Woran arbeitet der Marktführer für Premium-eBike-Antriebe und welche Neuheiten könnten kommen?

Das Jahr 2018 ist erst einen guten Monat alt, aber trotzdem fragen sich jetzt schon viele Interessierte, was die Neuheiten für das nächste Modelljahr wohl sein könnten. Die Neuerungen von Bosch eBike Systems 2019 werden wie gewohnt erst zur Jahresmitte vorgestellt – für einen Blick in eine mögliche Zukunft lohnt sich aber eine kleine Recherche in der Patentsuche von Google.

Bosch ist eine der Firmen, die nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit mit am meisten Patente anmeldet und immer mehr davon stehen im Zusammenhang mit Pedelecs & eBikes. Wir haben uns auf die neuen Patente beschränkt, welche ab dem Beginn des letzten Jahres veröffentlicht wurden und stellen die interessantesten hier kurz vor.

Fraglich bleibt dabei immer, ob die darin patentierten Lösungen es jemals in ein Serienprodukt schaffen werden, genauso ob diese als Grundlage für ein weiteres Patent dienen oder vielleicht ganz in der Versenkung verschwinden. Klarheit wird es nur geben, wenn die Neuheiten von Bosch eBike Systems 2019 dann offiziell vorgestellt wurden.

Die nächsten Neuheiten bei Bosch eBike Systems 2019?

Klar ist, dass man bei Bosch daran arbeitet, die Sicherheit von Pedelecs immer weiter zu erhöhen. Einen großen Sprung hat man mit dem aktuell im Feldversuch laufenden ersten serienreifen ABS für E-Bikes geschafft, welches die Fahrsicherheit eines Pedelecs gerade für ungeübte Fahrer grundlegend verbessern kann.

Ein Schritt weiter wäre ein Unterstützungssystem, welches den sicheren Fahrzustand des Pedelecs ständig überwacht und dafür sorgt, dass dieser in möglichst jeder Situatiuon aufrecht erhalten kann: also quasi ein ESP für Pedelecs. Über ein solches System denkt man bei Bosch zur Zeit nach und hat dafür auch schon ein Patent angemeldet:

Fahrbetriebsunterstützungssystem und Fahrzeug (DE102016204119A1)

Hier wird beschrieben, dass ein Pedelec bzw. eBike (unter Umständen auch ein Fahrrad) mit einem oder auch zwei Generator-Motoreinheiten im Bereich der Nabe versehen sind, die so mit den Laufrädern gekoppelt sind, dass die Drehung derselben dadurch beeinflusst (beschleunigen, bremsen) werden kann. Damit sollen z.B. Zustände mit unzureichender Haftung am Untergrund vermieden werden (ASR), aber auch eine Bremsung durch konventionelle Bremssystem unterstützt werden können (Bremsassistent). Ebenfalls sieht die Erfindung vor die Bremsleistung auf die jeweilige Situation anzupassen oder aber sogar in bzw. bevor entstehender Gefahrensituationen den Fahrer schon zu unterstützen, bevor dieser die Gefahrensituation überhaupt als solche wahrnimmt. Weiter soll das System mittels Rekuperation Bewegungsenergie wieder in den Energiespeicher zurückführen können und zudem dabei helfen, Hindernisse wie Wurzeln oder Steine leichter zu überwinden. Auch einem zu starkem Bremsen soll damit entgegengewirkt werden können.

Insgesamt ein sehr interessantes Patent, von welchem wir glauben, dass in Sachen Umsetzung hier seitens Bosch bzw. Bosch eBike Systems intensiv gearbeitet wird. Denn je sicherer ein Pedelec ist, desto mehr Menschen lassen sich auf die Nutzung eines solchen modernen Fahrzeuges ein.

