Der US-Finanzinvestor KKR muss sich offenbar auf erhebliche Verluste bei seiner Beteiligung an der Accell Group einstellen. Wie die Financial Times berichtet, bereiten sich die Kreditgeber des niederländischen Fahrradherstellers auf eine erneute Schuldenrestrukturierung vor – kaum ein Jahr nach der letzten Vereinbarung.
Accell, Eigentümer bekannter Marken wie Raleigh sowie des Lastenradanbieters Babboe, steht trotz bereits reduzierter Schulden weiterhin unter starkem Liquiditätsdruck. Hohe Lagerbestände, anhaltend schwache Nachfrage im europäischen Fahrradmarkt und negative operative Ergebnisse belasten das Unternehmen. Marktbeobachter werten die aktuell sehr niedrigen Bewertungen von Accells Schuldtiteln als Hinweis darauf, dass Gläubiger mit weiteren Abschreibungen rechnen.
Parallel dazu trennt sich Accell von einzelnen Marken. Wie bei Escape Collective zu lesen ist, hat der türkische Fahrradhersteller Kron Bicycle die Marke Nishiki von der Accell Group übernommen. Nishiki war 2009 über einen finnischen Distributor in den Accell-Konzern gelangt.
Kron kündigte laut des Magazins an, die Marke in die eigene Produktions- und Lieferkette zu integrieren, zugleich solle deren eigenständige Markenidentität erhalten bleiben. Das 2004 gegründete Unternehmen vertreibt seine Produkte landesweit in der Türkei und sieht in der Übernahme einen Schritt zum Ausbau seiner Präsenz auf dem europäischen Markt.
Für KKR ist die Lage insgesamt heikel, da der Investor die Mehrheitskontrolle an Accell Anfang 2022 – auf dem Höhepunkt des pandemiebedingten Fahrradbooms – übernommen hatte. Seitdem haben sich die Marktbedingungen deutlich verschlechtert. Laut Financial Times prüft Accell neben neuen Gesprächen mit Kreditgebern auch weitere strategische Optionen, darunter einen möglichen Verkauf von Unternehmensteilen. Sollte keine Einigung erzielt werden, stehen im Extremfall angeblich auch insolvenzrechtliche Schritte im Raum.
Branchenweit gilt Accell als ein Beispiel dafür, wie stark sich die Rahmenbedingungen im Fahrrad- und E-Bike-Markt nach den außergewöhnlichen Pandemiejahren gedreht haben. KKR verweist auf branchenweite Belastungen und betont, Accell weiterhin zu unterstützen. Die weitere Entwicklung dürfte jedoch nicht nur für Investoren, sondern auch für den europäischen Fahrradmarkt von Bedeutung sein.
Mit Informationen von Financial Times und Escape Collective.




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