Fantic macht 2027 sein E-MTB-Line-up komplett. Nach Sierra und Ridge, die die Segmente Trail und All Mountain abdecken, hat die Marke aus Venetien beim International Bike Festival in Misano mit dem Rhapsody nun ihre neue E-Enduro vorgestellt. Der Anspruch ist klar formuliert: maximale Kontrolle auf technischem, verblocktem Gelände, ohne dass Antritt und Spaßfaktor am Anstieg auf der Strecke bleiben. Ein Vollcarbonrahmen, Bosch-Antrieb der aktuellen CX-Generation und eine überarbeitete Hinterbau-Kinematik sollen dafür sorgen, dass das Rhapsody nicht einfach nur ein weiteres Enduro-E-Bike im ohnehin gut besetzten Segment wird.
Fantic Rhapsody 2027 im Überblick
Wie schon bei Sierra und Ridge setzt Fantic auch bei der Rhapsody auf ein dreistufiges Ausstattungskonzept. Sport, Race und Factory teilen sich Rahmen, Motor und Akku, unterscheiden sich aber deutlich bei Fahrwerk und Schaltgruppe.
Die Sport-Variante ist der Einstieg mit solider RockShox- und SRAM-Eagle-70-Ausstattung, die Race-Version schiebt mit ZEB Select, RockShox Vivid und GX T-Type AXS nach, und die Factory toppt das Ganze mit Fox-38-Gabel, Float-X2-Dämpfer und SRAM X0 T-Type AXS.
Preislich liegt zwischen Einstieg und Topmodell rund 3.500 Euro, das Fahrverhalten dürfte sich dabei stärker über das Fahrwerk-Feintuning als über den Rahmen selbst unterscheiden.
Rahmen & Geometrie
Kern des Projekts ist ein Carbonrahmen, der auf maximale Torsionssteifigkeit getrimmt wurde. Fantic hat dafür Erkenntnisse aus dem eigenen Motocross-Erbe der Muttergesellschaft in die am stärksten belasteten Bereiche des charakteristischen Cobra-Designs einfließen lassen. Der Effekt soll spürbar sein: mehr Laufruhe bei hohem Tempo, präzisere Kurvenführung und mehr Reserven, wenn es ruppig wird.
Auch beim Akku hat man sich nicht für den einfachsten Weg entschieden. Der 800-Wh-Akku sitzt fest im Rahmen, lässt sich über einen eigens entwickelten Verschluss aber trotzdem von unten entnehmen. Damit bekommt man die Steifigkeitsvorteile eines fest integrierten Akkus, ohne bei Wartung oder Tausch auf Komfort verzichten zu müssen.
Der Lenkwinkel von 64 bis 64,5 Grad ist ordentlich slack und liegt klar im DH-nahen Enduro-Bereich, das bringt Laufruhe und Nerven-Schonung bei hohem Tempo und in steilem Gelände, kostet im Gegenzug aber ein wenig Spritzigkeit bei engen Spitzkehren.
Der mit 72 Grad über alle Größen konstante Sitzwinkel sorgt dafür, dass man beim Klettern nicht nach hinten wegrutscht, was bei einem so laufruhig ausgelegten Bike besonders wichtig ist, damit der Anstieg nicht zur Nebensache wird. Reach und Radstand wachsen von S bis L spürbar mit, S bleibt mit 1226 mm Radstand noch kompakt, L streckt sich mit 1281 mm klar Richtung Highspeed-Stabilität.
Auffällig ist die Kettenstrebenlänge von fix 459 mm über alle Größen hinweg, das hält gerade das große Bike hinten kompakt und sorgt dafür, dass das Rhapsody trotz langem Radstand nicht behäbig ums Eck fährt. Mit einer Tretlagerhöhe von 372 mm und moderater Absenkung von 3,5 mm sitzt der Schwerpunkt tief genug für satten Grip in Kurven, ohne dass bei Wurzeln und Steinen ständig die Pedale aufsetzen.
In Summe liest sich die Geometrie wie ein Bike, das auf schnellen, groben Trails souverän bleibt, beim Klettern nicht schlapp macht und dank des kurzen Hinterbaus trotzdem noch handlich genug bleibt, um es aktiv um Kurven zu werfen.
Spannend wird es bei der Hinterbau-Kinematik. Das Rhapsody nutzt wie die Sierra ein koaxiales Horst-Gelenk, das Bremskräfte weitgehend von der Federungsfunktion entkoppelt. Der Hinterbau kann dem Untergrund also folgen, ohne dass starkes Bremsen das Ansprechverhalten verhärtet, was gerade auf technischen, steilen Trailabschnitten den Unterschied zwischen Kontrolle und Ausrutscher macht.
Die Kennlinie selbst ist progressiver ausgelegt: sensibel am Anfang des Federwegs, spürbar mehr Gegenhalt gegen Ende. Das soll harte Kompressionen und Landungen souverän abfedern, ohne im leichten Gelände unsensibel zu wirken.
