Wie sich das Lebensgefühl der Vogesen mithilfe der E-Bikes der Marke in alle Welt ausbreitet
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Anfang dieses noch jungen Jahres hatte der französische E-Bike-Hersteller Moustache in sein neues Headquarter nahe Épinal in den Vogesen eingeladen. Wir waren beim Factory Visit dabei und konnten dabei einen besonderen Eindruck zum Hintergrund der Marke, den aktuellen und kommenden Plänen und auch der Lebensart in der Region gewinnen. Natürlich waren wir auch auf den neuesten Modellen der Franzosen unterwegs und haben die einzigartige Küche genossen. Hier unser Bericht!

Willkommen bei Moustache

Es ist noch ein kleines Stück, bis man von Épinal, der Präfektur des Département Vosges, nach Thaon-les-Vosges gelangt. Der kleine Ort ist eine in einer sogenannten Commune nouvelle mit den Nachbarorten Girmont und Oncourt zusammengeschlossene Gemeinde. Seit knapp vier Jahren befindet sich der Stammsitz der Cycle me SAS hier im Industriepark „Innova 3000“, wo nun auch die zahlreichen Moustache-Modelle gefertigt werden.

Moustache-Fabrik

Zuvor war in Épinals Stadtteil Golbey angesiedelt, wo man auf immer enger werden Raum vor dem Umzug immer mehr E-Bikes produzierte und schließlich aus allen Nähten platzte. Einige Jahre früher wurden Manu und Greg, die Gründer von Moustache Bikes, noch von so gut wie allen Banken für verrückt erklärt, als man sich im Jahr 2011 Geld für die Entwicklung und Produktion von E-Bikes leihen wollte.

Frankreich war zu diesem Zeitpunkt ein Land der Billig-E-Bikes aus China, die maximal 750 EUR kosten durften. Für Premium-Modelle, die zu Preisen ab 3.500 EUR verkauft werden sollten, sah keines der angefragten Geldhäuser eine Zukunft. Davon ließen sich die Gründer aber nicht einschüchtern und sammelten genügend Startkapital bei ihrer Familie, Freunden und Bekannten ein.

Für seine E-Bikes wollte man gleich zum Start auf einen qualitativ hochwertigen Antrieb setzen. Kurz vorher war Bosch eBike Systems mit seiner ersten Generation des Antriebs gestartet, legte mit einem MOQ von 2.500 Einheiten für kleine Firmen oder Start-ups wie Moustache die Latte für den Einstieg aber zu hoch. Bosch hatte zwar diverse Kunden und Partner in Deutschland, aber keinen in Frankreich, was sich für Moustache als Vorteil herausstellen sollte, wie ein Interview mit Emmanuel später in diesem Beitrag aufzeigen wird.

Moustache Lundi 26; Bild: Moustache

Die Franzosen schafften es schließlich, Bosch als Partner zu gewinnen und brachten dann ihre erste Range mit sieben Modellen im Jahr 2012 heraus. Markenzeichen war damals wie heute der ikonische Lenker des Lundi, der in Form eines „M“ wie Moustache bisher so gut wie einzigartig im E-Bike-Markt ist (nur Specialized hat für sein Turbo Como E-Bike etwas Ähnliches entworfen). Bis zur heutigen 10. Saison ist die Modellpalette auf sagenhafte 65 Modelle angewachsen und der französische Hersteller in nahezu jeder E-Bike-Kategorie vertreten.

Von dem ersten Mitarbeiter in 2012, als Greg und Manu noch selbst die E-Bikes in den beengten Räumlichkeiten montierten, ist das Unternehmen heute auf eine Mitarbeiteranzahl von 155 Menschen gewachsen und setzt über 100 Millionen EUR um (Zuwachs in 2020: über 65 %). Die geschaffenen Arbeitsplätze sind den beiden Gründern auch heute viel wichtiger, als irgendwelche Umsätze und Gewinne. Beide sind froh, dass sie es geschafft haben, so viele Menschen für ihre Vision zu begeistern und mit diesen gemeinsam ihren Weg zu gehen.

