Französischer Wasserstoff-Spezialist in der Insolvenz – Probleme des Konzepts waren seit Jahren absehbar
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Der französische Wasserstoff-Spezialist Pragma Industries steht offenbar vor dem Aus. Wie Jean-Marc Remise, Programm- und Industrie-Direktor bei Pragma Industries, in einem Beitrag auf LinkedIn mitteilte, wurde über das Unternehmen ein gerichtliches Liquidationsverfahren eingeleitet. Als Gründe nennt er wirtschaftliche Unsicherheiten sowie das sich zuletzt deutlich verschlechternde wirtschaftliche Umfeld in Frankreich, das bereits mehrere Wasserstoff-Unternehmen unter Druck gesetzt habe.

Demnach bemüht sich CEO Pierre Forté weiterhin um Investoren oder Käufer, um den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Ob dies gelingt, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Pragma Industries hatte sich über Jahre auf wasserstoffbetriebene Fahrräder und leichte Mobilitätslösungen spezialisiert. Bekannt wurde das Unternehmen insbesondere durch Brennstoffzellen-Fahrräder, die statt eines klassischen Akkus mit Wasserstoffkartuschen betrieben wurden. Bereits früh positionierte sich Pragma als Alternative zu herkömmlichen E-Bikes mit Lithium-Ionen-Akku.

Bild: Gitane / Cycleurope

Allerdings zeigte sich schon vor über einem Jahrzehnt, dass das zugrunde liegende Konzept erhebliche strukturelle Schwächen besitzt. Bereits 2013 wurde deutlich, dass Wasserstoff-Fahrräder vor allem an der fehlenden Infrastruktur scheitern könnten. Während sich Akkus praktisch überall laden lassen – zu Hause, am Arbeitsplatz oder unterwegs – benötigt ein Wasserstoffsystem spezielle Tankmöglichkeiten, Logistik und Sicherheitskonzepte. Genau diese Infrastruktur existierte im Fahrradbereich praktisch nie.

Zwischen 2013 und 2015 erlebte das Thema Wasserstoff-E-Bike dennoch einen kleinen Boom. Mehrere Unternehmen präsentierten Prototypen oder seriennahe Modelle, darunter auch Industriekonzern Linde mit einem eigenen Wasserstoff-E-Bike-Konzept. Viele dieser Projekte verschwanden jedoch nach kurzer Zeit wieder vom Markt oder wurden nicht weiterentwickelt. Die hohen Systemkosten, die komplexe Versorgung mit Wasserstoff und die fehlende Alltagstauglichkeit verhinderten eine breitere Verbreitung.

Wasserstoff E-Bike; Bild: The Linde Group

Als einer der wenigen verbliebenen Anbieter gilt heute noch das Youon von Wandaa. Das Konzept setzt auf einen eigenen Wasserstoffgenerator für zu Hause, wodurch Nutzer ihren Wasserstoff selbst erzeugen können. Allerdings bleibt auch dieses System insgesamt teuer und aufwendig – insbesondere im direkten Vergleich mit klassischen E-Bikes, die sich unkompliziert und kostengünstig mit Strom aus der heimischen Photovoltaikanlage laden lassen, ohne den Umweg der Wasserstofferzeugung.

Youon Y800; Bild: Wandaa

Hinzu kommen weitere Nachteile: Die Herstellung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff ist energieintensiv und teuer. Für kleine Fahrzeuge wie E-Bikes erwies sich der technische Aufwand gegenüber modernen Akku-Systemen als unverhältnismäßig hoch. Gleichzeitig entwickelten sich Lithium-Ionen-Akkus in den vergangenen Jahren rasant weiter – mit größeren Reichweiten, kürzeren Ladezeiten und sinkenden Kosten.

Auch wirtschaftlich blieb das Modell schwierig. Wasserstoff-Fahrräder bewegten sich meist in Nischenanwendungen wie Sharing-Flotten oder kommunalen Projekten. Für Privatkunden fehlten dagegen sowohl die Infrastruktur als auch ein überzeugender Kosten-Nutzen-Vorteil gegenüber etablierten E-Bikes.

Die aktuelle Entwicklung bei Pragma Industries unterstreicht damit erneut ein Grundproblem vieler Wasserstoff-Mobilitätsprojekte im Leichtfahrzeugbereich: Ohne flächendeckende Verfügbarkeit des Energieträgers bleibt die Technologie im Alltag kaum konkurrenzfähig. Während Wasserstoff in bestimmten Industrie- oder Schwerlastanwendungen weiterhin Potenzial besitzt, konnte sich das Konzept bei Fahrrädern und leichten E-Mobilitätslösungen bislang nicht nachhaltig etablieren.

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