Mitte März 2026 hatten wir die Gelegenheit genutzt, im Rahmen der Gazelle Press Experience einen einzigartigen Einblick in die Welt des Traditionsherstellers aus den Niederlanden zu bekommen. Dafür lud der Hersteller nach Dieren, an den Stammsitz der Marke, wo sich Historie und Moderne gekonnt verbinden und den Besucher in die Welt der größten Fahrradfirma der Niederlande mit über einhundertjähriger Geschichte eintauchen lässt. Was uns besonders beeindruckt hat und wie sich die Pedelecs in heimischer Landschaft bewähren, erfährt man jetzt in unserem Bericht.
Gazelle und Dieren
Seit der Gründung im Jahr 1892, damals noch unter dem Namen Arentsen & Kölling, ist das Unternehmen mit der Stadt Dieren verwurzelt. Willem Kölling startete damals mit dem Import und Verkauf von englischen Fahrrädern und fand in Rudolf Arentsen, einem guten Freund, schließlich einen Partner, der ihn beim weiteren Ausbau des Unternehmens unterstützte.
Was als kleines Handelsgeschäft begann, wuchs im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Fahrradhersteller Europas heran und blieb dabei stets in Dieren. Das ist keine Selbstverständlichkeit, und die Geschichte des Unternehmens macht das deutlich.
Die Vorkriegsjahre waren eine Blütezeit: Gazelle expandierte in die niederländischen Kolonien, das erste Tandem von 1935 wurde ein sofortiger Erfolg, und der Firmenname hatte sich längst in der niederländischen Alltagskultur verankert.
Schon 1912 hatte das Unternehmen mit Piet Pelle eine Werbefigur geschaffen, die weit über das Produkt hinauswirkte. Der freche Junge auf seinem Gazelle-Rad wurde zum Begleiter ganzer Generationen, zunächst als Comic, später als Zeichentrickfilm in den Schaufenstern der Fahrradhändler des Landes.
Schon früh hatte Gazelle schwere Zeiten zu überstehen: Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Maschinen nach Deutschland abtransportiert, und kurz vor der Befreiung zerstörte ein Sprengkommando das Übrige. Erst im August 1946 rollte das erste Nachkriegsrad aus der Fabrik.
Doch auch die Jahrzehnte danach brachten Unruhe. Fusionen, Übernahmen, Eigentümerwechsel: Gazelle hat einiges erlebt. 1971 schluckte der britische Konzern Tube Investments das Unternehmen, 1987 wechselte es zu Derby Cycle, 2001 zu einer niederländischen Investmentgesellschaft, bis Pon Holdings 2011 das Ruder übernahm.
Die Fabrik aber blieb in Dieren. Durch Wirtschaftskrisen, durch den Strukturwandel der Industrie und die Versuchung billigerer Produktionsstandorte. 2015 eröffnete König Willem Alexander persönlich die neue Fertigungshalle, ein symbolischer Moment für eine Stadt, die das Unternehmen seit über 130 Jahren als Teil ihrer eigenen Identität betrachtet.
Dieren trägt diese Geschichte sichtbar. Generationen von Familien in der Gemeinde Rheden haben ihren Lebensunterhalt mit Gazelle verdient. Der Name des Unternehmens ist in der lokalen Identität so fest verankert wie der Fluss IJssel in der Landschaft. Das Prädikat „Koninklijk”, das Gazelle 1992 zum hundertjährigen Jubiläum verliehen wurde, war nicht zuletzt eine Anerkennung dieser Beständigkeit.
Heute verlassen täglich Hunderte von Fahrrädern das Werk, vom klassischen Stadtrad bis zum modernen E-Bike. Wer durch die Hallen geht, erlebt kein Museum der Nostalgie, sondern einen Betrieb, der den Spagat zwischen industrieller Tradition und zeitgemäßer Fertigung täglich neu vollzieht. In Dieren, wie seit über 130 Jahren.