Factory Visit Moustache Bikes 2022

Die Fertigung

Betritt man die neue Fabrik von Moustache Bikes, gelangt man zuerst in einen Showroom, wo man die gesamte Modellpalette der Franzosen bestaunen kann. Neben der aktuellen Modellpalette finden sich aber dort auch Modelle, die in Zusammenarbeit mit diversen Künstlern besonders gestaltet wurden oder in Wettbewerben jeweils Geschichte geschrieben haben. Hier ist zum Beispiel das Sieger-E-Bike des UCI EMTB XC Weltmeisters Jérome Gilloux zu sehen.

Der Künstler Sakew zum Beispiel hatte im Rahmen der Aktion „Streetart für Kids“ zuletzt das einzige unmotorisierte Bike der Marke, das Laufrad Mercredi 12, in einer limitierten Auflage per Hand verziert und neu designt.

Auch Lucas Beaufort, ein weiterer Künstler aus der Region, nutzte auf seiner „Kleinen Tour de France“ E-Bikes von Moustache und verzierte diese in seinem einzigartigen Stil. Davon sind einige Bikes im Showroom der Franzosen zu sehen, wobei sich mehrere Schilder in diesem Stil auch in den Produktionshallen finden.

Jahre zuvor hatte auch schon die Kooperation mit Philippe Starck von sich Reden gemacht, welcher die E-Bikes der Marke auf eine ganz besondere Weise umgestaltet hat. Bis heute erhält Moustache Bikes regelmäßig Anfragen von Leuten, welche ein solches Modell aktuell noch kaufen möchten.

Moustache mit Design von Philippe Starck

In der Produktion

Gelangt man dann in die Produktionshallen, fallen einem zuerst einmal die riesigen Regalreihen mit einer Vielzahl an Kartons auf. In diesen befinden sich bereits die vormontierten Rahmen samt Laufrädern aus Taiwan, die dann nach einer bestimmten Reihenfolge aus dem Regal geholt und an den jeweiligen Platz für die Endmontage gebracht werden. War früher alles der Reihe nach sortiert, so verwendet man nun ein chaotisches System, welches eine Zeitersparnis bei der Bestückung und Entnahme der Kartons aus den Regalen mit sich bringt.

Clément von Moustache erklärt, in welchem Produktionsstadium die Rahmen aus Taiwan kommen und wie sich der weitere Ablauf in der Produktion darstellt. Auf lange Sicht möchte man so viele Arbeitsschritte wie möglich am hiesigen Standort erledigen. Allerdings werden die Rahmen und weitere Bauteile auch weiterhin aus Taiwan kommen, wie wir später auch im Interview mit Emmanuel erfahren, allerdings nicht mehr vormontiert.

Produziert wird in den Werkshallen derzeit noch auf zwei verschiedene Weisen, wobei man aber nach und nach auf die neue, modernere Arbeitsweise umstellt. Bei der „alten“ Fertigungsmethode bekommt der Mitarbeiter bzw. die Mitarbeiterin alle Komponenten gerichtet und baut dann das E-Bike komplett alleine auf. Mittels eines Pick-by-light Systems im sogenannten Shop weiß dabei der Mitarbeiter, welches Bauteil beim jeweiligen E-Bike benötigt wird.

Anschließend kommen die Kartons mit den Rahmen und auch die Boxen mit den Komponenten auf entsprechende Rollenbänder, so dass der Mitarbeiter diese entnehmen kann. An einem eigens designten Montageständer wird das E-Bike dann aufgebaut. Nach der Montage der E-Bikes werden diese an einem weiteren Arbeitsplatz komplett überprüft und anschließend verpackt.

Endprüfung eines Moustache E-Bikes

Die E-Bikes werden dann nicht in Plastik verpackt, sondern in diesem wiederverwendbaren Vlies:

Bei der „neuen“ Fertigungsmethode läuft es etwas anders. Zwar baut der Mitarbeiter immer noch ein E-Bike komplett zusammen, allerdings werden viele Bauteile wie z.B. der Lenker, die Federgabeln oder die Bosch-Motoren vormontiert.

