Wie Diamant E-Bikes gestaltet, bei denen Technik im Hintergrund bleibt, Nachhaltigkeit mitgedacht wird und funktionale Details den Alltag erleichtern sollen.
3 min Lesezeit

Bei der Gestaltung moderner E-Bikes steht Diamant nach eigenen Angaben vor einer besonderen Aufgabe: Trotz leistungsfähiger Antriebe und umfangreicher Elektronik soll das Fahrrad seinen klassischen Charakter behalten. Für Design Lead Hilmar Meyer steht deshalb nicht die technische Inszenierung im Mittelpunkt, sondern eine möglichst selbstverständliche Integration der Komponenten.

Technik soll sich zurücknehmen

„Technik darf das Fahrrad nicht überlagern“, erklärt Meyer.

Motor, Display und Software sollen möglichst wenig Aufmerksamkeit beanspruchen. Stattdessen gehe es darum, die Leistung eines E-Bikes spürbar zu machen, ohne sie optisch ständig in den Vordergrund zu stellen. Eine gute Integration komplexer Technik könne dazu beitragen, den Charakter eines Fahrrads zu erhalten.

Hilmar Meyer, Design Lead Diamant Rad

Als langfristig relevante Gestaltungsmerkmale nennt Meyer vor allem gute Proportionen, verständliche Funktionen und eine zurückhaltende Formensprache. Sein Begriff dafür lautet „ehrliches Design“. Dazu gehört für ihn auch, Materialien und Konstruktionen so einzusetzen, wie es konstruktiv sinnvoll ist, und den Einsatz von Kunststoff möglichst zu reduzieren.

Funktionale Lösungen aus Einschränkungen

Dass sich Gestaltung und praktische Anforderungen gegenseitig beeinflussen, zeigt das von Diamant als „¾-Eject“ bezeichnete Konzept zur Batterieentnahme. Die Positionierung der Batterie entstand laut Meyer ursprünglich unter Kosten- und Komplexitätsdruck. Daraus entwickelte sich eine Lösung, die das Laden und Herausnehmen erleichtern soll, ohne dass sich Nutzer dafür weit herunterbeugen oder umständlich bewegen müssen.

Diamant Nouma Plus

Auch kleinere Details gehören zum Gestaltungskonzept. Beim Zouma etwa wurde ein Flaschenöffner im Motorprotektor integriert. Solche sogenannten „Easter Eggs“ sollen unter anderem auf Designthemen und die Markengeschichte hinweisen.

Entwicklung in den Niederlanden, Fertigung in Sachsen

Das Design-Team arbeitet im ECO-Office in Harderwijk in den Niederlanden, das sich Diamant mit der Konzernmutter Trek teilt. Dort sind rund 40 Mitarbeitende beschäftigt, etwa 20 davon in der Produktentwicklung. Gefertigt werden die Fahrräder in Hartmannsdorf bei Chemnitz.

Die räumliche Nähe innerhalb derselben Zeitzone erleichtert laut Meyer den Austausch zwischen Entwicklung und Fertigung. Ideen könnten schneller geprüft und Details gemeinsam angepasst werden. Dadurch lasse sich früh beurteilen, welche Lösungen gestalterisch und qualitativ in der Produktion funktionieren.

Nachhaltigkeit als Teil der Gestaltung

Nachhaltigkeit versteht das Design-Team nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als Bestandteil von Entscheidungen über Material, Konstruktion, Reparatur, Nutzung und Lebensdauer. Dazu zählen langlebige Rahmen, ein zugänglicher Service und eine Gestaltung, die nicht schnell aus der Mode kommen soll.

Diamant Suvea Speed

Auch bei den Materialien verfolgt Diamant diesen Ansatz. Im Zusammenhang mit einem neuen Low-Impact-Aluminium nennt das Unternehmen das Ziel, die Emissionen in der Lieferkette bis 2032 gegenüber 2021 um mehr als 30 Prozent zu senken. Aluminium verursacht laut Diamant rund die Hälfte der CO₂-Emissionen bei der Fahrradproduktion. Durch eine veränderte Beschaffung und einen Rahmenpartner, der vollständig mit Wasserkraft produziert, sollen sich die Emissionen der Rahmenproduktion um rund 70 Prozent reduzieren lassen.

Zugänglichkeit gehört zum Design

Neben Optik und Nachhaltigkeit spielt für Meyer auch die Zugänglichkeit eine Rolle. Sicherheit beginne mit Vertrauen, das unter anderem durch Geometrie, Bedienung und Zugänglichkeit entstehe. Als Beispiel nennt er den Tiefeinstieg, der die körperliche Hürde beim Aufsteigen reduzieren und Fahrräder für unterschiedliche Menschen und Lebenssituationen leichter zugänglich machen könne.

Diamant Suvea Speed

Damit verbindet Diamant einen Designansatz, bei dem technische Komponenten möglichst unauffällig integriert werden, während Funktion, Langlebigkeit und Zugänglichkeit stärker in den Vordergrund rücken. Die grundlegende Frage für das Design-Team lautet dabei, welche Gestaltung auch langfristig Bestand haben kann.

Weitere Informationen unter: www.diamantrad.com/de.

Bilder: Diamant Rad