Theorie & Praxis
Von Doesburg, einer geschichtsträchtigen Stadt mit eigenem Charakter und in diesen Tagen unser Quartier, war es nur ein kurzer Weg ins benachbarte Dieren. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf, die Gazelle-Fabrik zu besuchen, die wir bislang nur von Bildern und Berichten kannten. Was uns erwartete, war beides: ein Ort mit Vergangenheit und ein Betrieb, der längst in der Gegenwart angekommen ist.
Nach einer herzlichen Begrüßung gab uns Brand-Managerin Maartje einen Überblick, welches der Antrieb hinter Marke ist und stellte zudem die Entwicklung des Unternehmens am Standort Dieren aus Markensicht heraus. Sie erklärte, wofür Gazelle seit Jahrzehnten steht und wie man diesen Spirit in die heutige Zeit überführt hat.
Gazelle hat im Laufe seiner Geschichte durchaus experimentiert: Motorräder, Dreiräder, nach dem Krieg sogar ein vierrädriger Lieferwagen, und wer es nicht weiß, dem sei gesagt, dass es auch Mountainbikes aus Dieren gab. Doch all diese Ausflüge änderten nichts am Kern.
Das Stadtrad, das praktische, alltagstaugliche Fahrrad für Millionen von Niederländern, blieb der eigentliche Anker des Unternehmens. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn unter den Rädern, die das Werk verlassen, längst E-Bikes den Ton angeben.
Hier kommt Produktmanager Erik ins Spiel, der uns das Portfolio der Marke in allen Facetten vorstellte und die beliebtesten Modelle vor Augen führte.
Neben diesen Bestsellern von Gazelle, die auch seit jeher mit innovativen Highlights aufwarten, gab es auch einen kleinen Blick in die Zukunft, über den wir an dieser Stelle aber nichts verraten dürfen.
Wichtig war es viel eher, jetzt das Fahrgefühl der Gazelle E-Bikes am eigenen Leib zu erleben. So machten wir uns zu einer kleinen Tour ins Umland auf, die uns in den Veluwezoom-Nationalpark führen sollte. Die Strecke führte uns zuerst durch die Stadt Dieren mit ihren typischen Häusern, bevor wir auf einem breiten Rad- und Fußweg aus der Stadt heraus gelangten.
Nach einigen Kilometern führte uns ein ebensolcher Weg in den Wald, der im weiteren Verlauf auch Ansprüche an den verbauten Bosch-Antrieb stellt, um nicht allzu steile Anstiege problemlos zu glätten. Der Weg wurde schmaler und gleichzeitig kurviger, was den Spaß am Fahren weiter erhöhte.
Er führte uns dann noch tiefer und mit mehr Kurven durch den Wald, bevor wir dann inmitten des Nationalparks zu De Carolinahoeve gelangten, einem alten Bauernhof, der zu einem Restaurant und einem Ferienhaus für 6 Personen umgebaut wurde.
Dieser Kreuzungspunkt von Wander- und Fahrradwegen soll einer der schönsten Orte der Veluwe sein und eignet sich perfekt für einen wohlverdienten Zwischenstopp auf der Terrasse, wo auch wir jetzt unsere Pedelecs parkten, um uns zur Mittagszeit dann bei schönster Sonne zu stärken.
Dabei konnten wir uns über die Eindrücke der E-Bikes austauschen und erfuhren bei für die Gegend typischen Gerichten wie Suppen und Sandwiches noch viel über die Marke, deren Produkte und auch die Strategie. Nach dieser Stärkung in lockerer Atmosphäre ging es dann auf nahezu demselben Weg wieder zurück in die Fabrik nach Dieren.
Produktion & Experience Center
Über den beeindruckend integrierten und dadurch geschlossenen Innenhof ging es dann in die Fabrik. Wir hatten mit Ivo einen erfahrenen Produktionsingenieur als Führer durch die Produktion und erfuhren dabei viel über die Abläufe und Details der Fertigung.
