Die jüngst angekündigten Personalabbaupläne beim Fahrradhersteller Canyon sorgen für deutliche Reaktionen. Nachdem Unternehmensgründer und Executive Chairman Roman Arnold noch vor wenigen Wochen öffentlich ambitionierte Umsatzziele formuliert und Canyon im Branchenvergleich als vergleichsweise stabil positioniert hatte, wirkt der nun geplante Stellenabbau für viele Beobachter überraschend. Wie berichtet, plant Canyon an seinen Kernstandorten den Abbau von bis zu 320 Stellen – ein Einschnitt, der in einem spürbaren Spannungsverhältnis zu den zuvor kommunizierten Wachstumsambitionen steht.
Arnold hatte zuletzt unter anderem in internationalen und branchenspezifischen Interviews betont, Canyon habe die Marktkorrektur nach dem Fahrradboom besser als viele Wettbewerber bewältigt und halte mittelfristig einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro für erreichbar. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen jedoch eine Anpassung seiner Organisations- und Kostenstruktur an, um auf das aktuell schwierige Marktumfeld mit Überkapazitäten, Preisdruck und zurückhaltender Nachfrage zu reagieren. Der massive Stellenabbau ist offensichtlich Teil dieser Neuausrichtung.
Vor diesem Hintergrund meldet sich jetzt auch die Arbeitnehmervertretung zu Wort. Die IG Metall Koblenz nimmt in einer aktuellen Stellungnahme kritisch zu den angekündigten Maßnahmen Stellung und stellt insbesondere Umfang, Zielsetzung und regionale Auswirkungen der geplanten Personalkürzungen infrage. Dabei erkennt die Gewerkschaft zwar den Anpassungsdruck in der Branche an, sieht die Notwendigkeit des Abbaus in der genannten Größenordnung jedoch noch nicht belegt.
Im Folgenden dokumentieren wir die Stellungnahme der IG Metall zu den Personalabbauplänen bei Canyon vollständig.
Personalabbaupläne bei CANYON – IG Metall nimmt Stellung |
Nach der Ankündigung eines Personalabbaus durch die Geschäftsführung von Canyon, nimmt die IG Metall wie folgt Stellung:
„Die IG Metall Koblenz nimmt die Stellenabbaupläne von Canyon zur Kenntnis. Uns ist bewusst, dass die Branche Überkapazitäten hat und ein gewisser Anpassungsdruck vorhanden ist. Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass der genannte geplante Abbau in dieser Höhe notwendig ist.“ so Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. „Es ist gut, dass der Gründer und aktuelle Executive Chairman von Canyon, Roman Arnold, sich zu seiner Heimat und damit zum Standort Koblenz bekennt. Dennoch soll gerade hier in unserer Region jeder vierte Arbeitsplatz bei Canyon wegfallen. Wir unterstützen grundsätzlich alle Unternehmen in unserer Region dabei, wettbewerbsfähig zu sein und flexibel am Markt zu agieren. Dazu müssen wir zunächst wissen, welche Ziele genau mit der Maßnahme verbunden sind. Geht es um Renditeziele, oder darum Canyon auf die aktuellen und erwartbaren Marktbedingungen einzustellen.“
Markus Friedel, Erschließungssekretär und IG Metall Betreuer bei Canyon: „Im nächsten Schritt werden wir die Pläne gemeinsam mit dem Betriebsrat besprechen. Wir müssen wissen, wie die Zahl der 320 Stellen zustande kommt und welche Bereiche betroffen sein sollen. Unser Ziel wird es sein, Alternativen zum Personalabbau und Perspektiven für die betroffenen Beschäftigten zu entwickeln.“
In der kommenden Woche findet auf Einladung des Betriebsrates, eine Betriebsversammlung für den gesamten Standort Koblenz statt. Danach werden sich der Betriebsrat und die IG Metall gemeinsam öffentlich äußern und zu einem Pressegespräch einladen.
Canyon Bicycles ist ein führender deutscher Fahrradhersteller mit Sitz in Koblenz. Das Unternehmen setzt seit Jahren Maßstäbe in der Fahrradbranche, die hochwertigen Fahrräder wurden bisher im Direktvertrieb angeboten. Canyon hat aktuell ca. 1200 Beschäftigte in der Region Koblenz.
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