Vormontierter Bosch-Antrieb

Der Vorteil ist hier, dass z.B. durch die Verwendung einer speziellen Lehre der Lenker immer perfekt montiert ist oder der Mitarbeiter am Platz der E-Bike-Montage nicht durch Probleme durch den Zusammenbau diverser Komponenten aufgehalten wird.

Arbeitsplatz in der „neuen“ Produktion

Ebenfalls hat man einen neuen Montageständer entwickelt, der ein Drehen des E-Bikes um 360° zulässt und so zusammen mit der Höhenanpassung eine möglichst ergonomische Montageposition erlaubt. Laut Moustache konnte man durch diese Fertigungsmethode schon eine Erhöhung der Ausbringung und auch eine merkliche Steigerung der Qualität vor der Endkontolle erzielen.

Seit jeher setzen die Franzosen auf eigene Laufräder. Diese hat man aber bisher in Fernost herstellen lassen. Für die Zukunft möchte man diese aber im eigenen Werk produzieren und hat dafür entsprechende Maschinen angeschafft. Nachdem die Speichen durch einen Mitarbeiter eingesetzt wurden, werden die Laufräder vollautomatisch zentriert und anschließend überprüft, bevor sie dann am E-Bike des Kunden angebracht werden.

Laufrad wird in nIO oder IO sortiert

Auch hier erfolgt nach der Endmontage nochmals eine komplette Überprüfung des E-Bikes, bevor dieses dann verpackt und für die Auslieferung in einem Karton verpackt wird. Übrigens möchte sich Moustache Bikes auf lange Sicht von der Nutzung von Kartons verabschieden und sucht dafür eine Lösung. Aktuell sind allerdings noch unzählige Kartons in der Fabrik der Franzosen zu sehen.

Kartons, so weit das Auge reicht

Aus Sicherheitsgründen müssen Akkus getrennt und speziell gesichert gelagert werden. Reichen bei kleineren E-Bike-Herstellern wie z.B. Forestal noch Tresor-ähnliche Schränke dafür aus, muss man bei Moustache Bikes schon zu einem extra Raum greifen. Dieser ist selbst komplett abgeschottet und zudem durch eine dicke Schiebetür geschützt und soll im Falle des Falles ein Übergreifen des Feuers auf das gesamte Fabrikgebäude verhindern.

Eingelagerte Akkus

Weiter durch das Werk gelangt man in einen Bereich, welcher in Zukunft noch ausgebaut werden soll: die Lackiererei. Aktuell ist man für das Ausbessern eventueller Lackschäden gerüstet. Zudem steht eine Lackierbox zur Verfügung, die eine Komplettlackierung eines Rahmens und die Anfertigung einzelner besonderer Lackierarbeiten erlaubt. Allerdings möchte man in Zukunft den kompletten Lackierprozess im Hause haben und so auch diesen derzeit ausgelagerten Arbeitsschritt nach Frankreich holen.

Schließlich folgt nach ein weiterer wichtiger Teil der Fabrik, die Logistik, über welche die komplett montierten E-Bikes dann zu den jeweiligen Händlern gelangen und auch der Eingang der zur Produktion benötigten Komponenten gemanagt wird. Insgesamt fertigt man 260 bis 300 E-Bikes jeden Tag vor Ort und hat so in 2020 über 50.000 E-Bikes produziert. Ausgelegt ist die Fabrik auf eine maximale Ausbringung von 100.000 Modellen pro Jahr.

Zeitweise baut Moustache eauch Sonderserien, wie diese Modelle mit einem Rahmen aus Holz, die für ein Projekt in der Region benötigt werden.

Moustache E-Bike mit Holzrahmen

In der Verwaltung

Eine so große Produktion kommt natürlich nicht ohne eine entsprechende Verwaltung aus. Neben dem Einkauf und der Materialplanung, befindet sich auch das Support-Center hier, welches den Kunden bei Fragen und Problemen aktiv zur Seite steht. Angrenzend ist das Marketing untergebracht, welches sich um die Belange der Medien kümmert und auch z.B. Kampagnen für den Launch der neuesten E-Bikes plant und durchführt. Auch Schulungen für die Händler werden hier ausgearbeitet.

