Der Switch zum neuesten Avinox-System katapultiert die Serie an die Spitze aktueller FullPower-E-MTBs im Markt.
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Der Full-Power-Markt ist umkämpft wie kaum ein anderes Segment im E-MTB-Bereich. Wer hier mit einer Neuentwicklung antreten will, muss entweder einen klaren technischen Vorsprung mitbringen oder ein System vorstellen, das über die übliche Zusammenstellung von Komponenten hinausgeht. Raymon macht 2026 mit dem Tarok einen ambitionierten Vorstoß: Das Bike wurde nicht um ein vorhandenes Antriebssystem herum konstruiert, sondern gemeinsam mit dem Motorhersteller Avinox als Einheit entwickelt. Rahmen, Antrieb, Fahrwerk und Akku sollen dabei nicht als Summe ihrer Teile funktionieren, sondern als aufeinander abgestimmtes Gesamtsystem. Das klingt zunächst nach Marketing-Rhetorik, doch im Falle des Tarok steckt dahinter ein handfester Ansatz: Die Zellchemie des Akkus wurde spezifisch auf das Anforderungsprofil des brandneuen M2S-Motors abgestimmt, die Hinterbaukinematik gemeinsam mit dem Dämpfer-Setup entwickelt und der Rahmen auf die Lastfälle der Kategorie 4 ausgelegt. Ob sich dieser Systemgedanke im Fahrgefühl niederschlägt, wird sich auf dem Trail zeigen. Was die Datenblätter und Konstruktionsdetails versprechen, lässt sich jedoch bereits jetzt eingehend analysieren.

Raymon Tarok 2026 in der Übersicht

Raymon bietet den Tarok in vier Ausstattungsvarianten an. Das Prinzip ist dabei klassisch: Die Plattform bleibt identisch, während Motor, Komponenten und Rahmenmaterial nach oben hin aufgewertet werden.

Raymon Tarok 2026

Entscheidend für das Verständnis der Modellhierarchie ist, dass die drei Topmodelle – Tarok Ultimate, Ultra und Pro – serienmäßig mit dem stärkeren Avinox M2S-Antrieb ausgestattet sind, während das Tarok Comp den etwas weniger leistungsfähigen M2-Motor erhält.

Ebenfalls bemerkenswert: Beim Comp setzt Raymon auf einen Hybridrahmen aus Carbon-Hauptrahmen und Aluminium-Hinterbau, was den günstigeren Einstiegspreis erklärt, ohne die grundlegende Fahrwerkscharakteristik der Plattform zu verändern.

Alle vier Modelle teilen denselben 700-Wh-Akku, die gleiche Geometrie und das Mullet-Setup mit 29″-Vorderrad und 27,5″-Hinterrad. Auch die Schnellladefähigkeit ist plattformweit verfügbar – beim Ultimate und Ultra gehört das 12A-Premium-Ladegerät zum Lieferumfang, während Pro und Comp das günstigere 4A-Standardgerät erhalten. Das schnelle Laden ist auf Wunsch nachrüstbar.

Rahmen & Geometrie

Der Rahmen des Tarok basiert auf einer als HSC-Carbon bezeichneten Konstruktion und wiegt laut Hersteller rund 2,4 Kilogramm. Das ist ein konkurrenzfähiger Wert im Full-Power-Segment, wo Rahmengewichte häufig durch die Integration großer Akkueinheiten steigen.

Raymon hat den 700-Wh-Akku fest im Unterrohr verbaut und damit auf Wechselmöglichkeit verzichtet – eine Entscheidung, die zum Gewicht beiträgt, aber auch die Rahmensteifigkeit erhöht und den Schwerpunkt zentral und tief positioniert.

