viel fossile Energie im Verkehr“, so von Rauch weiter. Jede Verzögerung beim Umsteuern verursache zusätzliche Kosten.
Zwischenbilanz: Fortschritte mit deutlichen Lücken
In einer ersten Bilanz sieht das Bündnis sowohl positive Ansätze als auch erhebliche Versäumnisse. Zu den Fortschritten zählen die Wiederaufnahme der Förderung von Elektrobussen sowie die gesicherte Finanzierung des Deutschland-Tickets bis 2030.
Auch zusätzliche Mittel für den Radverkehr und ein stabiler Haushalt von 600 Millionen Euro für 2026 werden positiv hervorgehoben. Ebenso wird gewürdigt, dass Carsharing-Anforderungen bei digitalen Lösungen wie Führerschein und Wallet berücksichtigt werden.
Dem stehen jedoch weiterhin wesentliche Herausforderungen gegenüber: Der angekündigte ÖPNV-Modernisierungspakt lässt weiterhin auf sich warten, ebenso Fortschritte bei der Reform von Trassenpreisen und der kommunalen Verkehrsfinanzierung.
Kritisch bewertet das Bündnis zudem Kürzungen bei Radwegen an Bundesstraßen sowie die schleppende Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans. Auch eine gezielte Förderung für den Einstieg ins Carsharing fehlt bislang, während bestehende Ladeinfrastrukturkonzepte die Bedürfnisse dieser Nutzungsform kaum berücksichtigen.
Mehr als Antriebsdebatten
Aus Sicht der Verbände greift die aktuelle politische Diskussion zu kurz. Die Konzentration auf Antriebstechnologien beim Auto ob elektrisch, wasserstoffbasiert oder synthetisch reiche nicht aus. Ein resilientes Mobilitätssystem müsse breiter gedacht werden.
Die Zahlen unterstreichen diese Perspektive: Rund 27 Millionen Menschen nutzen täglich den öffentlichen Nahverkehr, 41 Prozent sind regelmäßig mit dem Fahrrad oder E-Bike unterwegs. Gleichzeitig wächst die Zahl der Carsharing-Haushalte. Angebote jenseits des klassischen Individualverkehrs gewinnen damit an Bedeutung nicht zuletzt, weil sie weniger abhängig von fossilen Energien sind.
Forderungen: Rahmenbedingungen für den Mobilitätsmix
Um die Alltagsmobilität krisenfest und sozial ausgewogen zu gestalten, formuliert das Bündnis klare Forderungen. Dazu gehören ein attraktiver und bezahlbarer ÖPNV mit verlässlichem Angebot sowie eine beschleunigte Modernisierung der Bahn. Auch die Förderung der Elektromobilität ausdrücklich inklusive E-Bikes wird als zentraler Baustein gesehen.
Darüber hinaus fordert das Bündnis eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur für alle Nutzungsformen, sichere Radwege in Stadt und Land sowie Mobilitätsbudgets, die Nutzerinnen und Nutzern mehr Wahlfreiheit ermöglichen. Ergänzt wird dies durch den Ausbau von Bike- und Carsharing sowie eine bessere Vernetzung der Verkehrsträger etwa durch digitale Buchungssysteme und einheitliche Tarife.
„Deutschland braucht ein wirtschaftlich und sozial zukunftsfähiges Mobilitätssystem: energieeffizient, flexibel und resilient gegen externe Schocks“, fasst von Rauch zusammen.
Die Branche stehe bereit nun sei politischer Gestaltungswille gefragt.
Über das Bündnis:
Abschließend versteht sich das Bündnis nachhaltige Mobilitätswirtschaft als zentrale Schnittstelle für Politik, Medien, Wirtschaft und Öffentlichkeit, wenn es um Fragen moderner Mobilität geht. Die beteiligten Organisationen bündeln dabei die gesamte Bandbreite nachhaltiger Angebote im Personenverkehr in Deutschland. Ihr gemeinsames Ziel ist es, unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse mit den Anforderungen des Klimaschutzes und einem deutlich geringeren Energieverbrauch im Verkehrssektor in Einklang zu bringen.
Mehr Details unter: www.nachhaltige-mobilitaetswirtschaft.de.






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