Die Gründer sitzen in nächster Nähe und immer greifbar bei ihren Mitarbeitern. Emmanuel hat seinen Arbeitsplatz im nächsten Raum, der die Ingenieure, Konstrukteure und auch Designer der Marke beherbergt. Hier werden alle neuen Features der kommenden Moustache Bikes erarbeitet und in diversen Schritten vom ersten Muster bis hin zum fertigen Bauteil hin optimiert.

Entwicklung und Konstruktion.

Dieser Bereich soll in Zukunft in einem extra Gebäude unterkommen, welches schon bald gebaut werden soll. Auf dem Gelände ist reichlich Platz für eine Erweiterung, auch für die Produktion. Emmanuel Antonot, einer der beiden Gründer von Moustache Bikes, hat uns im Rahmen des Firmenbesuchs in einem Interview diverse Fragen beantwortet.

Emmanuel „Manu“ Antonot

Wie habt ihr es geschafft, gleich zum Start Bosch als Lieferanten bzw. Partner zu gewinnen?

Das war schwierig, da Bosch eBike Systems einen MOQ von 2.500 Einheiten hatte. Allerdings kannten wir Leute vom französischen Team von Bosch. Bosch eBike Systems startete mit 15 Kunden, meist deutsche Marken, aber hatte niemand in Frankreich. Das war ein Vorteil für uns. In Frankreich waren billige E-Bikes aus China beliebt, die maximal 750 EUR kosteten. Es war offensichtlich kein Markt für hochpreisige Bikes vorhanden. Wir haben Bosch aber so lange genervt, bis wir im März 2012 unsere Pläne in Kusterdingen vor dem Management-Team (Marketing/ Sales/ Service) der Schwaben vorstellen durften. Wir hatten nur einige Prototypen dabei, wobei diese nicht einmal auf Bosch-Antriebe ausgelegt waren. Trotzdem applaudierten uns die Bosch-Mitarbeiter am Ende der Vorstellung. Unsere Vision hat die Bosch-Leute überzeugt und wir haben im ersten Jahr unsere veranschlagten Absatzzahlen um das Doppelte übertroffen.

Was war die größte Herausforderung, welcher das Team von Moustache Bikes von 2012 bis heute gegenüber stand?

Natürlich gab es viele Herausforderungen. Zum einen sorgte dieser „gute Druck“ ab Start dafür, dass wir schnell gute Lösungen für Probleme finden mussten. Auch der Aufbau eines Teams war schwierig, nicht zuletzt da wir als Gründer keine Erfahrungen in Sachen HR hatten und dies erst lernen mussten. Um die mit einem Einstiegspreis von 2.300 EUR im Vergleich „teuren E-Bikes“ am Markt zu platzieren, mussten wir jeden Händler einzeln im Gespräch überzeugen. Aber so haben wir die Händlerbasis und auch die Abläufe im Unternehmen Stück-für-Stück aufgebaut. Banken wollten uns kein Geld geben, da man die Verantwortlichen keinen Markt für hochwertige E-Bikes sah. So haben wir uns bei unsrer Familie und Bekannten das Geld für den Aufbau der Marke geliehen. Den Breakeven haben wir auf drei Jahre ausgelegt, aber bereits aber im ersten Jahr erreicht. Die Verkaufszahlen konnten ab da jedes Jahr verdoppelt werden, so dass wir uns im Jahr 2015 auch für Investoren öffnen mussten, um das Wachstum weiter auf diesem hohen Niveau halten zu können.

Welche E-Bike-Kategorie fehlt euch noch?

Moustache hat noch nicht alle Kategorien besetzt, für die es bei anderen Marken schon Modelle gibt. Die bei anderen Marken boomende Light-E-MTB Kategorie ist nichts Halbes und nichts Ganzes und wird es bei Moustache nicht geben. Ein E-Bike soll schließlich seinem Namen gerecht werden und im Bedarfsfall die notwendige Leistung bereitstellen können, die der Nutzer von diesem erwartet. Was unser Portfolio in Zukunft ergänzen könnte, wäre zum Beispiel ein Falt-E-Bike osder auch weitere E-Cargobike Varianten. Den Anfang haben wir ja mit dem Lundi 20 gemacht, welches als Familien Cargo-E-Bike die Aktivitäten moderner Nutzer in den Städten unterstützen soll.

