Noch zu Jahresbeginn schien der Blick nach vorn möglich. Nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen 2025 hatten wir berichtet, dass sich der Londoner Traditionshersteller trotz schwieriger Rahmenbedingungen vergleichsweise stabil halte. Nun zeigt sich: Die Erholung verläuft deutlich zäher als erhofft.
Wie unter anderem das manager magazin berichtet, legt Brompton seine Pläne für eine neue Unternehmenszentrale samt Produktionsstätte im südostenglischen Ashford auf unbestimmte Zeit auf Eis. Erst im Januar 2025 hatte der zuständige Planungsausschuss grünes Licht für das Projekt gegeben. Bis zu 2.500 Arbeitsplätze und Investitionen von rund 100 Millionen Pfund standen im Raum.
CEO Will Butler-Adams erklärte gegenüber dem Wirtschaftsmagazin, man sei grundsätzlich bereit für die nächsten Schritte, warte jedoch auf eine „spürbare und nachhaltige Erholung des Marktes“. Das langfristige Interesse an dem Standort bleibe bestehen. Der Zeitpunkt werde jedoch an die Marktdynamik angepasst.
Brompton: Drittes Jahr mit rückläufigem Absatz
Die Zahlen liefern eine Erklärung für diese Zurückhaltung. Im Geschäftsjahr 2024/25 sank der Absatz um 7,5 Prozent auf 78.530 Fahrräder. Das ist der niedrigste Wert seit 2021. Damit verzeichnet Brompton bereits das dritte Jahr in Folge rückläufige Stückzahlen nach dem pandemiebedingten Boom.
Der Umsatz blieb mit 121,5 Millionen Pfund nahezu stabil. Treiber war vor allem die stärkere Nachfrage nach höherpreisigen Modellen. Ertragsseitig bleibt die Situation jedoch angespannt. Nach einem drastischen Gewinneinbruch im Vorjahr fiel der ausgewiesene Gewinn sehr gering aus, während sich der Nettoverlust auf rund 2,1 Millionen Pfund nahezu verdoppelte. Steigende Finanzierungskosten, Investitionen in neue Technologien und Restrukturierungsmaßnahmen belasteten das Ergebnis.
Im Zuge der Anpassungen wurden rund 40 Stellen abgebaut. Die Maßnahmen seien „schmerzhaft, aber notwendig“, um das Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen, so Butler-Adams. Weltweit beschäftigt Brompton derzeit etwa 800 Mitarbeitende.
Produktion bleibt in Großbritannien
Während Wettbewerber wie Canyon Bicycles oder die niederländische Accell Group zuletzt deutliche Einschnitte vornahmen, hält Brompton am Produktionsstandort Großbritannien fest.
Chief Commercial Officer Christoffer Sellin betonte gegenüber der BBC, es sei von „größter Bedeutung“, weiterhin im Vereinigten Königreich zu fertigen. Gerade internationale Kunden, insbesondere in Asien, schätzten die Londoner Herkunft und Handfertigung der Marke.
China als Stabilitätsanker mit Risiken
International bleibt das Unternehmen stark exportorientiert. Rund 80 Prozent der Produktion gehen ins Ausland. Besonders wichtig ist China, das inzwischen mehr als ein Viertel des Umsatzes ausmacht.
Brompton weist im Geschäftsbericht selbst auf die Risiken einer hohen Marktkonzentration hin und versucht gegenzusteuern, unter anderem durch Wachstumsinitiativen in Europa und Japan sowie durch Anzahlungen bei Bestellungen zur Absicherung des Cashflows.
Gleichzeitig sieht das Management in China derzeit stabile Rahmenbedingungen. Butler-Adams sprach in diesem Zusammenhang von „Stabilität“, die für wirtschaftliche Planungssicherheit sorge. Vor dem Hintergrund globaler Handelskonflikte ist diese Einschätzung bemerkenswert. Entsprechend wurden zuletzt US-Standorte geschlossen, während die Präsenz in chinesischen Metropolen ausgebaut wurde.
E-Antrieb, Direktvertrieb und Abo-Modelle
Strategisch reagiert Brompton auf mehreren Ebenen. Der Direktvertrieb trägt inzwischen mehr als ein Viertel zum Umsatz bei, ohne den Fachhandel grundsätzlich infrage zu stellen. Parallel wächst das Abo- und Mietgeschäft deutlich. Mehr als 30.000 Kundinnen und Kunden nutzen entsprechende Angebote, vor allem in europäischen Metropolregionen.
Produktseitig verlagert sich die Nachfrage zunehmend auf hochwertige elektrische Modelle. Seit Ende 2025 sind mehrere Linien mit einem überarbeiteten Antriebssystem ausgestattet. Zudem soll die neue G Line zusätzliche Impulse setzen und neue Zielgruppen ansprechen.
Ob diese Maßnahmen ausreichen, um nachhaltig in die Gewinnzone zurückzukehren, bleibt offen. Klar ist jedoch: Der britische Faltradspezialist, der 2025 sein 50-jähriges Bestehen feierte, befindet sich in einer Phase strategischer Konsolidierung mit vorsichtigem Optimismus, aber ohne die expansive Dynamik, die noch vor einem Jahr erwartet wurde.
Mit Informationen vom manager magazin.





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