Geometrie Raymon Tarok 2026
RahmengrößeSMLXL
Oberrohr (mm)572593620647
Steuerrohr (mm)115115125135
Lenkwinkel (°)64646464
Sitzrohr (mm)400420440460
Sitzwinkel (°)78,377,977,577,3
Kettenstrebe (mm)445445445445
BB Drop (mm)19191919
Reach (mm)435456480505
Stack (mm)642642651660
Radstand (mm)1223124412721302

Der 64°-Lenkwinkel ist über alle Größen identisch und ordnet das Tarok klar im modernen Enduro-Bereich ein: satt genug für flüssige Highspeed-Passagen und technische Abfahrten, ohne die Wendigkeit auf engeren Trails zu opfern.

Bemerkenswert ist das Stack-to-Reach-Verhältnis: Der Stack von 642 mm in den kleineren Größen (S/M) ist bei einem Reach von 435 bzw. 456 mm eher hoch, was auf eine aufrechte Sitzposition hindeutet und für viele Fahrer ohne zusätzliche Steuersatzanpassungen passen dürfte.

Der Sitzwinkel liegt zwischen 77,3° und 78,3°, steil genug für effizientes Bergauftreten, aber nicht so extrem wie bei einigen spezialisierten Trailbikes. Die Kettenstrebe von konstant 445 mm über alle Größen ist eine bewusste Designentscheidung: Sie gibt dem Bike ein einheitliches Lenkverhalten und hält das Hinterrad agil positioniert, dürfte aber in Größe XL gegenüber individuell skalierten Ketten­streben etwas weniger Laufruhe bieten.

Der BB Drop von 19 mm lässt den Schwerpunkt tief, ohne das Tretlager übermäßig dem Bodenkontakt auszusetzen. Insgesamt ergibt die Geometrie ein Profil, das auf Bergab-Performance optimiert ist, aber durch die steilen Sitzwinkel auch für längere Uphills funktional bleibt.

Motor & Akku

Im Zentrum des Tarok steht der Avinox M2S-Antrieb, der in den drei oberen Modellvarianten verbaut wird. Mit 150 Nm Drehmoment und bis zu 1.500 Watt Spitzenleistung im Boost-Modus liegt er im oberen Bereich des derzeitigen Marktangebots.

Avinox M2S

Avinox gibt die maximale Unterstützungsrate mit bis zu 800 Prozent an – ein Wert, der die Feindosierbarkeit des Systems unterstreicht, aber vor allem in langsamen, technischen Passagen relevant wird, wo präzise Kraftabgabe über Grip und Traktion entscheidet.

Das Einstiegsmodell Tarok Comp erhält den Avinox M2 mit 125 Nm und 1.100 Watt, was immer noch eine solide Leistungsklasse darstellt.

Der plattformweit einheitliche FP700-Akku mit nominell 700 Wh verwendet eine neu entwickelte Zellchemie mit einer Energiedichte von bis zu 222 Wh/kg. Raymon betont, dass die Kombination aus Akku und Motor einen höheren effektiven Output ermögliche als klassische 800-Wh-Lösungen, ein Argument, das auf die Entladeleistung und Thermostabilität unter Last abzielt.

Im Vergleich zu einem konventionellen 800-Wh-Akku ist der FP700 mit 3,1 kg deutlich leichter. Das trägt direkt zum niedrigen Systemgewicht bei, das beim Tarok Ultimate mit 20,4 kg seinen Tiefpunkt erreicht.

Für das Laden bietet Raymon zwei Optionen: das Standard-4A-Ladegerät (Ladezeit ca. 5 Stunden) und das Premium-12A-Schnellladegerät, das 0 auf 80 Prozent in rund 1 Stunde 25 Minuten schafft. Beide Varianten sind IPX3-wassergeschützt.

Der Systemansatz ist entscheidend: Erst die Kombination aus M2S-Antrieb und FP700-Akku ermöglicht die vollständige Entfaltung der Performance bei gleichzeitig reduziertem Gewicht.Raymon-Philosophie

Fahrwerk & Ausstattung

160 mm Federweg vorne und 150 mm hinten im Mullet-Setup sind eine klassisch Enduro-orientierte Konfiguration. Raymon gibt dem Tarok dabei keine neutrale Fahrwerksabstimmung mit, denn die Hinterbaukinematik soll bewusst mit einem sensiblen Ansprechverhalten zu Beginn des Federwegs und zunehmendem Support in der Mitte kombiniert werden.