Und weil Fantic auch das Pedal Kickback, also das lästige Zurückschlagen der Kurbeln bei starker Kompression, auf ein laut eigenen Angaben besonders niedriges Niveau gedrückt hat, sollte sich das Rhapsody gerade bei Landungen ruhiger anfühlen als mancher Wettbewerber.
Motor & Akku
Angetrieben wird das Fantic Rhapsody vom aktuellen Bosch Performance Line CX Gen5, der sich per App auf bis zu 120 Nm Drehmoment konfigurieren lässt. Das sorgt auch an steilen Anstiegen für kräftigen, direkten Schub.
Für die Energieversorgung ist ein fest integrierter 800-Wh-Akku zuständig, der sich bei Bedarf mit einem 250-Wh-Range-Extender aufstocken lässt, für alle, denen selbst eine große Batterie für die Enduro-Ausfahrt am Wochenende nicht reicht.
Fantic integriert das Kiox 400C bündig im Oberrohr, kombiniert mit der Mini Remote. Damit bietet das Modell eine Anzeige der wichtigsten Informationen, wobei mit der eBike Flow-App das E-MTB an die Vorlieben seines Nutzers angepasst werden kann.
Fahrwerk & Ausstattung
Alle drei Rhapsody-Modelle fahren vorn mit 180 mm Federweg, unterscheiden sich aber deutlich in der Komponentenwahl. Die Sport-Variante startet mit einer RockShox Domain Gold R und einem RockShox Deluxe Select am Heck, kombiniert mit SRAM Eagle 70 und SRAM DB6-Bremsen.
Die Race-Version steigt auf eine RockShox ZEB Select samt RockShox Vivid um und schaltet über SRAM GX T-Type AXS.
Das Rhapsody Factory bildet mit Fox-38-Factory-Gabel, Fox-Float-X2-Factory-Dämpfer und SRAM X0 T-Type AXS die Speerspitze und bekommt zusätzlich DT-Swiss-HX1700-Laufräder sowie die potenten SRAM-Maven-Ultimate-Bremsen spendiert.
Weitere Spezifikationen hat Fantic bisher nicht bekannt gegeben.
Modellübersicht
Fantic Rhapsody Factory 2027
Bild folgt
Motor: Bosch Performance Line CX, 750 W, 120 Nm
Batterie: Bosch PowerTube 800, 800 Wh
Display: Kiox 400C / Mini Remote
Rahmen: Full Carbon, 170 mm
Gabel: Fox 38 Factory, 180 mm
Dämpfer: Fox Float X2 Factory
Schaltung: SRAM X0 T-Type AXS, 1×12
Bremsen: SRAM Maven Ultimate
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: n/a
Sattel: n/a
Laufräder: DT Swiss HX1700
Reifen: n/a
Gewicht: 22,90 kg
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 9.990 EUR
Fantic Rhapsody Race 2027
Bild folgt
Motor: Bosch Performance Line CX, 750 W, 120 Nm
Batterie: Bosch PowerTube 800, 800 Wh
Display: Kiox 400C / Mini Remote
Rahmen: Full Carbon, 170 mm
Gabel: RockShox ZEB Select, 180 mm
Dämpfer: RockShox Vivid
Schaltung: SRAM GX T-Type AXS, 1×12
Bremsen: SRAM Maven
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: n/a
Sattel: n/a
Laufräder: Fantic Racing Aluminium
Reifen: n/a
Gewicht: 22,90 kg
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 7.990 EUR
Fantic Rhapsody Sport 2027
Bild folgt
Motor: Bosch Performance Line CX, 750 W, 120 Nm
Batterie: Bosch PowerTube 800, 800 Wh
Display: Kiox 400C / Mini Remote
Rahmen: Full Carbon, 170 mm
Gabel: RockShox Domain Gold R, 180 mm
Dämpfer: RockShox Deluxe Select
Schaltung: SRAM Eagle 70, 1×12
Bremsen: SRAM DB6
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: n/a
Sattel: n/a
Laufräder: Fantic Racing Aluminium
Reifen: n/a
Gewicht: 22,90 kg
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 6.490 EUR
Fazit
Mit dem Rhapsody schließt Fantic 2027 die letzte Lücke im eigenen E-MTB-Portfolio und tut das nicht halbherzig. Der auf Steifigkeit getrimmte Carbonrahmen, die entkoppelte Bremskraft-Kinematik über den Horst-Link und das reduzierte Pedal Kickback lesen sich nach einem Bike, das gezielt für technisches, schnelles Enduro-Terrain entwickelt wurde und nicht nur ein aufgebohrtes Trail-Bike mit mehr Federweg ist. Mit 120 Nm Bosch-Power, 800 Wh Kapazität und optionalem Range Extender dürfte auch auf langen Shuttle-Runden nicht viel anbrennen. Ob die drei Ausstattungsstufen ihr Preisschild wert sind, wird sich erst auf dem Trail zeigen, aber auf dem Papier hat Fantic mit der Rhapsody ein rundes Enduro-Paket geschnürt, das dem Namen des Bikes durchaus gerecht werden könnte.
Was meint ihr?
Alle weiteren Details findet man dann auf der Website von Fantic.









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