Mit dem neuen Modell transferiert Rotwild zwei Jahre Weltcup-Erfahrung in ein überarbeitetes E-Enduro und stattet es zudem mit dem derzeit stärksten Antrieb aus.
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Wenn Hersteller von Racing sprechen, ist das oft Marketing. Bei Rotwild lässt sich der Anspruch zumindest teilweise überprüfen: Das Dieburger Unternehmen betreibt mit dem Rotwild Schwalbe Gravity Racing Team ein eigenes E-EDR-Weltcup-Team, dessen Fahrer direkt in die Entwicklung des R.EXC eingebunden waren. Das Ergebnis dieser zweijährigen Zusammenarbeit ist jetzt offiziell: Das neue R.EXC tritt mit überarbeitetem Fahrwerk, neuem Avinox M2S Antrieb und einem deutlich erweiterten Geometrie-Baukasten an. Wer das Vorgängermodell kennt, wird viele Grundzüge wiedererkennen — die Weiterentwicklung ist evolutionär, nicht revolutionär. Doch die Details, die Rotwild geändert hat, sind technisch relevant: anpassbare Kettenstreben, modulares Steuersatzsystem, drei Rocker-Positionen und erstmals der neue M2S-Motor aus dem Hause Avinox. Was das konkret bedeutet, zeigt dieser Überblick.

Rotwild R.EXC 2026 im Detail

Das R.EXC wird in zwei Ausstattungsstufen angeboten, die sich primär in Federung, Antriebsstrang und Bremsanlage unterscheiden, auf demselben Rahmen und Antriebskonzept basieren. Das Pro-Modell setzt auf eine Rock Shox Vivid Select+ am Heck und eine Rock Shox Zeb Select+ Gabel (170 mm), kombiniert mit SRAM GX Eagle AXS Transmission und SRAM Maven Bronze Bremsen.

Rotwild R.EXC Ultra 2026

Das Ultra-Modell wechselt auf einen FOX DHX Neo Live Dämpfer mit dreistufiger Druckstufenregulierung sowie eine FOX Podium Factory Kashima Gabel. Der Antriebsstrang wechselt auf Shimano XTR Di2 mit elektronischer Schaltung, die Bremsanlage auf Shimano XTR 9220 mit 203-mm-Scheiben vorne. Der Gewichtsunterschied von 300 g zwischen beiden Varianten ist angesichts der Ausstattungsunterschiede bemerkenswert gering.

Rahmen & Geometrie

Der Rahmen des R.EXC besteht aus handgefertigtem Poly Dynamic Carbon, einem Laminataufbau, der nach Herstellerangaben strukturelle Steifigkeit mit gezielter Torsionsnachgiebigkeit kombiniert.

Die Schwinge im sogenannten Elevated Box Design ist großvolumig ausgeführt und soll Antriebskräfte direkt übertragen, ohne dabei seitliche Bodenschläge vollständig zu blockieren.

Das Besondere des neuen R.EXC ist sein Geometrie-Baukasten: Drei unabhängige Einstellpunkte — Rocker-Position, Dropout-Variante und Modular Headset — ergeben in Kombination bis zu 45 verschiedene Konfigurationen.

Die austauschbaren Dropouts ermöglichen nicht nur unterschiedliche Kettenstreben-Längen (436 mm in Größe M, bis 460 mm in XL), sondern auch den Wechsel zwischen 29″- und 27,5″-Hinterrad. Jede Rahmengröße erhält dabei proportional angepasste Streben-Längen.

Das Modular Headset erlaubt eine Feinabstimmung von Lenkwinkel und Reach, in Schritten, die klein wirken, sich im Fahrgefühl jedoch spürbar auswirken sollten.

Der Lenkwinkel von 63,6° ist für ein Race-Enduro-Bike zeitgemäß flach — vergleichbar mit aktuellen Topmodellen im Segment — und verspricht Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten. Der Sitzrohrwinkel von 78° liegt im modernen Bereich und dürfte bergauf eine effiziente Tretposition ermöglichen.

