Auf den ersten Blick unscheinbar designt, bringt das Modell doch die komplette Konnektivität und einzigartige Technik des Unternehmens aus Kroatien mit
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Wir haben das Greyp T5.2 getestet, das Top-Modell der im letzten Jahr vorgestellten E-SUV-Baureihe des Herstellers aus Kroatien. Wie schon von den E-Mountainbikes gewohnt, hat das Team von Greyp seine innovative Technik auch hier verbaut und bietet das E-Bike mit kompletter Vernetzung an, die es so bei keinem anderen Hersteller gibt. Ob das Pedelec uns auf zahlreichen Touren überzeugt und wie sich die einzigartige Technologie dabei nützlich gemacht hat, erfährt man jetzt in unserem Testbericht.

Greyp T5.2 im Detail

Wir haben mit als Erstes über die Marke Greyp berichtet, damals war das Spin-off der Rimac Automobili noch in Sachen E-Motorrad unterwegs, welche man im aktuellen Portfolio jetzt als eHyper-Modelle bezeichnet. Diese bis zu 70 km/h schnellen Fahrzeuge hatten zwar auch einen Pedelec-Modus implementiert, allerdings wäre das Modell auch nach der heutigen Gesetzgebung hierzulande trotz Fahrrad-Pedale nicht abseits von befestigten Straßen nutzbar gewesen.

Greyp G12; Bild: Greyp

Im Jahr 2013 seiner Zeit weit voraus, hat das Team der kroatischen Marke dann im letzten Jahr ein eher zurückhaltend designtes E-Bike vorgestellt, welches es allerdings in Sachen Technologie trotzdem weiter in Richtung Spitze treibt.

Greyp T5.2

Es gibt bisher nichts Vergleichbares, abgesehen von den ebenfalls mit Technik vollgestopften E-MTB-Modellen im eigenen Portfolio des Unternehmens und dem Joint Venture der Kroaten mit Storck Bicycle, Porsche Digital in Form des Cyklær E-Bikes mit Fazua-Antrieb. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe und hat Porsche dazu gebracht, sich Greyp mehrheitlich und Fazua zum Teil einzuverleiben.

Das Greyp T_Five jedenfalls sieht auf den ersten Blick nicht nach so viel Technik aus und bringt einen eher klassisch gestalteten Rahmen mit, der bisher nur in einer Diamantvariante verfügbar ist. Dieser wurde im Hinblick auf maximalen Langstreckenkomfort hin entwickelt und zeichnet sich auch durch einen langen Radstand aus.

Antrieb & Batterie

Angetrieben wird das Modell wie alle E-Bikes der Marke vom eher seltenen MPF Drive 6.0 c aus Taiwan, dem das Team aus Sveta Nedelja eine angepasste Software verpasst hat. Er gibt 90 Nm ab und läuft sehr leise, auch weil das integrierte Metallgetriebe im Ölbad läuft.

Die Energieversorgung läuft über die von Greyp selbst entwickelte Batterie mit 700 Wh, die zuletzt von einem kompletten Rückruf betroffen war, und so am Unterrohr integriert ist, dass sie fast wie ein Teil des Rahmens wirkt. Durch diese Bauweise kann der Akku, welcher auch über eine leicht zugängliche USB-Buchse zur Nutzung als Powerbank verfügt, einfach und schnell entnommen werden. Greyp liefert ein Ladegerät mit 4A Ladeleistung mit.

Das E-Bike ist gespickt mit Details, die zum Schmunzeln anregen. Ein witziges Detail wird sichtbar, wenn man den Akku herausnimmt, was übrigens werkzeuglos funktioniert. Hier findet man dann eine Anleitung, wie man sich ein Ladegerät aus Kartoffeln bauen kann. Man sollte aber trotzdem das originale Ladegerät von Greyp nicht wegwerfen, teilen die Kroaten dazu mit.

Bedienung & Connectivity

Die Bedienung erfolgt über das von Greyp eigens entwickelte Central Intelligence Modul (CIM), welches die Aufnahme des Smartphones des Nutzers vorsieht, aber dank integriertem 3’’-Display auch ohne dieses genutzt werden kann. Auf die komplette Funktionalität kann man natürlich nur mit dem Smartphone zurückgreifen.

Bedient wird die Technik mit einer recht großen, aber dennoch fast intuitiv nutzbaren Einheit am linken Lenkergriff, die einen sowohl die Anzeige auf dem Bildschirm, wie auch die grundsätzlichen Funktionen des Pedelec-Antriebs betätigen lässt.

