Das Modell aus Kanada ist eine potente E-Enduro, die mit einem starken, aber vor allem effizienten Motor aufwartet
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Das Rocky Mountain Altitude Powerplay C 70 ist das sehr gut ausgestattetes Modell der E-Enduro-Serie des kanadischen Herstellers und kommt mit dem erst im letzten Jahr vorgestellten Dyname 4.0 Antrieb in Verbindung mit einem großen Akku mit 720 Wh. Ein Fox-Fahrwerk mit 170 mm an der Front und 160 mm im Heck stellt einen angemessenen Federweg bereit, der Carbonrahmen bringt eine für den Einsatzzweck optimierte Geometrie mit und hält zudem das Gewicht angenehm niedrig. Wie sich die E-Enduro in unserem ausgiebigen Praxistest geschlagen hat, zeigen wir in folgendem Testbericht auf.

Rocky Mountain Altitude Powerplay C 70 im Detail

Das Altitude Powerplay C 70 wurde im Rahmen des Generationswechsels der E-MTB-Serien von Rocky Mountain im Oktober 2021 vorgestellt. Highlight war dabei hier die Einführung des neuen Dyname 4.0-Antriebssystems, welches gegenüber dem Vorgängermodell komplett überarbeitet und auch 700 Gramm leichter gemacht wurde. Das maximale Drehmoment von 108 Nm blieb dabei gleich, nicht aber die Peak-Leistung, die auf 700 Watt angestiegen ist.

Antrieb „offen“ (Kettenriss) 😉

Der Antrieb ist markant im Tretlagerbereich des Carbonrahmens integriert, der aus Smoothwall™ Carbon in einem anspruchsvollen Verfahren hergestellt wird und beste Steifigkeit bei gleichzeitig geringem Gewicht aufweisen soll. Harte Formkerne helfen dabei, die perfekte Formgebung an den Rahmeninnenseiten zu erzielen und gleichzeitig eine Verschwendung von Material zu vermeiden.

Mittels verschiedener Arten von Carbonfasern nimmt man Einfluss auf die benötigte Steifigkeit je nach Rahmensegment, so dass man in bestimmten Bereichen die Schlagfestigkeit erhöhen und in anderen Segmenten den Rahmen so flexibel wie notwendig gestalten kann.

Im Unterrohr ist der entnehmbare Akku mit 720 Wh untergebracht, der vor dem Motor und so tief wie möglich platziert werden konnte, um einen möglichst tiefen Schwerpunkt zu erzielen. Wer noch mehr Reichweite benötigt, kann diese optional mit dem Overtimepack 2.0 in das System einbringen und kann dann auf 1.034 Wh zurückgreifen.

Mit dem neuen Dyname 4.0 Antrieb hat Rocky Mountain auch das Jumbotron genannte Display eingeführt, welches in das Oberrohr eingelassen ist und neben der kompakten Micro Remote Bedieneinheit am linken Lenkergriff die einzige Schnittstelle zwischen Nutzer und Antriebssystem darstellt. Auf eine weitere Konnektivität oder die Anbindung einer App haben die Kanadier dabei bewusst verzichtet.

Trotzdem kann man den Antrieb per Jumbotron genau an seine Bedürfnisse anpassen und auch Profile für häufig genutzte Szenarien anlegen, auf die man dann schnellen Zugriff hat. Das Display ist klar ablesbar und bringt alles Notwendige mit, schließlich möchte man auch E-Mountainbike fahren und sich nicht Computerspielen beschäftigen, oder? 😉

Die Besonderheiten des Federungssystems der aktuellen Rocky Mountain E-MTB-Modelle haben wir in unserem Beitrag zur Vorstellung der Neuheiten in allen Details beschrieben, deshalb hier nur ein ganz kurzer Abriß dazu. Bei den neuen Altitude Powerplay (und auch Instinct Powerplay) Modellen setzt das Team aus North Vancouver in British Columbia auf eine „Mid-High-Pivot“-Kinematik mit entsprechend nach hinten gerichteter Raderhebungskurve, die dafür sorgen soll, dass kleine und mittlere Stöße gut eliminiert werden können.

