Nur einen Tag nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist eine Investorenlösung gefunden. Die Marken Winora und Haibike sollen in Sennfeld weitergeführt werden. Allerdings fallen 73 Arbeitsplätze weg.
3 min Lesezeit

Für die Winora Staiger GmbH gibt es eine überraschende Wendung im gerade eröffneten Insolvenzverfahren: Die Bike Tree GmbH übernimmt wesentliche Vermögenswerte des Fahrradherstellers und plant, den Geschäftsbetrieb am Standort Sennfeld fortzuführen. Der Kaufvertrag wurde am 29. Oktober 2026 unterzeichnet – am selben Tag, an dem das Amtsgericht Schweinfurt das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung offiziell eröffnete.

Bei Bike Tree handelt es sich um ein Unternehmen der Tri Star-Gruppe beziehungsweise DuTech mit Sitz in Singapur. Unterzeichnet wurde der Kaufvertrag als sogenannter Asset Deal von Bike-Tree-Geschäftsführer Lei Chen und Winora-Geschäftsführer Joost van Schaik. Der Vollzug der Transaktion steht noch unter den üblichen Bedingungen und ist für Anfang November vorgesehen.

Winora und Haibike bleiben erhalten

Gegenstand der Übernahme sind insbesondere die Markenrechte an WINORA und HAIBIKE, die Warenbestände, ausgewählte Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie das technische und kaufmännische Know-how.

Bild: Klemens König

Bike Tree beabsichtigt, beide Marken weiterzuentwickeln und den Geschäftsbetrieb in Sennfeld fortzuführen. Dabei soll das Unternehmen auch auf die Erfahrung und das internationale Netzwerk der Tri Star Technology Group in der Fahrradbranche zurückgreifen.

Damit zeichnet sich für zwei traditionsreiche Fahrradmarken eine Perspektive außerhalb der bisherigen Accell-Strukturen ab. Die Übernahme betrifft allerdings nicht die gesamte Winora Staiger GmbH als Gesellschaft, sondern wesentliche Vermögenswerte im Rahmen eines Asset Deals.

73 Arbeitsplätze fallen weg

Die Fortführung in Sennfeld ist mit einem deutlichen Personalabbau verbunden. Von ursprünglich 187 Beschäftigten sollen 87 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen werden. Damit gehen 73 weitere Arbeitsplätze verloren. Die Differenz zu den ursprünglich 187 Beschäftigten erklärt sich laut Pressemitteilung durch Eigenkündigungen und sonstige Austritte während des bisherigen Verfahrens.

Der Stellenabbau soll auf Grundlage eines Interessenausgleichs in Abstimmung mit dem Betriebsrat umgesetzt werden. Die sieben Ausbildungsplätze bleiben erhalten.

Joost van Schaik bedauerte in der Mitteilung ausdrücklich, dass sich das Unternehmen von zahlreichen Beschäftigten trennen müsse:

Auch wenn wir die Fortführung der Winora Staiger GmbH als großen Erfolg betrachten dürfen, so bedauere ich es, dass wir uns von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen trennen müssen. Wir haben uns hier immer als große Familie mit enormem Teamgeist verstanden. Ich wünsche allen Betroffenen, dass sie schnell eine neue Anstellung und eine gute berufliche Perspektive finden.Joost van Schaik

Eigenverwaltung und internationaler Investorenprozess

Der Investorenprozess wurde nach Angaben der beteiligten Sanierungsexperten international aus den Niederlanden gesteuert. Dabei seien zahlreiche Interessenten angesprochen und unterschiedliche Fortführungsoptionen geprüft worden.

Die Geschäftsführung um Joost van Schaik arbeitete während des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens gemeinsam mit dem Team der Kanzlei Grub Brugger unter Führung des Sanierungsexperten Martin Mucha an einer Lösung für Winora Staiger.

Dem Abschluss der Transaktion haben der vorläufige Gläubigerausschuss und der vorläufige Sachwalter bereits zugestimmt. Als Sachwalter ist Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus von Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen bestellt.

Weitere Insolvenzverfahren bei Ghost und E. Wiener Bike Parts

Die Übernahme betrifft zunächst ausschließlich die wesentlichen Vermögenswerte der Winora Staiger GmbH. Die übrigen deutschen Gesellschaften der Accell Group befinden sich weiterhin in eigenen Restrukturierungsverfahren.

Die Insolvenzverfahren über die Vermögen der Ghost-Bikes GmbH und der Engelbert Wiener Bike Parts GmbH sollen nach Angaben der Pressemitteilung am 1. November 2026 eröffnet werden.

Die Entwicklung bei Winora und Haibike zeigt damit erstmals ein konkretes Ergebnis der angestrebten Herauslösung der deutschen Aktivitäten aus der internationalen Accell Group. Während die beiden Marken und ein Teil der Arbeitsplätze in Sennfeld eine Zukunftsperspektive erhalten, bleibt die weitere Entwicklung der übrigen deutschen Gesellschaften abzuwarten.

Bilder: s. Kennz.