Ebenfalls in Sachen Sicherheit bewegt sich das folgende Patent, welches zwar schon 2015 angemeldet, aber erst im letzten Jahr veröffentlicht wurde:

Sperreinrichtung, Sperrsystem, hydraulische Bremsanlage, Fahrzeug und Verfahren zum Sperren (DE102015222056A1)

Dabei handelt es sich im Grunde darum, dass man sicherstellen möchte, dass der Vortrieb abgeschaltet wird, wenn dies benötigt wird. Laut der Erfinder ist es nicht als gegeben anzusehen, dass der Fahrer in jeder Situation sein Fahrzeug beherrscht bzw. Gefahrensituationen rechtzeitig erkennt, so dass der Antrieb eventuell auch dann weiter läuft, wenn dies nicht beabsichtigt ist. Auch Fehlfunktionen am Antrieb selbst und der Komponenten können auftreten, so dass ein sicheres Abschalten nicht immer möglich ist. Hier soll die patentierte Erfindung helfen und mittels einer Sensor- und Auswerteeinheit die Zustände erkennen, bei welchen eine Notabschaltung erforderlich ist und diese dann auch durchführen.

Auch hier zielt Bosch auf den sicheren Betrieb eines Pedelecs bzw. E-Bikes ab, bei welcher einer vorab erkannten Gefahrensituation frühzeitig entgegengewirkt wird. Wir sind gespannt, ob und wie dies in Zukunft umgesetzt wird.

Auch beim Antrieb stehen in Zukunft Verbesserungen an, an denen Bosch bereits schon heute arbeitet. Letztes Jahr wurde der neue Active Line Antrieb der dritten Generation vorgestellt, wo man mit (laut Bosch eBike Systems) relativ einfachen konstruktiven Änderungen die Geräuschentwicklung, die Baugröße und die Leichtgängigkeit des Antriebs auch bei höheren Geschwindigkeiten deutlich verbessern konnte.

Ähnliches erhoffen sich die Kunden auch von den Antrieben der Performance Line bzw. Performance Line CX, was die Spekulationen immer wieder anheizt. Ein konkretes Patent hierzu haben wir zwar nicht gefunden, allerdings scheint es alternativlos, dass Bosch eBike Systems 2019 dem aufstrebenden Shimano E-8000 Antrieb eine entsprechend kompakte und besser integrierbare Antriebseinheit entgegensetzt, nicht zuletzt da man sich ja mit der neuen PowerTube 500 dem Thema der Integration verstärkt gewidmet hat.

Woran man bei Bosch allerdings arbeitet, ist die Kombination eines Antriebs mit diversen Möglichkeiten der Übertragung des Drehmoments an das Hinterrad. Hier liegen mehrere Patente vor, die zum Teil auch Ähnlichkeiten mit bestehenden bzw. am Markt befindlichen Lösungen haben.

Antriebsanordnung und fahrzeug (DE102016207035A1)

Hier wird ein Antrieb am Tretlager beschrieben, der mit einem Planetengetriebe kombiniert wird. Somit kann auf eine zusätzliche Schalteinrichtung am Hinterrad verzichtet werden und der Pedelec-Antrieb besonders kompakt gestaltet werden. Als Beispiel kann das hier beschriebene Getriebe eine siebenstufige Übersetzung bereitstellen und eine Spreizung von 400 % erzielen. Hauptvorteil soll ein problemloser Wechsel der Gänge auch unter Last und ein hoher Wirkungsgrad sein.

Antriebsanordnung und Fahrzeug (DE102016216557B3)

Auch hier beschreibt Bosch die Kombination eines Tretlagermotors mit einem speziellem Getriebe, in diesem Fall ein Doppelkupplungsgetriebe. Solch eine Kombination gibt es schon in ähnlicher Form im Motorradbereich und kann demnach eventuell auch auf das Pedelec übertragen werden. Vorteile sind die Übertragung des Drehmoments mit geringeren Reibungsverlusten und ein Schalten ohne Unterbrechung der Zugkraft.