Natürlich war uns, auch aus Rücksicht auf die Mitarbeitet, nur an manchen Stellen das Erstellen von Bildern erlaubt. Über die Lackiererei gelangten wir dann zuerst in das Lager und danach an den Ort wo die bereits farbig lackierten Rahmen dann mit den entsprechenden Decals bestückt wurden, bevor dann die deckenden Lackschichten aufgebracht werden.
Über die Laufradmontage, bei welcher auch diverse Nabenschaltungen eingespeicht wurden und viel auf vollautomatische Zentriermaschinen zurückgegriffen wurde, gelangten wir dann an die Produktionslinien, wo die entsprechenden Räder und Pedelecs dann aus den Rahmen, Komponenten und Vorbaugruppen zusammengesetzt wurden.
Hier saß so gut wie jeder Handgriff der Mitarbeiter perfekt und ließ im Nu das ein oder andere E-Bike „vom Band rollen“. Für eventuelle Nacharbeiten gab es nebenan eine Abteilung, in der auch regelmäßig Stichproben zur Überwachung der Qualität gezogen wurden, wobei die anderen Modelle ihren Weg in den Warenausgang nahmen und dort verpackt und in LKWs geladen wurden.
Nach diesen Eindrücken gelangten wir wieder zurück in den zur Kantine umgebauten Innenhof, von wo wir uns dann in das angrenzende und gleichzeitig auch größte Gazelle Experience Center aufmachten. Hier sollen Interessierte so gut wie jedes Rad der Marke ausgiebig ansehen und zur Probe fahren können, unterstützt von extra geschulten Mitarbeitern.
Zugleich ist dort aber auch ein eigenes Museum zu finden und zudem ein spezieller Rundgang durch die Fabrik, der die Besucher dieses Mal aber über spezielle Laufstege weit über den Köpfen der Mitarbeiter führt. In unserem Fall war aber bereits Schichtende und die meisten Linien standen bereits still.
Trotzdem war auch dieser Blick ein Besonderer und ließ uns das zuvor Gesehene nochmals aus einem anderen Winkel betrachten. So konnten wir einen einzigartigen Eindruck vom Stammsitz der Koninklijke Gazelle bekommen und zudem noch deren historische und aktuelle Produkte im harmonischen Nebeneinander bestaunen.
Hier noch Eindrücke des Testparcours und der Auswahl für die Besucher des Gazelle Experience Centers, wo man wirklich alles über die Gazelle Fahrräder erfahren und diese auch gleich ausprobieren kann.
Damit neigte sich der ereignisreiche und auch kurzweilige Tag seinem Ende entgegen, den wir abschließend noch mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.
Fazit
Die Marke Gazelle ist so eng mit den Niederlanden und dem Lebensgefühl des Landes verbunden, wie kein anderer Fahrradhersteller unseres Nachbarlandes. Dass Tradition wichtig ist und man in jedem Detail auf die Werte der Marke aufbaut, wurde uns als Besuchern sowohl bei der Tour in der Fabrik, als auch beim Ausprobieren in der Praxis greifbar. Wir sehen die Marke jetzt mit anderen Augen und bedanken uns bei allen Mitarbeitern und auch der Agentur Team Lewis, die uns den Besuch möglich gemacht hatte, für Ihre Gastfreundschaft und das Engagement. Wir freuen uns zudem darauf, das ein oder andere Pedelec von Gazelle in Zukunft auch einmal über einen längeren Zeitraum zu testen und dann darüber hier zu berichten.
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Transparenzhinweis: Der Autor wurde in die zum Besuch des Hauptsitzes der Koninklijke Gazelle N.V. eingeladen. Anreise, Unterkunft und Verpflegung wurden dabei übernommen. Auf den erhaltenen Eindruck und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.









































































































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