Zwei E-MTB-Plattformen mit neuem 800-Wh-Akku und überarbeiteter Energiespeicher-Technologie
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Mit der Neuauflage der Spectral:ON– und Torque:ON-Modelle bringt Canyon 2026 zwei seiner wichtigsten E-Mountainbike-Plattformen zurück auf den Markt – technisch weitgehend vertraut, nach dem Akku-Desaster im Detail aber entscheidend weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht ein neues Fahrwerk oder ein radikal überarbeiteter Rahmen, sondern ein zentrales Bauteil, das im Alltag über Reichweite, Zuverlässigkeit und Fahrgefühl entscheidet: der Akku (hier die Vorgänger-Variante im Vergleich).

Ein Energiespeicher mit klarer technischer Ausrichtung

Der neue 800-Wh-Akku stammt von Darfon und setzt auf ein vollständig aus Aluminium gefertigtes Gehäuse, inklusive Endkappen. Das ist in dieser Form im E-MTB-Segment noch selten und adressiert ein reales Problem: Akkus sind im harten Offroad-Einsatz permanent Steinschlägen, Verwindungen und Vibrationen ausgesetzt. Ein Metallgehäuse bietet hier einen deutlich besseren Schutz als klassische Kunststoffkonstruktionen.

Zusätzlich sind alle Schnittstellen doppelt abgedichtet, zwei interne Membranen verhindern Kondensation und das Eindringen von Feuchtigkeit. Canyon gibt eine Schutzklasse von IP57 an, also Staubschutz und zeitweilige Wasserbeständigkeit: Werte, die vor allem für Vielfahrer in nassen oder alpinen Regionen relevant sind. Die Zertifizierung durch SGS deutet darauf hin, dass diese Angaben nicht nur auf dem Datenblatt stehen, sondern unter realitätsnahen Bedingungen geprüft wurden.

Im Inneren kommen neue 5,6-Ah-Zellen zum Einsatz. Im Vergleich zu den bisher verbreiteten 5,0-Ah-Zellen lassen sich damit bei gleicher Kapazität weniger Einzelzellen verbauen. Das spart nicht nur Gewicht – der neue Akku ist rund 150 Gramm leichter als der bisherige 900-Wh-Speicher, sondern ermöglicht auch eine kompaktere Bauweise und einen günstigeren Schwerpunkt im Unterrohr.

Laden, Leistung und Praxisnutzen

Das Lademanagement wurde ebenfalls überarbeitet. Über eine CAN-basierte Kommunikation lädt der Akku zunächst schnell bis 80 Prozent und schaltet dann auf eine schonendere, optimierte Ladung für die restlichen 20 Prozent. In der Praxis bedeutet das: Zwei Stunden bis 80 Prozent, fünf Stunden für eine Vollladung – spürbar schneller als bei der Vorgängergeneration.

In Kombination mit dem Shimano-EP801-Motor mit 85 Nm Drehmoment und bis zu 600 Watt Spitzenleistung verspricht Canyon Reichweiten von bis zu 85 Kilometern oder rund 1.900 Höhenmetern. Solche Werte hängen stark vom Fahrstil ab, liegen aber in einer Größenordnung, die auch längere alpine Touren oder mehrere Bikepark-Runs ohne Zwischenladen ermöglicht.

Zwei Bikes, zwei Charaktere

Am grundsätzlichen Charakter der beiden Plattformen hat Canyon nichts verändert, und das ist durchaus als Statement zu verstehen.

Das Spectral:ON bleibt ein vielseitiges Trail-E-Bike. Mit Mullet-Setup, 155 Millimetern Federweg am Heck und 160 Millimetern an der Front ist es auf effizientes Klettern, präzises Kurvenfahren und ein ausgewogenes Handling ausgelegt. Das sogenannte Triple-Phase-Fahrwerk soll kleine Schläge sensibel filtern, ohne bei harten Einschlägen durchzuschlagen – ein Ansatz, der besonders auf langen, technisch abwechslungsreichen Trails Vorteile bringt.

Das Torque:ON zielt deutlich stärker auf den Gravity-Einsatz. 175 Millimeter Heckfederweg und 180 Millimeter an der Gabel sprechen eine klare Sprache: Dieses Bike ist für hohe Geschwindigkeiten, große Sprünge und harte Landungen gebaut. In Kombination mit dem kräftigen Shimano-Antrieb richtet es sich an Fahrerinnen und Fahrer, die Shuttle-ähnliche Bikepark-Runs oder steile Enduro-Lines mit elektrischer Unterstützung fahren wollen.

Marktstart und Einordnung

Ab dem 13. Januar 2026 sind die neuen Modelle über Canyon.com und die Canyon App erhältlich. Die Preisspanne reicht von 3.999 Euro für die CF-7-Varianten bis 5.999 Euro für das Topmodell Spectral:ON CFR. Weitere Ausstattungsvarianten sollen bis März folgen.

Technisch bleibt Canyon damit seiner Linie treu: bewährte Plattformen, kombiniert mit gezielten, aber relevanten Updates. Der neue 800-Wh-Akku ist weniger ein Marketing-Gag als ein klarer Schritt in Richtung Haltbarkeit, Alltagstauglichkeit und besserer Integration. Für Fahrerinnen und Fahrer, die ihre E-MTBs nicht nur auf Forstwegen bewegen, dürfte genau das der entscheidende Fortschritt sein.

Quelle: PM Canyon
Bilder: Canyon