Welche Kategorie von E-Bikes nutzt ihr selbst am liebsten?

Das gesamte Moustache-Team und auch wir Gründer fahren alle bestehenden und kommenden E-Bikes ausgiebig unter allen Bedingungen zur Probe. Ich fahre selbst bin sehr gerne auf dem Lundi 26 unterwegs, unserem ersten Modell, welches immer noch mit dem ikonischen Äußeren und seinem einzigartigen Fahrgefühl besticht. Je nach Gelegenheit sind wir aber auch oft mit dem Friday 27, den Sunday Modellen oder aber auch mit den E-Enduros der Baureihe Game unterwegs.

Wie steht ihr zu E-Bikes für Kinder oder Jugendliche?

Für Jugendliche haben wir ja mit dem Samedi 26 Off ein entsprechendes Modell im Programm. Die Kleinsten sollen ohne E-Antrieb zum Beispiel mit dem Mercredi 12 für ein Leben mit dem Fahrrad begeistert werden. Der Ursprung für den Namen des Modells ist ja außerhalb von Frankreich eher wenig geläufig. Der Mittwoch (Mercredi) ist in Frankreich schulfrei bzw. Kindergarten-frei und damit der Familien-Tag. Somit haben die Kinder an diesem Tag Zeit, ihre Lauf- und Fahrräder ausgiebig zu genießen. Ich selbst finde es zudem wichtig, dass die Limitierung von E-Bikes auf ein bestimmtes Alter für die Kinder zu halten, um das Radfahren auf dem konventionellen Fahrrad zu lernen.

Habt ihr Expansionspläne abseits eures Stammwerks?

Aktuell wird die Produktion ausgebaut und auch das Produktionssystem umgestellt. Die Fläche im Industriegebiet, die sich im Besitz von Moustache befindet, lässt zudem eine Expansion in der Zukunft zu. Es wird eine Kantine geben und auch noch eine größere Lagerfläche und Logistik. Außerdem soll die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in ein externes Gebäude auf dem Betriebsgelände umziehen, genauso wie die Verwaltung, für die neue Büros gebaut werden.

Wie sehen eure Pläne in Sachen Nachhaltigkeit aus?

Wir agieren nachhaltig in vielen Facetten. So nutzen wir grüne Energie und setzen, wenn notwendig auf Elektroautos und erhöhen auch die Lebensdauer für unsere Produkte. Zudem setzen wir auf Recycling und Haltbarkeit und arbeiten daran, den Verbrauch von Karton zu reduzieren. Die Verwendung des Werkstoffs Carbon ist für Moustache Bikes kein Thema. Die Produktion von Komponenten (z. B. Laufräder) werden entweder im Stammwerk erledigt oder wir achten darauf, dass die Wege vom Zulieferer so kurz wie möglich sind. So möchten wir die komplette Lieferkette bald ganz im Griff haben. Das E-Bike ist Teil dieser Lösung, weil es die beste Alternative zum Auto darstellt.

Was hat sich bei euch durch die Corona-Pandemie geändert / verbessert / verschlechtert?

Die Corona-Pandemie hatte natürlich auch Auswirkungen bei uns. Allerdings konnten wir uns dadurch noch besser auf die Optimierung der E-Bikes kümmern. Wir haben die Auswirkungen der Pandemie auf die Freizeit und das Urlaubsverhalten der Menschen besonders in 2020 gespürt. Der daraus resultierende Höhepunkt hinsichtlich der Nachfrage hat die Lieferkette nachhaltig gestört. Zeitweise lag die Nachfrage viermal höher als sonst. Natürlich spüren auch wir die Auswirkungen durch die hohen Lieferzeiten bei den Zulieferern. Beispielsweise konnten Batterien von Bosch wegen fehlenden Chips für das Batteriemanagementsystem (BMS) nicht planmäßig geliefert werden. Die lange Lieferzeit macht dem gesamten Team zu schaffen und sorgt für eine hohe Arbeitsbelastung. Allerdings haben wir dadurch auch die Chance, Dinge neu zu denken und andere, oft bessere Lösungen für Probleme zu finden.