Die Smoothlink™ Federung an den kanadischen Bikes soll effizient arbeiten, aber dennoch geschmeidig arbeiten, auch wenn der Nutzer in die Pedale tritt oder einen Gangwechsel vornimmt. Man kann gefühlt den ganzen Federweg ausnutzen und spürt das Ende, wobei sich dieser nach „mehr“ anfühlen soll, als man es anhand des nominalen Federwegs erwarten würde.

Das RIDE-4™ Einstellsystem lässt eine einfache Anpassung der Geometrie zu, wobei man das Bike zudem per variabler Länge am Ausfallende auf hohe Geschwindigkeit oder auf verspieltes Fahrverhalten anpassen kann. Auch die Dämpferaufnahmen können unterschiedlich angepasst werden, wobei der neue MX-Mount noch eine schnelle Umrüstung zum Mullet-Bike erlaubt.

Die Federungskomponenten sind ab Werk spezifisch auf die Größe des Bikes angepasst und soll damit ein Fahrverhalten ermöglichen, welches sich unabhängig von der Rahmengröße zeigt. Unser Altitude Powerplay C 70 brachte die Fox 38 Float Performance Gabel mit, die mit Grip-Kartusche und 170 mm Federweg ausgerüstet ist. Hinten verwaltet der Fox Float X2 Dämpfer die 160 mm des Hinterbaus.

 

Eine lupenreine Shimano XT Schaltgruppe bringt die kombinierte Leistung des Fahrers und Motors ans Hinterrad, wobei die Bandbreite mit 510 % mehr als ausreichend für das Erklimmen auch anspruchsvoller Anstiege ist. Bergab stehen dann Vierkolbenbremsen aus derselben Serie bereit, die im Zusammenspiel mit den 203 mm großen Bremsscheiben für die benötigte Bremsleistung sorgen sollen.

Lob verdient Rocky Mountain auch für die Auswahl der Bereifung. So sind auf den WTB-Felgen mit DT Swiss-Naben passenden Reifen von Maxxis montiert (vorne Assegai, hinten Minion DHR II), die jeweils mit der starken DD-Karkasse ausgerüstet sind. Und zudem verbaut Rocky Mountain Cushcore XC Tire Inserts, die für weitere Zuverlässigkeit auch auf den härtesten Trails sorgen. Klasse!

Über die ODI Elite Pro Lock On Griffe am 780 mm Rocky Mountain Lenker hat man die E-Enduro jederzeit gut im Griff. Dabei sitzt man auf dem WTB Volt Race Sattel, der über die Race Face Aeffect R Dropper mit einem Verstellweg von 175 mm bei unserem Testbike in der Größe LG aufwartet. Insgesamt eine passende, überaus durchdachte Ausstattung!

Auf der Fahrt

Uphill

Auf langen Forststraßen hat man mit dem hohen Lenker des Altitude Powerplay C 70 eine angenehme Sitzposition und so sind auch lange Transferstrecken kein Problem. Richtig Spaß macht es erst aber, wenn es in den Uphill geht. Der starke Motor schiebt einen mit Leichtigkeit verschiedenen Rampen jeder Steilheit hoch. Aufpassen muss man erst, wenn man sehr steile Uphill-Passagen angeht.

Durch die kurzen Kettenstreben, die für das verspielte Handling sorgen, kommt das Vorderrad im Zusammenspiel mit dem starken Motor schnell hoch. Es braucht dann viel Körpereinsatz, um das Vorderrad am Boden zu halten. Hier kann man zwar über den Flip-Chip an der Hinterachse und an der Dämpferaufnahme die Geometrie ein wenig für steilen Uphill optimieren, die Probleme verschwinden dadurch leider nicht ganz, sondern werden nur etwas abgemildert.