Das zielt auf ein Fahrverhalten ab, das kleine Stöße gut filtert, beim Anbremsen in Kurven aber ausreichend Gegenhalt bietet. Ob der gelungene Spagat zwischen Komfort und Kontrolle gelingt, hängt letztlich von der Feinabstimmung zwischen Kinematik und dem jeweiligen Dämpfer-Tune ab. Raymon gibt an, beides aufeinander abgestimmt zu haben.

Das Topmodell Tarok Ultimate setzt auf die Kombination aus Fox 36 Float Factory Gabel (160 mm) und Fox Float X Factory Dämpfer, ein bewährtes Duo aus dem oberen Regal der Fahrwerkskomponenenten.

Das Tarok Ultra erhält RockShox Lyrik Select+ und Super Deluxe Select, das Pro RockShox Psylo Gold RC und Deluxe Select, das Comp RockShox Psylo Silver RC und Deluxe Select. Über alle Modelle hinweg bleiben die Federwegsmaße konstant.

Bei der Schaltung setzt Raymon auf zwei unterschiedliche Philosophien: Die oberen Modelle Ultimate und Ultra erhalten SRAM-Transmission-Antriebe (X0 AXS bzw. S1000 AXS), die ohne herkömmliches Schaltauge auskommen und für ihre Schaltsicherheit unter Last bekannt sind.

Das Pro-Modell wechselt zu Shimano Deore XT LinkGlide, das Comp zu Shimano Cues LG, beide Systeme ebenfalls auf Langlebigkeit und sicheres Schalten unter Pedaldruck ausgelegt. Die Smooth-Shift-Funktion, die Gangwechsel ohne Pedalbewegung ermöglicht, ist ausgewählten Modellen vorbehalten und reduziert den Verschleiß in technischen Situationen.

Beim Bremssystem vertraut Raymon durchgängig auf Vierkolben-Hydraulikbremsen: SRAM Maven Silver (Ultimate), Magura Gustav Elite (Ultra), Shimano Deore 4-Piston (Pro) und Tektro Orion M6041 (Comp). Alle Topmodelle werden mit Continental Kryptotal-Reifen ausgestattet, die für ihre robuste Karkasse und guten Grip auf anspruchsvollen Untergründen bekannt sind.

Beim Cockpit und der Konnektivität setzt Raymon auf ein ebenfalls neues, integriertes 2-Zoll-OLED-Touchdisplay mit automatischer Helligkeitsanpassung sowie App-Anbindung mit GPS-Tracking und digitaler Diebstahlsicherung.

LTE-Konnektivität ermöglicht eine permanente Vernetzung. Das Ultimate und Ultra kommen mit dem Avinox DP100 Connected-Display mit USB-C-Anschluss, das Comp mit dem Avinox DPC100 inklusive FindMy-Funktion.

Modellübersicht

Raymon Tarok Ultimate 2026

Raymon Tarok Ultimate 2026

Raymon Tarok Ultimate 2026

Motor: Avinox M2S, 1.500 W (Peak), 150 Nm
Batterie: Avinox HighPower, 700 Wh
Display: Avinox DP100, connected, USB-C
Rahmen: HSC Carbon, 150 mm
Gabel: Fox 36 Float Factory, air, 160 mm
Dämpfer: Fox Float X Factory
Schaltung: Sram X0 AXS, Transmission, 1×12
Bremsen: Sram Maven Silver, 4-Piston, hydr. disc brake, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: Carbon cranks
Vorbau: n/a
Sattelstütze: Fox Transfer Factory
Sattel: Raymon CO30, Carbon
Laufräder: Carbon stealth
Reifen: Continental Kryptotal
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 9.999 EUR