Die Reach-Werte von 460 bis 510 mm über die drei Größen entsprechen einer langen, gestreckten Sitzposition. Der Stack bleibt dabei moderat, was das Bike eher auf eine aktive, sportliche Fahrhaltung auslegt als auf Komfort.

Die Radstände von 1248 bis 1328 mm sind für ein E-Enduro mit 170/160 mm Federweg passend dimensioniert, lang genug für Highspeed-Stabilität, kompakt genug für technische Passagen. In Kombination mit dem Mullet-Setup ergibt sich eine Charakteristik, die Laufruhe mit Wendigkeit zu verbinden versucht.

Motor & Akku

Der neue Avinox M2S Motor stammt aus der Entwicklung von DJI und kommt im R.EXC erstmals zum Einsatz. Die Eckdaten: 150 Nm maximales Drehmoment und 1.500 Watt Spitzenleistung.

Avinox M2S

Zum Vergleich: Der Vorgänger M1S leistete 95 Nm. Der M2S setzt dabei auf eine hochauflösende Sensorik, die laut Hersteller eine sehr direkte und präzise Leistungsabgabe ermöglicht. Ein Aspekt, den viele Fahrer bei Boost-Motoren als kritisches Kriterium nennen, weil grobe Regelung das Fahrverhalten spürbar beeinträchtigen kann.

Die Batterie ist die bereits aus dem R.EX bekannte IPU900-Einheit: 864 Wh Kapazität bei 3.580 Gramm, integriert in ein handgefertigtes Carbongehäuse mit Quick-Release-Push+-Mechanismus. Der Akku lässt sich werkzeuglos entnehmen, was insbesondere bei längeren Touren mit Reserve-Akku relevant ist. Das beiliegende 7A-High-Power-Ladegerät soll die Ladezeiten im Renneinsatz minimieren.

Attack terrain that I would have never been able to attack before.Kelan Grant, E-EDR World Cup Teamfahrer

Fahrwerk & Ausstattung

Das Hinterbau-Konzept des R.EXC basiert auf einem Mid-High-Pivot-System mit stehendem Dämpfer. Der Hauptdrehpunkt wurde im Vergleich zu klassischen Konzepten weiter nach vorne und oben verlagert, um die Raderhebungskurve zu optimieren und die Kettenstrebenlänge über den Federweg möglichst konstant zu halten. Das Ergebnis ist eine gleichbleibende Geometrie über den gesamten Hub — das Bike soll sich in Kurven und auf technischem Terrain berechenbar verhalten.

Der Rocker ermöglicht drei verschiedene Federweg-Einstellungen: 160 mm Full Travel mit 16 % Progression für maximalen Grip, 155 mm Mid Travel mit 14 % als Kompromisseinstellung sowie 145 mm Short Travel mit 12 % für steile, technische Aufstiege.

Diese Stufung ist nicht nur eine Federwegsänderung — mit jeder Position ändert sich auch das Progressionsverhalten des Hinterbaus, was unterschiedliche Dämpfer-Setups erfordert, um das volle Potenzial zu nutzen.

Die vollständig integrierte 8PINS NGS2.0 Sattelstütze bietet bis zu 225 mm Hub in Größe XL und ist intern im Rahmen geführt. Die Komponentenwahl folgt beim Ultra-Modell dem Grundsatz eines abgestimmten Systems: FOX Podium Factory Gabel, Shimano XTR Di2 Schaltung, Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon Laufräder und Schwalbe Tacky Chan Evo Reifen in 29×2.4 vorne sowie 27,5×2.4 hinten (größenabhängig auch 29″ hinten).