Als Vorteil dieses Verhaltens kann man zum Überwinden von Hindernissen das Vorderrad leicht anheben und aufgrund des 29er-Hinterrads rollt man gut über die meisten Wurzeln, Steine und Kanten hinweg. Bei losem und rutschigem Untergrund muss man aber geübt sein, um den starken Motor zu dosieren und nicht zu schnell zum Durchdrehen zu bringen. Genug Druck liegt auf dem Hinterrad aber an.

Für kleine Bunnyhop- und Trial-Einlagen stellt der progressive Hinterbau genug Gegenhalt bereit und so lassen sich mit entsprechender Fahrtechnik auch höhere Hindernisse überwinden. Bedauerlicherweise hat man ab und an Kontakt mit den Kurbeln zum Boden, daher ist ein gutes Timing beim Pedalieren mit dem Rocky wichtig, um in verblocktem Terrain keine Probleme durch Pedal Clipping zu bekommen.

Im Vergleich mit anderen E-Mountainbikes, die wir bisher getestet hatten, ist uns der Dyname 4.0 Antrieb im Zusammenspiel mit dem 720-Wh-Akku als sehr effizient aufgefallen. Auf gleicher Strecke und mit gleichem Fahrer hatten wir unter ähnlichen Bedingungen nur die Hälfte an Energie verbraucht, die wir von anderen aktuellen Motoren (Bosch Gen4, Shimano EP8, Brose Drive S Mag) gewohnt waren. Hier waren wir tatsächlich sehr überrascht, vor allem wenn man die nominale Leistung des Antriebs bedenkt.

Downhill

Zwar ist das Rocky Mountain im Uphill nicht ganz perfekt, dafür zeigt es aber, wie man die gewonnenen Höhenmeter mit viel Fahrfreude und Speed wieder herunterfahren kann. Man steht dabei zentral im Bike und kann einen Großteil des Gewichts durch die Füße in das Bike und damit in den Boden leiten und hat somit eine fast optimale 50/50 Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad.

Diese Eigenschaft ist optimal, um sicher und kontrolliert den Berg hinunter zu ballern. Und so fühlt sich das Rocky auch an, wobei man den Einfluss aus der Heimat des Bikes, British Columbia, regelrecht spüren kann. Im Steilen hat das Bike durch die Geometrie und das angenehm hohe Cockpit keine Probleme. Es schiebt beim Bremsen nicht von hinten und auch ein unangenehmes Überschlagsgefühl stellt sich nicht ein.

Wenn man nach diesen steilen Stücken mit High-Speed unterwegs ist, ist es kein Problem, sich von Catch-Berms und Ruts auffangen zu lassen. Auch beim Bremsen gibt es keine Probleme und übertriebenes Bremsstempeln bleibt ebenso aus. Durch Anlieger und Ruts geht das Altitude Powerplay C 70 brutal gut und der Speed, den man bei Richtungswechseln mitnehmen kann, ist fast unschlagbar.

Ungeachtet enger oder weiter Kurvenradien: Das Bike geht mit seinem 29er-Setup durch Kurven, wie man es eigentlich nur von leichteren Bikes kennt. Dabei lässt sich gut kontrollieren, auch wenn man mal, egal ob absichtlich oder nicht, zu weit innen anfährt und ordentlich in die Kurve reinrutscht. Mit Wurzel- und Steinfeldern gibt es auch keine Probleme, der Mid-Pivot-Hinterbau arbeitet die meisten Schläge weg und mit gut eingestelltem Fahrwerk liegt es satt auf der Strecke und wird nur selten aus der Ruhe gebracht.

Beim Yeti 160E haben wir den fast endlos wirkenden Hinterbau bewundert. Das Rocky Mountain Altitude Powerplay kommt an diese Sensibilität nicht ganz heran, arbeitet aber trotzdem unglaublich gut und gibt dem Fahrer dabei noch Feedback über das, was unter ihm auf dem Trail passiert.