Wie weit seid ihr mit der Umstellung eures Produktionssystems schon vorangekommen?

Die Rahmenproduktion in Taiwan läuft sehr gut. Unser Partner vor Ort ist ein Aluminium-Spezialist mit einem hohen Know-how. Beispielsweise wurden Gehäuse für Apple-Geräte dort produziert. Auch unsere hauseigenen Dämpfer lassen wir dort fertigen. Der Lieferant hat in der Vergangenheit auch Bauteile für Fox und Rock Shox gebaut. Die Rahmenproduktion wird auch in Zukunft dort bleiben, aber die Lackierung möchten wir in näherer Zukunft hier vor Ort erledigen. Aktuell haben wir bereits eine kleine Lackierkammer für das Ausbessern beschädigter Rahmen. Diese Abteilung soll aber ausgebaut werden.

Emmanuel, wir bedanken uns für das sehr interessante Gespräch!

Tour nach Épinal

Natürlich ist all das Gesehene und auch die ganzen Informationen nur graue Theorie, wenn man die Modelle nicht selbst gefahren hat. So sind wir dann am zweiten Tag auf eine Tour nach Épinal gestartet, unterwegs auf dem brandneuen Lundi 20 E-Cargobike und dem Lundi 27, welches das ikonische Design der Marke in die Zukunft trägt.

Es war sehr kalt, aber die Fahrt auf dem zwischen dem Canal de l’Est und der Mosel verlaufenden Radweg hat uns dafür entschädigt. Auch die Altstadt in Épinal, durch deren zeitweise enge Gassen sich unsere Gruppe schlängelte, ließ uns einen schönen Eindruck von der Region bekommen.

Ebenso haben wir einen hervorragenden Eindruck der einzigartigen Cuisines Vosges bekommen, die unsere Gaumen nicht nur inmitten dieser Tour verwöhnte. So gestärkt ging es in Richtung Golbey, wo wir den alten Standort von Moustache Bikes besuchten, bevor wir dann wieder zurück nach Thaon-les-Vosges starteten.

Altes Headquarter von Moustache

Später am Tag besuchten wir am Ortsrand von Epinal noch die Brasserie La Fouillotte, eine kleine Brauerei, die eine Vielzahl an unterschiedlichsten Craft Beer-Varianten im Angebot hat. Moustache Bikes arbeitet mit der Brauererei schon länger zusammen und lässt sich auch des Öfteren ein eigenes Bier abfüllen, welches dann auch für Marketingzwecke als Give-away zum Einsatz kommt.

Insgesamt konnten wir an diesem Tag sowohl von den Modellen, als auch von Land und Leuten einen guten Eindruck machen. Man kann dabei verstehen, warum die beiden Gründer hierher zurückgekommen sind, um die Marke aufzubauen und was diese mit der Region verbindet.

Hier noch ein Video zum 10-jährigen Jubiläum der Marke:

Fazit

Der Factory Visit bei Moustache Bikes hat uns einen sehr guten Einblick gegeben, auf welchen Prinzipien die Marke gründet und welche Ziele das Team aus den Vogesen verfolgt. “Das Auto in der Garage lassen” und stattdessen auf den “Smiling Machines” der Franzosen unterwegs zu sein, ist die Devise und der Hauptgrund, warum sich Greg und Manu zur Gründung der Marke entschlossen haben. Inzwischen sind die Gründer im Vergleich zum Erfolg der Marke nur noch mit mehr Stolz erfüllt, wenn sie auf die Anzahl der Arbeitsplätze schauen, die sie in ihrer Heimat geschaffen haben. Wir jedenfalls bleiben an der Marke dran und sind schon jetzt gespannt, was als Nächstes von den Franzosen vorgestellt werden wird.

Alles Weitere nun unter www.moustachebikes.com.

Transparenzhinweis: Der Autor wurde seitens der Cycle Me SAS (Moustache Bikes) zum Besuch der Firma eingeladen. Die Anreise erfolgte auf eigene Kosten. Auf die Meinung des Autors hatte dies keinen Einfluss.

Bilder: s. Kennz.
Video: Moustache