Modellübersicht

ROTWILD R.EXC Ultra 2026

ROTWILD R.EXC Ultra 2026

ROTWILD R.EXC Ultra 2026

Motor: AVINOX M2S, 1.500 W (Peak), 150 Nm
Batterie: IPU900 Carbon – Push+, 864 Wh, 36 V
Display: AVINOX 2″ OLED
Rahmen: Poly Dynamic Carbon, 170 mm
Gabel: FOX Podium Factory Kashima, 170 mm
Dämpfer: FOX DHX Neo Live, 205 x 60 mm
Schaltung: SHIMANO XTR Di2 9260 SGS, 1×12
Bremsen: SHIMANO XTR 9220 Fin Pad, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: e*thirteen Race Carbon, 160 mm (M) / 165 mm (L/XL)
Vorbau: ROTWILD S120, 35 mm
Sattelstütze: 8PINS NGS2.0
Sattel: ERGON SM Enduro Comp
Laufräder: CRANKBROTHERS Synthesis Enduro Carbon v/h
Reifen: SCHWALBE Tacky Chan Evo Super Trail, 29×2.4 v / 27.5×2.4 (M/L) / 29×2.4 (XL) h
Gewicht: 23,2 kg
zul. Gesamtgewicht: 130 kg
Preis: 14.990 EUR

ROTWILD R.EXC Pro 2026

ROTWILD R.EXC Pro 2026

ROTWILD R.EXC Pro 2026

Motor: AVINOX M2S, 1.500 W (Peak), 150 Nm
Batterie: IPU900 Carbon – Push+, 864 Wh
Display: AVINOX 2″ OLED
Rahmen: Poly Dynamic Carbon, 170 mm
Gabel: ROCK SHOX Zeb Select+, 170 mm
Dämpfer: ROCK SHOX Vivid Select+, 205 x 60 mm
Schaltung: SRAM GX Eagle Transmission AXS, 1×12
Bremsen: SRAM Maven Bronze, 200 mm v/h
Kurbelgarnitur: e*thirteen Plus, 160 mm (M) / 165 mm (L/XL)
Vorbau: ROTWILD S120, 35 mm
Sattelstütze: 8PINS NGS2.0
Sattel: ERGON SM Enduro Comp
Laufräder: CRANKBROTHERS Synthesis Enduro v/h
Reifen: SCHWALBE Tacky Chan Evo Super Trail, 29×2.4 v / 27.5×2.4 (M/L) / 29×2.4 (XL) h
Gewicht: 23,5 kg
zul. Gesamtgewicht: 130 kg
Preis: 10.990 EUR

Fazit

Das neue Rotwild R.EXC ist eine substanzielle Weiterentwicklung des Vorgängers, keine Modellpflege. Der Avinox M2S Motor setzt neue Leistungsmaßstäbe im Segment: 150 Nm Drehmoment ist eine Ansage, die sich auf dem Trail bemerkbar machen dürfte. Das modulare Geometriesystem ist in dieser Konsequenz ungewöhnlich: 45 Konfigurationsmöglichkeiten sind kein Marketingversprechen, sondern ein ernstzunehmendes Werkzeug für Fahrer, die ihr Bike präzise abstimmen wollen. Einschränkungen gibt es dennoch: Das Bike ist ausschließlich in drei Rahmengrößen (M, L, XL) erhältlich, was kleinere Fahrer ausschließt. Das Gewicht von 23,2 kg (Ultra) ist für ein Race-Enduro-Bike mit dieser Motorisierung branchenüblich, aber keine Leichtgewichts-Kategorie. Und der Einstiegspreis von 10.990 Euro für das Pro-Modell positioniert das R.EXC klar im Hochpreissegment. Für wen ist es gedacht? Für ambitionierte E-Enduro-Fahrer, die ein technisch ausgefeilt konfigurierbares Bike suchen, das seine Entwicklung nachweislich im Rennsport erfahren hat und zugleich bereit sind, dafür entsprechend zu bezahlen. Ob das R.EXC auf dem Trail hält, was die Spezifikationen versprechen, wird demnächst unser Fahrbericht zeigen.

Mehr zum neuen Modell auch auf der Website von Rotwild.

Quelle: PM Rotwild
Bilder: Rotwild