Sehr positiv zu bemerken ist, dass das Altitude Powerplay von Werk aus mit Cush Core geliefert wird. Kaputte Felgen durch riskante Lines über Steine und Wurzeln wird es hiermit nur sehr selten geben. Kleine Wurzeln und Unebenheiten auf dem Trail können, dank dem viel Gegenhalt bietenden Fahrwerk, gut genutzt werden, um etwas zusätzliche Airtime auf naturbelassenen Trails zu bekommen.

Auf Trails mit gebauten Sprüngen muss man sich definitiv auch nicht verstecken. Egal ob große, schön geshapte Kicker oder technische Triples: Abziehen macht mit dem Rocky immer Spaß und in der Luft lässt es sich dann auch gut bewegen und für extra Style-Punkte querlegen. Durch das Rocky Mountain-typisch progressive Fahrwerk rauscht man auch bei harten Landungen nicht direkt durch den Federweg durch.

Ähnlich verhält es sich bei Compressions. Um die Federelemente ans Limit zu bringen, muss man schon in ordentlich große Löcher mit viel Geschwindigkeit hineinfahren. In verblocktem Terrain lässt es sich auch gut kontrollieren und Bunnyhops über Steine und Hindernisse, sowie kleine Trial-Moves sind überhaupt kein Problem.

Rocky Mountain Altitude Powerplay C 70

Rocky Mountain Altitude Powerplay C 70

Rocky Mountain Altitude Powerplay C 70

Motor: Dyname 4.0 Mountain Bike Drive, 250 W, 108 Nm
Batterie: Removable Integrated Li-Ion 720, 720 Wh
Display: Rocky Mountain Jumbotron
Rahmen: Carbon, Integrated Display, 160 mm
Gabel: Fox 38 Float, 170 mm
Dämpfer: Fox Float X2 Performance
Schaltung: Shimano XT, 1×12
Bremsen: Shimano XT Trail 4 Piston, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: Race Face Aeffect Cinch 34T
Vorbau: FSA Orbit NO.57E
Sattelstütze: Race Face Aeffect R Dropper
Sattel: WTB Volt Race 142
Laufräder: WTB ST i30 TCS 2.0 Tubeless v/h
Reifen: Maxxis Assegai 29″/ Maxxis Minion DHR II 29″ v/h
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: 150+ kg
Preis: 8.800 EUR

Fazit

Das Altitude Powerplay Carbon 70 von Rocky Mountain ist eine überaus potente E-Enduro, die von einem ausgereiften, starken und effizienten Antriebssystem profitiert. Ebenso bringt die ausgeklügelte Geometrie, die zudem variabel angepasst werden kann, zusammen mit der gut abgestimmten Federung Vorteile für eine vielseitige Nutzung mit sich.

Leichte Abstriche muss man im technischen Uphill machen, wobei das Altitude Powerplay C 70 diese Schwäche als regelrechte Bergab-Maschine wieder mehr als wettmacht. In ihrer Königsdisziplin gibt sie dem Nutzer gutes Feedback und macht dabei sehr viel Spaß, wobei man dank des ausdauernden Akkus und des serienmäßigen Cushcore Pro-Schutzes auch genügend Runden fahren kann.

Die Konnektivität anderer E-Mountainbikes haben wir hier nicht vermisst, sondern uns über das einfach zu bedienende Jumbotron-Display gefreut, welches alles Wichtige angezeigt hat und uns nicht vom Fahren abgehalten hat. Insgesamt waren wir vom Altitude Powerplay C 70 regelrecht begeistert und geben dem Modell gerne unser Urteil „Sehr gut“!

PRO
  • steifer Carbonrahmen
  • starker, effizienter Motor
  • große, effizient nutzbare Batterie
  • potentes Fahrwerk
  • stabile Reifen samt Inserts ab Werk
  • hochwertige Verarbeitung
  • gut abgestimmte Komponenten
  • gute Ergonomie
CONTRA
  • etwas höherer Preis

Transparenzhinweis: Das Altitude Powerplay C 70 wurde uns seitens der Bike Action GmbH für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.