Leichter Rückgang bei Radreisen; Tagesausflüge und E-Bikes bleiben auf hohem Niveau
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Der Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) hat am 4. März 2026 auf der ITB Berlin die Ergebnisse der ADFC-Radreiseanalyse 2025 vorgestellt. Mehr als 17.300 Menschen beteiligten sich an der repräsentativen Umfrage, die alle zwei Jahre das Radreise- und Ausflugsverhalten in Deutschland untersucht.

Das zentrale Ergebnis: 2025 ist die Zahl der Radreisen und Tagesausflüge mit dem Fahrrad leicht zurückgegangen. Dennoch bleibt das Fahrrad ein bedeutender Faktor im Freizeit- und Tourismusverhalten. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung rund 39,3 Millionen Menschen nutzt das Rad im Urlaub oder in der Freizeit. Hochgerechnet erzielte der Radtourismus 2025 rund 40 Milliarden Euro Umsatz, davon über 12 Milliarden Euro allein durch Tagesausflüge.

Tagesausflüge: Stabil über Vorkrisenniveau

2025 unternahmen 34 Millionen Menschen insgesamt 361 Millionen Tagesausflüge mit dem Fahrrad. Damit bleibt das Niveau hoch, auch wenn die durchschnittliche Zahl der Ausflüge pro Person auf 10,6 sank. Zum Vergleich: Während der Pandemie 2020 waren es 41,6 Millionen Tagesausflügler, 2019 hingegen nur 21,1 Millionen.

Bild: ADFC / April Agentur

Der ADFC sieht darin eine nachhaltige Entwicklung: Viele Menschen, die das Radfahren für Ausflüge in der Pandemie neu entdeckt haben, sind dieser Freizeitform treu geblieben.

Naturerlebnis und Erholung stehen dabei klar im Mittelpunkt. 92,3 Prozent der Befragten geben an, dass Radfahren in der Natur ihnen bei der Erholung hilft. Rund drei Viertel sehen sich als Radfahrende zudem als aktiven Beitrag zum Naturschutz.

Kurzradreisen: Weniger Reisende, höhere Frequenz

4,2 Millionen Menschen unternahmen 2025 insgesamt 7,6 Millionen Kurzradreisen mit ein bis zwei Übernachtungen. Das sind weniger Reisende als 2023, jedoch stieg die Zahl der Reisen pro Person auf durchschnittlich 1,8 (2023: 1,4). Besonders beliebt waren Mai und Juni.

Bild: ADFC / April Agentur

Auffällig ist das spontane Buchungsverhalten: Jede zweite Kurzreise wird kurzfristig entschieden, knapp 23 Prozent sogar erst eine Woche vor Reisebeginn. Wichtigste Inspirationsquelle sind Empfehlungen aus dem Freundes- und Familienkreis, gefolgt von Social Media. Klassische Reiseführer spielen hier eine geringere Rolle als bei längeren Radreisen.

Längere Radreisen: Hohe Zufriedenheit, solide Zahlen

3,3 Millionen Menschen entschieden sich 2025 für eine Radreise mit drei oder mehr Übernachtungen (2023: 3,6 Mio.). Insgesamt wurden 4,6 Millionen dieser Reisen gezählt. Mit durchschnittlich 7,6 Übernachtungen bleibt der Fahrradurlaub ein relevantes Segment im Tourismusmarkt.

Bild: ADFC / April Agentur

Die Zufriedenheit ist bemerkenswert hoch: Fast 99 Prozent der Befragten empfehlen ihre Route weiter. Übernachtet wird überwiegend in Hotels (59,8 Prozent), Pensionen (34,1 Prozent) und Ferienwohnungen (22,3 Prozent); knapp 22 Prozent nutzen Campingplätze. Bei der Anreise dominieren Pkw (38 Prozent) sowie Bus und Bahn (37 Prozent).

Radfahren im klassischen Urlaub legt zu

12,7 Millionen Menschen nutzten 2025 ihr Fahrrad während eines Urlaubs, bei dem Radfahren nicht Hauptzweck der Reise war (2023: 10,6 Mio.). Zwei Drittel wollen so Land und Leute besser kennenlernen, jeder Zweite sucht bewusste Aktivität. Für 37,9 Prozent steht der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund.

