Und jährlich grüßt das Murmeltier...

Seit wir über Pedelecs berichten, gibt es nahezu jedes Jahr mindestens einen neuen Antrieb, welcher nach dem Prinzip einer Reibrolle arbeitet. Was damals beim Vélosolex so einigermaßen funktioniert hat, soll unbedingt auch aufs modernde Fahrrad passen. Der aktuellste Kandidat heißt ONEMOTOR und bietet nach eigener Aussage ein quasi universelles System an, welches auf jedes Fahrrad, Trike, diverse Liegeräder oder Tretroller etc. passen soll.

Dabei will das Unternehmen aus New York die prinzipbedingten Schwachpunkte weitestgehend ausgemerzt haben und stellt den Antrieb als die nächste Revolution der persönlichen Mobilität dar. Doch ist es wirklich so einfach und problemlos?

Natürlich wird der Antrieb im Trockenen und auf gerader und flacher Strecke funktionieren, ähnlich wie man es erwarten kann. Werden die äußeren Einflüsse größer, wird der angepriesene Antrieb ebenfalls an seine physikalischen Grenzen stoßen – genauso wie jeder andere Antrieb, welcher auf demselben Prinzip beruht.

ONEMOTOR aber möchte die Grenzen der Physik überwunden haben, indem man die Anpresskraft auf den Reifen des Fahrrads entsprechend dem auftretenden Schlupf so variiert, dass dieser eliminiert werden kann. Natürlich soll dies alles passieren, ohne dass der Reifen dabei Schaden nimmt.

Um die Traktion zu erhöhen kann man auf zwei Faktoren Einfluss nehmen. Zum einen gestaltet man man die Struktur der Reibrolle so, dass diese sich möglichst gut mit dem Gegenpart (Reifen) verzahnt. Dies geht natürlich nur bis zu gewissen Grenzen, bevor dann einer der Reibpartner Schaden nimmt.

Für eine möglichst schlupffreie Übertragung kann auch zudem der Anpressdruck erhöht werden, was ebenfalls nur bis zu einer gewissen Grenze möglich ist. Sitzt die Reibrolle auf der Felge auf, ist spätestens die Grenze erreicht. 😉 Erhöht man den Luftdruck, um diesem entgegenzuwirken, ist mit dem Komfort zudem auch bald Schluss.

Ganz zu schweigen, wenn man auch mal über nicht so saubere Straßen fahren muss, so dass sich auch mal Erde und Steine am Reifen befinden. Dafür ist ein solches System nicht gemacht. Somit bleibt man auf bestimmte Straßen beschränkt und kann sein Fahrrad nicht überall einsetzen. Das ist aber gerade der Vorteil eines Fahrrades oder Pedelecs.

Und für dieses System verlangt das Unternehmen mindestens 1.300 USD und damit hat man noch nicht einmal ein Fahrrad! Leute, das ist doch Humbug. Wer nun denkt, er hat damit ein Pedelec, ähnlich denen, die man von etablierten Fahrradherstellern kaufen kann, der irrt sich gewaltig!

Da kann das System dann noch so viele Features haben, sich mit einem drahtlosen Display, flexiblen (aber teuren) Akku-Optionen oder einem schnell montierbaren PAS-Sensor rühmen. Solch ein System lohnt nicht einmal zum Probieren, denn für nur ein wenig mehr Geldeinsatz bekommt man grundsolides Pedelec von einem etablierten Hersteller.

An solch ein Pedelec gehören weiter zumindest hydraulische Scheibenbremsen, was die wenigsten solcher Räder haben, an denen ein solches System montiert werden soll. Von einer ordentlichen Beleuchtung ganz zu schweigen.

Unsere Meinung

Wer mit dem Gedanken spielt sich solch ein System wie das von ONEMOTOR zu holen, um damit endlich ein Pedelec zu besitzen, sollte sich ganz schnell wieder davon verabschieden. Hier vergleicht man Äpfel mit Birnen und bei Ersteren sind auch schon faulige dabei.

Wer doch noch mehr über ONEMOTOR wissen möchte, findet hier alle Infos, andere finden in der E-Bike-Datenbank aktuelle Pedelec-Modelle für die kommende Saison.

Bilder: ONEMOTOR