Raymon Tarok Ultra 2026

Raymon Tarok Ultra 2026

Raymon Tarok Ultra 2026

Motor: Avinox M2S, 1.500 W (Peak), 150 Nm
Batterie: Avinox HighPower, 700 Wh
Display: Avinox DP100, connected, USB-C
Rahmen: HSC Carbon, 150 mm
Gabel: RockShox Lyrik Select +, air, 160 mm
Dämpfer: RockShox Super Deluxe Select
Schaltung: Sram S1000 AXS, Transmission, 1×12
Bremsen: Magura Gustav Elite, 4-Piston, hydr. disc brake, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: Raymon dropper
Sattel: n/a
Laufräder: DT Swiss H1900
Reifen: Continental Kryptotal
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 7.499 EUR

Raymon Tarok Pro 2026

Raymon Tarok Pro 2026

Raymon Tarok Pro 2026

Motor: Avinox M2S, 1.500 W (Peak), 150 Nm
Batterie: Avinox HighPower, 700 Wh
Display: Avinox DP100, connected, USB-C
Rahmen: HSC Carbon, 150 mm
Gabel: RockShox Psylo Gold RC, air, 160 mm
Dämpfer: RockShox Deluxe Select
Schaltung: Shimano Deore XT LG, 1×11
Bremsen: Shimano Deore, 4-Piston, hydr. disc brake, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: Raymon dropper
Sattel: n/a
Laufräder: n/a
Reifen: Continental Kryptotal
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 5.999 EUR

Raymon Tarok Comp 2026

Raymon Tarok Comp 2026

Raymon Tarok Comp 2026

Motor: Avinox M2, 1.100 W (Peak), 125 Nm
Batterie: Avinox HighPower, 700 Wh
Display: Avinox DPC100, FindMy
Rahmen: HSC Carbon/AL61-T6, 150 mm
Gabel: RockShox Psylo Silver RC, air, 160 mm
Dämpfer: RockShox Deluxe Select
Schaltung: Shimano Cues LG, 1×11
Bremsen: Tektro Orion M6041, 4-Piston, hydr. disc brake, 203 mm v/h
Kurbelgarnitur: n/a
Vorbau: n/a
Sattelstütze: Raymon dropper
Sattel: n/a
Laufräder: n/a
Reifen: Schwalbe Nobby Nic
Gewicht: n/a
zul. Gesamtgewicht: n/a
Preis: 4.999 EUR

Fazit

Das Raymon Tarok ist ein technisch kohärenter Ansatz im FullPower-Segment, das sich durch die enge Verzahnung von Antrieb und Rahmen von reinen Komponenten-Zusammenstellungen abheben soll. Die Kombination aus niedrigem Systemgewicht, hoher Motorleistung und einer Enduro-orientierten Geometrie mit 64° Lenkwinkel ergibt auf dem Papier ein Bike, das breite Einsatzbereiche vom langen Uphill bis zur technischen Abfahrt abdeckt. Die konstanten Kettenstreben über alle Rahmengrößen sowie die durchgängig steile Sitzgeometrie sind Designentscheidungen, die eine klare Prioritätensetzung erkennen lassen. Offen bleibt, wie sich die Avinox-Plattform unter realen Bedingungen gegen etablierte Antriebshersteller behauptet, insbesondere hinsichtlich Langzeitverschleiß, Softwarequalität und Serviceverfügbarkeit. Die Preisstruktur von 4.999 bis 9.999 Euro ist für das gebotene Leistungsniveau marktgerecht, wobei das Tarok Pro mit 5.999 Euro und dem M2S-Antrieb als möglicherweise stärkstes Preis-Leistungs-Argument der Palette erscheint. Für Fahrer, die ein systemisch durchdachtes FullPower-E-MTB mit niedrigem Gewicht und Enduro-tauglicher Geometrie suchen, ist das Tarok augenscheinlich eine ernstzunehmende Option. Wir sind schon gespannt auf einen ausgiebigen Test.

Raymon Tarok 2026

Alle weiteren Details findet man auf der Website von Raymon Bicycles.

Quelle: PM Raymon
Bilder: Raymon