Positionspapier sieht China als systemischen Wettbewerber und plädiert für offenen Handel bei konsequenter Durchsetzung der EU-Handelsregeln
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ZIV – Die Fahrradindustrie fordert angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks aus China schnellere Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken. In einem am 6. Oktober 2026 veröffentlichten Positionspapier beschreibt der Verband China als „systemischen Wettbewerber“ und spricht sich zugleich für offenen Handel und eine konsequente Anwendung bestehender Regeln aus.

China ist mit jährlich rund 70 bis 80 Millionen produzierten Fahrrädern der weltweit größte Fahrradhersteller. Zum Vergleich: In Deutschland werden laut ZIV-Marktdaten rund 2 Millionen Fahrräder pro Jahr produziert. Gleichzeitig sind europäische Hersteller insbesondere bei Rahmen und Komponenten in erheblichem Umfang auf chinesische Zulieferungen angewiesen. Nach Einschätzung des ZIV nimmt der Warendruck aus China zu. Dieser habe zunächst vor allem Komponenten betroffen, zunehmend aber auch komplette Fahrzeuge.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen

Der Verband führt die Entwicklung unter anderem auf die langfristig ausgerichtete chinesische Industriepolitik zurück. Chinesische Unternehmen profitierten demnach von günstigen Finanzierungen, steuerlichen Vorteilen und Subventionen. Bei zentralen Komponenten wie Motoren und Batterien würden laut EU-Kommission teilweise nicht marktkonforme Preise angeboten.

Auch die strategischen Ziele Chinas sieht der ZIV kritisch. Im 14. Fünfjahresplan der staatsnahen China Bicycle Association sei als Ziel formuliert, die chinesische Fahrradindustrie bis 2035 „zur vorherrschenden Macht auf dem internationalen Markt“ zu machen.

„Es ist Zeit, Naivität abzulegen“, sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV. Fairer Wettbewerb sei keine Selbstverständlichkeit und müsse aktiv gestaltet und erhalten werden. Dazu gehöre ein klarer europäischer Fußabdruck in der Wertschöpfungskette ebenso wie die Sicherstellung der Einhaltung der geltenden Regeln durch EU und Bundesregierung.

Burkhard Stork vom Zweirad-Industrie-Verband; Bild: ZIV / Dirk Michael Deckbar

Auch die Klimabilanz spielt eine Rolle

Der ZIV verweist zudem auf Unterschiede beim CO₂-Fußabdruck. Die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes in China weist demnach einen um 52 bis 66 Prozent höheren CO₂-Fußabdruck auf als die Produktion in Europa. Damit produziere die europäische Industrie die klimafreundlichere Variante, ohne daraus bislang einen entsprechenden wirtschaftlichen Vorteil ziehen zu können.

„Es geht darum, gleiche Bedingungen zu schaffen, damit Qualität und Verantwortung über den Markterfolg entscheiden statt einseitiger Subventionen“, erklärt Stork.

ZIV fordert weitere Maßnahmen

Die bestehenden Antidumping- und Ausgleichszölle der EU leisten nach Einschätzung des Verbands einen wichtigen Beitrag, stoßen aufgrund komplexer Lieferketten jedoch an Grenzen und würden teilweise umgangen.

Der ZIV fordert deshalb unter anderem zu prüfen, ob Antidumping-Maßnahmen auf die Komponentenebene ausgeweitet werden können. Darüber hinaus spricht sich der Verband für eine Weiterentwicklung technischer Regulierungen und stärkere Koalitionen auf europäischer Ebene aus.

Eine Herkunftskennzeichnung oder ein „Made in Europe“-Ansatz könnte nach Ansicht des ZIV zusätzlich dazu beitragen, Qualitäts- und Klimavorteile europäischer Produktion für Verbraucher sichtbar zu machen.

Hier kann das Positionspapier heruntergeladen werden: https://www.ziv-zweirad.de/wp-content/uploads/2026/09/China-als-systemischer-Wettbewerber-der-Fahrradindustrie.pdf