Wir sind gespannt, ob hier eine entsprechende Lösung seitens Bosch eBike Systems vorgestellt wird. Alternativ arbeitet man aber auch an Konzepten, die in ähnlicher Form schon bei anderen Herstellern vorgestellt wurden. Ob Bosch hier nachzieht, bleibt fraglich:

Antriebsanordnung und mit Motorkraft antreibbares Fahrzeug (DE102016200265A1)

Dieses Patent beschreibt die Kombination des Tretlagerantriebs mit einem Reibringgetriebe, ähnlich dem Bauteil, welches man von Fallbrook Technologies (NuVinci) und Continental schon kennt. Die Erfindung von Bosch integriert Bauteile dieses Getriebes als Elemente des Antriebs selbst, so dass eine verringerte Anzahl an Bauteilen insgesamt für die Funktion des Antriebs und der Übersetzung notwendig sind.

Für die Steuerung der benötigten Antriebskraft muss das vom Fahrer eingebrachte Drehmoment erfasst werden. Mit aufwändiger Sensorik wurde dies bisher über die Torsion der Kurbelwelle erfasst. Bosch arbeitet an einfacheren Systemen, die aber eine genauso gute Erfassung versprechen.

Drehmomenterfassungseinrichtung, Antrieb und Fahrzeug (DE102016210387A1)

Sind andere Systeme zur Erfassung der Torsion von aufwändiger Bearbeitung und Modifikation der Welle abhängig, schwer genau zu erfassen und zudem noch störanfällig, so soll die vorliegende Erfindung dies leichter, günstiger und vor allem mit höherer Zuverlässigkeit und Genauigkeit erreichen. Dafür werden im Grundsatz generierte Wirbelströme erfasst, welche zwei Schlitzscheiben beinhalten, die entweder als Erreger- oder Messspule ausgebildet sind. Weitere Vorteile sind dabei ein geringerer Bauraum und genauere Unterscheidung verschiedener Torsionswinkel. auch die Anordnung kann nach Bedarf variiert werden.

Mal sehen, welche der oben genannten Erfindungen es in nächster Zukunft in die neuen Systeme von Bosch eBike Systems schafft. Zum Thema Akku haben wir bis jetzt nichts gefunden. Hier bieten die Reutlinger aber bis jetzt auch eine große Variabilität an, so dass für die kommende Saison nicht ein so großer Handlungsbedarf besteht.

Hinsichtlich Bremsen und Diebstahlschutz bei eBikes und Pedelecs gab es schon mehrere Patente von Bosch. Ein neueres Patent beschreibt ein Verfahren bei welchem hydraulische Bremsen gesperrt werden können, was zumindest ein Wegfahren vom Abstellort wirksam verhindern könnte.

Sperreinrichtung, Sperrsystem, hydraulische Bremsanlage, Fahrzeug und Verfahren zum Sperren (DE102016211015A1)

Gegenüber anderen Systemen kann hier der Bremsdruck zuverlässig über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden, wobei dieser Zustand von der Betätigung der Bremse am Bremshebel entkoppelt ist. Dies wird über Volumenstromschieber erreicht, die im besten Fall magnetisch angesteuert werden und im abgestellten Zustand stromlos geschlossen sind. Die Ansteuerung soll über eine moderne Autorisierungsmethode erfolgen.

Auch hier arbeitet Bosch an einem Problem, welches viele Nutzer anhand des hohen Kaufpreises für ein Pedelec als groß ansehen. Wenn das Pedelec im abgeschlossenen Zustand nicht nutzbar ist (und es auch bleibt), lohnt sich vielleicht ein Diebstahl kaum. Man wird sehen, in welche Richtung sich diese Entwicklung bewegt.

Fazit

Man sieht, dass man bei Bosch an einer Vielzahl von Problemen arbeitet, welche die Weiterentwicklung des Pedelecs bzw. E-Bikes betreffen. Was nun im Rahmen der Neuheiten von Bosch eBike Systems 2019 vorgestellt werden wird, können wir auch nicht sagen. Schon in wenigen Monaten wissen wir aber mehr. Wir sind gespannt! 🙂