Hier ist auch ein Joystick verbaut, der sich zusammen mit einigen Tasten aber während der Fahrt mehr oder weniger zielgenau bedienen lässt, je nach Streckenzustand. 😉 Ebenfalls lag ein Herzfrequenzband bei, welches die Unterstützung je nach anvisierter Herzfrequenz steuern kann.

Greyp Herzfrequenzband

Als weiteres Highlight bringt das Modell vorne und hinten Kameras mit, die hier noch etwas unscheinbarer verbaut werden konnten, als beim E-MTB der Marke. Diese bringen eine Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln mit (1080p) und nehmen die Videos mit einer maximalen Framerate von 30 fps auf.

Durch das integrierte Connectivity Modul mit 4G, Bluetooth und WiFi ist das Modell ständig vernetzt und bringt dafür eine eSIM von T-Mobile mit, die bis Ende 2025 kostenlos nutzbar ist. Mittels der zusätzlichen USB-C-Buchse kann das Smartphone des Nutzers während der Fahrt aufgeladen werden.

Fahrwerk & Bremsen

Das von uns getestete Greyp T5.2 ist mit der Rock Shox 35 Gold RL Federgabel ausgestattet, die 100 mm Federweg bietet und damit auch stärkere Schläge gut weg dämpfen sollte. Auf den Laufrädern in 29 Zoll sind schmale Schwalbe G-One Allround Reifen montiert, die mit einer Breite von 2,25’’ eher kaum etwas zum Komfort auf schlechten Untergründen beitragen können.

Dem starken Motor stellt das Team aus Kroatien eine Sram GX Eagle Schaltung mit 12 Gängen zur Seite, die eine Bandbreite von 454 Prozent bereitstellt und damit genügend auch für hügelige oder gar bergige Landschaften. Die Formula Cura Bremsanlage, die mit zwei Kolben arbeitet und vorne mit einer Bremsscheibe mit 203 mm und hinten mit 180 mm kombiniert wird, bringt das E-Bike dann schnell wieder zum Stehen.

Ergonomisch optimierte Komponenten von Ergotec oder Selle Royal stellen die Verbindung des Fahrers zum E-Bike her. Leider verbaut Greyp keine absenkbare Sattelstütze, obwohl diese auch im Trekking- oder auch City-Bereich eindeutige Vorteile in Sachen Sicherheit und Komfort bietet. Dafür ist diese am oberen Ende so gestaltet, dass sie einen gewissen Flex für mehr Komfort mitbringt.

Eine Lichtanlage von Busch + Müller, ein eigens gestalteter Gepäckträger mit MIK und Ortlieb QL3.1 Kompatibilität, Aluminiumschutzbleche mit Kabelführung und ein Seitenständer von Pletscher komplettiert dann die Ausstattung des ersten E-SUV-Bikes von Greyp.

Gepäckträger mit MIK und Ortlieb QL3.1

Im Fahrtest

Das Greyp T5.2 überzeugt mit einer guten Verarbeitung und ergonomischer Sitzposition. Einzig eine absenkbare Sattelstütze hätte dem Modell in dieser Hinsicht noch gut zu Gesicht gestanden, vom Flex der Sattelstütze hat man je nach Situation eher weniger gespürt. Auf das Hochladen des Systems muss man allerdings vor dem Losfahren einige Zeit warten.

Boot-Screen beim E-Bike

Der Motor hat uns auf unseren Fahrten gut unterstützt und auch längere Anstiege einfach überwinden lassen. Dabei hat er sich angenehm leise gezeigt und fiel auch nicht durch ein langes Nachlaufen negativ auf. Er forderte aber trotz 90 Nm etwas mehr Einsatz vom Nutzer, als man es vielleicht von anderen Motoren gewohnt ist.

Auch aufgrund des hohen Gewichts des E-Bikes von 27 Kilogramm, fällt es aber relativ schwer, dieses über 25 km/h zu beschleunigen, wobei der Antrieb hier auch nicht mit einer guten Entkopplung aufwartet. So ist man lieber im Bereich von 20 bis 25 Kilometer pro Stunde unterwegs und kann so auch besser die Umgebung genießen.

Dabei kann man auch die Features des Greyp CIM nutzen, welches einem eine Navigation und das Aufzeichnen der gefahrenen Strecke erlaubt. Die Anzeige der Reichweite erfolgt dabei unter Berücksichtigung der Topografie, der Unterstützungsstufe und des Füllstands der Batterie.

Die Fahrten kann man dann auf dem Display in allen Details ansehen, wobei auch die gemessenen Gesundheitsdaten angezeigt werden. Per Definition eines Bereichs für die Herzfrequenz in der App kann man die automatische Auswahl der passenden Unterstützung aktivieren und den Puls auf dem gewünschten Niveau halten. Das ist sowohl zum Training wie auch zur Rehabilitation gut nutzbar.