Bild: ADFC / April Agentur

Am häufigsten wird das Fahrrad in Erholungsreisen (24,4 Prozent) und im Familienurlaub (21,2 Prozent) integriert, gefolgt von Strand- und Badeurlaub, Natur- und Aktivurlaub.

Top-Routen 2025: Verschiebungen an der Spitze

Knapp 60 Prozent der längeren Radreisen führen durch Deutschland. Bei den beliebtesten Radfernwegen kam es 2025 zu leichten Verschiebungen:

  • Der Elberadweg übernimmt Rang 1 und verdrängt den Weserradweg auf Platz 2.
  • Ostseeküstenradweg und Rheinradweg behaupten die Plätze 3 und 4.
  • Der Bodensee-Königssee-Radweg und der Moselradweg verbessern sich jeweils um zwei Positionen.
  • Neu in den Top 10 ist der Fünf-Flüsse-Radweg.

Bild: ADFC / April Agentur

Qualitätszertifizierte ADFC-Routen sind stark vertreten. Neben Weser-, Donau- und Mosel-Radweg finden sich weitere Sternerouten unter den Top 20, darunter Neckartal-, Ruhrtal- und Fulda-Radweg.

Regionen: Der Norden legt deutlich zu

Bei den meistbefahrenen Regionen liegt die Nordseeküste Niedersachsens vorne. Ostfriesland verbesserte sich deutlich auf Rang 2. Der Bodensee sowie die Region Grafschaft Bentheim/Emsland/Osnabrücker Land teilen sich Platz 3. Auch die Nordsee in Schleswig-Holstein und die Mecklenburgische Ostseeküste gewinnen an Bedeutung. Neueinsteiger unter den Top-Regionen ist Vorpommern auf Rang 7.

Bild: ADFC / April Agentur

Investitionen und E-Bike-Boom

Erstmals erhob der ADFC auch Investitionen rund um Radreisen. Mehr als ein Viertel der Reisenden mit drei oder mehr Übernachtungen kaufte neue Ausrüstung oder nutzte Serviceleistungen. Besonders gefragt waren Fahrrad- und Gepäcktaschen (55,3 Prozent), Funktionskleidung (50,6 Prozent) und Fahrradteile (31,7 Prozent). Knapp 30 Prozent investierten in Reparatur oder Inspektion.

10,1 Prozent dieser Gruppe kauften sich vor der Reise ein Elektrofahrrad, 4,9 Prozent ein klassisches Rad.

Bild: ADFC / April Agentur

Insgesamt fährt inzwischen mehr als jede zweite Person auf längeren Radreisen mit einem E-Bike. Die durchschnittliche Tagesetappe liegt bei rund 60 Kilometern. Hauptgründe für das Elektrorad sind größere Reichweite (70,5 Prozent), bessere Bewältigung hügeliger Regionen (58,3 Prozent) sowie komfortableres, genussorientiertes Fahren (56,1 Prozent).

Potenzial bleibt hoch

Der Blick auf Nicht-Radreisende zeigt weiteres Wachstumspotenzial: 75 Prozent derjenigen, die in den vergangenen drei Jahren keine Radreise unternommen haben, haben bereits Erfahrung oder können sich eine solche Reise vorstellen. Hemmnisse sind vor allem Wetterabhängigkeit, fehlende Ausrüstung, organisatorischer Aufwand und Sorge um die eigene Kondition.

Bild: TMN DZT Jens Wegener

Für den ADFC ergeben sich daraus klare Handlungsfelder: Investitionen in Qualität, Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen gelten als zentrale Voraussetzung, um den Radtourismus langfristig zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Christian Taenzler; ADFC

Christian Tänzler, Radtourismusexperte im ADFC-Bundesvorstand, sagt: „Deutschland ist ein attraktives Radreiseland mit großem Potenzial. Jeder zweite Erwachsene nutzt das Fahrrad im Urlaub oder in der Freizeit, und viele Nicht-Radreisende können sich vorstellen, künftig Radreisen zu unternehmen.

Besonders der Radurlaub nimmt zu, während klassische Radreisen und Tagesausflüge zurückgehen. Um Radurlauber zu gewinnen, braucht es sichere, gepflegte Radwege, einfache Bahn-Anreise und Angebote für Familien und Einsteiger. Die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung soll hier jetzt neue Impulse setzen.“

Mehr Details unter: www.adfc.de.

Quelle: PM ADFC