Der Verbund Service und Fahrrad (VSF) sowie die Einkaufskooperation BIKE&CO präzisieren ihre bereits im vergangenen Jahr geäußerte Kritik an unzureichenden Rahmenbedingungen für den Fahrradfachhandel. In einer gemeinsamen Stellungnahme benennen die Verbände nun den Hersteller CUBE als konkretes Beispiel für Probleme bei Montagezeiten und der Abwicklung von Produktrückrufen.
Nach Angaben der Verbände zeigen Auswertungen aus Mitgliedsbetrieben, dass die Montage von CUBE-Fahrrädern im Branchenvergleich einen überdurchschnittlich hohen Zeit- und Kostenaufwand verursacht. Diese Mehrbelastung werde in den bestehenden Konditionen nicht ausreichend berücksichtigt. Der Fachhandel übernehme zwar routinemäßig die Endmontage, technische Kontrolle und Übergabe an die Kundschaft – Leistungen, die maßgeblich für Sicherheit und Qualität seien –, stoße jedoch zunehmend an wirtschaftliche Grenzen.
Konkret beziffert der VSF die Auswirkungen der erhöhten Montagezeiten auf eine durchschnittliche Minderung der Handelsspanne um rund 1,8 Prozentpunkte. Aktuelle Rückrufmaßnahmen führten zusätzlich zu einer weiteren Belastung von etwa 0,6 Prozentpunkten. VSF-Geschäftsführer Uwe Wöll spricht von einem „strukturellen Effekt“, der sich dauerhaft im Betriebsalltag bemerkbar mache und nicht auf Einzelfälle beschränkt sei.
Auch BIKE&CO teilt diese Einschätzung. Geschäftsführer Georg Wagner verweist auf die Situation in den Werkstätten: Überdurchschnittliche Montagezeiten banden qualifiziertes Personal und blockierten Kapazitäten, die im Tagesgeschäft dringend benötigt würden. Fehlende oder unzureichende Vergütung wirke sich damit unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aus.
Ein Rechenbeispiel soll die Dimension verdeutlichen: Bei 250 ausgelieferten Fahrrädern summierten sich die zusätzlichen Montageaufwendungen laut VSF auf rund 12.500 Euro – kalkuliert auf Basis von Selbstkosten, ohne Berücksichtigung des Verkaufswerts der knappen Werkstattkapazitäten. Besonders problematisch werde die Situation bei Rückrufen, da hier trotz klarer gesetzlicher Regelungen häufig Kosten beim Handel verblieben, während Hersteller diese in der Regel weiterreichen könnten, etwa an Versicherungen oder Zulieferer.
Vor diesem Hintergrund regen VSF und BIKE&CO an, Montagevorgaben, Rückrufprozesse und Vergütungsmodelle gemeinsam mit den Herstellern weiterzuentwickeln. Als Referenz nennen die Verbände unter anderem die branchenweite Arbeitswerteliste sowie den Leitfaden zu Lieferverträgen von ZIV und VSF. Ziel seien praktikable und wirtschaftlich tragfähige Lösungen, die Planungssicherheit für Handel und Hersteller gleichermaßen schaffen und die Leistungsfähigkeit der gesamten Wertschöpfungskette sichern.





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