Auch die Bilder der vorderen und hinteren Kameras, die immer aktiviert sind, lassen sich auf dem Display darstellen. So hat man entweder einen praktischen Rückspiegel und kann sehen, was hinter einem passiert, oder man kann den Blick nach vorne erfassen und auch je nach Wunsch aufzeichnen.

Sehr interessant ist die Funktion, dass man auch Passagen seiner Fahrt festhalten kann, die eigentlich schon vorbei sind. Hat einem der Blick oder Abschnitt auf seiner Fahrt im Nachhinein besonders gefallen, aktiviert man einfach das sogenannte Greyp Retro Video per Knopfdruck und kann so die letzten 30 Sekunden auf seinem E-Bike speichern.

Für bis zu neun Videos ist hier Platz, danach werden diese ersetzt, wenn man sie nicht vorher auf sein Smartphone sichert. Die Funktion der stetigen Aufzeichnung lässt allerdings Datenschützer den Zeigefinger heben, denn man könnte so auch Details aufnehmen, die eventuell nicht erwünscht oder erlaubt sind.

Zwar hat Greyp die Kameras mit LEDs versehen, die vorne weiß und hinten rot leuchten und so als Tagfahr- bzw. Rücklicht taugen, aber das Frontlicht von Busch + Müller leuchtet indes kaum heller. Nachtfahrten werden so eher nicht für Spaß sorgen. Es gibt da draußen viel hellere LED-Lampen heutzutage, die dann noch mit Fernlichtfunktion aufwarten und so besser geeignet wären.

Wenigstens hat man eine richtige Bremslichtfunktion per Schalter in den Bremshebeln realisiert, die im Test gut funktioniert hat. Auf eine Klingel hat Greyp verzichtet. Nicht einmal eine elektronische Glocke steht über das voll vernetzte Pedelec zur Verfügung, wie man es vielleicht vom VanMoof E-Bike her kennt.

Wie dieses kann man das Greyp E-Bike aber auch aus der Ferne per App steuern und unter anderem per “Kill Switch” auch lahm legen. Natürlich ist auch eine Trackingfunktion integriert, so dass man immer weiß, wo sein T_Five aktuell ist und eine Alarmfunktion, falls es unbefugt bewegt wurde. Auch das Anzeigen der Kamerabilder aus der Entfernung ist per App möglich.

Die Technik hat aber auch Schattenseiten: Schon beim E-MTB haben wir die Vielzahl an Kabeln bemängelt, die sich nicht nur vor dem Lenker tummeln. Hier hätten wir von den Ingenieuren eine bessere Integration derselben erwartet, denn die exponierte Lage könnte sich doch irgendwann als Fehlerquelle erweisen. Bei uns im Test hat allerdings alles wie gewünscht funktioniert.

PRO
  • nominal starker Motor
  • große Batterie (mit USB-Port)
  • Steuerung per Herzfrequenz
  • stabiler Rahmen
  • gute Verarbeitung
  • passende Kettenschaltung
  • kräftige Bremsen (mit Bremslicht)
  • gute Federgabel
  • ergonomische Kontaktpunkte
  • Konnektivität & Funktionalität
  • Kameras integriert
  • kräftiger Gepäckträger (25 kg Zuladung)
  • zwei Montagepunkte für Getränkehalter
  • stabile Schutzbleche
  • nahezu komplette Ausstattung
CONTRA
  • mit 27 kg recht schwer
  • keine absenkbare Sattelstütze
  • keine Klingel
  • Speichenmagnet

Greyp T5.2 2022

Motor: MPF Drive 6.0c customized firmware, 250 W, 90 Nm
Batterie: Greyp custom, 700 Wh
Display: TFT, 3″, transflective
Rahmen: Greyp T5 AL6066
Gabel: Rock Shox 35 Gold RL, 100 mm
Schaltung: Sram GX, 1×12
Bremsen: Formula Cura, 203/180 mm v/h
Kurbelgarnitur: Greyp custom, 170 mm
Vorbau: Greyp custom, 50mm, CIM integrated (Central Intelligence Module)
Sattelstütze: Aluminium, starr
Sattel: Selle Royal Essenza+
Laufräder: Black Jack Ready 25, 29″
Reifen: Schwalbe G-One Allround
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 5.499 EUR

Transparenzhinweis: Das Greyp T5.2 wurde uns seitens der Greyp Bikes d.o.o. für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.

Bilder: s. Kennz.