Die NCTE AG muss ihre Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 deutlich nach unten korrigieren. Der Sensorspezialist aus Oberhaching rechnet inzwischen nur noch mit einem Umsatz zwischen 4,0 und 4,2 Millionen Euro. Bislang hatte das Management 4,4 bis 5,4 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Auch beim operativen Ergebnis fällt die Korrektur erheblich aus: Statt eines EBITDA zwischen minus 0,5 Millionen Euro und plus 0,1 Millionen Euro erwartet das Unternehmen nun einen Verlust zwischen 0,9 und 1,1 Millionen Euro.
Als Gründe nennt der Vorstand zeitverzögerte Umsatzbeiträge aus neuen Aufträgen sowie nicht verlängerte Rahmenvereinbarungen in der Landtechnik und im E-Bike-Sektor. Damit verliert NCTE offenbar Geschäftspotenzial in zwei wichtigen Anwendungsfeldern seiner Sensortechnologie.
Restrukturierung trifft vor allem Produktion und operative Bereiche
Als Reaktion auf die Geschäftsentwicklung haben Vorstand und Aufsichtsrat ein Restrukturierungsprogramm beschlossen. Dieses sieht einen Personalabbau von rund einem Drittel der Belegschaft vor. Betroffen sind vor allem die Produktion und die operative Organisation. Für die Mitarbeiter, deren Stellen wegfallen sollen, ist ein Abfindungsprogramm vorgesehen.
Weitgehend erhalten bleiben sollen dagegen die Bereiche Entwicklung und Innovation sowie der Vertrieb mit direktem Kundenkontakt. Mit der schlankeren Kostenstruktur will NCTE die finanzielle Grundlage schaffen, um laufende Innovationsprojekte fortzuführen.
Vorstandsmitglied Sebastian Müller bezeichnet die Innovationsfähigkeit als Grundlage für die weitere Unternehmensentwicklung und langfristiges Wachstum. Die Konzentration auf Entwicklung und direkten Kundenzugang soll demnach trotz der Einschnitte die technologische Weiterentwicklung ermöglichen.
Bedeutung für die E-Bike-Sensorik
Für den E-Bike-Markt ist insbesondere die Nichtverlängerung bestehender Rahmenvereinbarungen relevant. Sie deutet darauf hin, dass NCTE im Fahrradsegment geplante oder bereits etablierte Geschäftsbeziehungen nicht im bisherigen Umfang fortsetzen kann. Welche Hersteller oder konkreten Sensorprojekte davon betroffen sind, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor. (Gemeint sind wohl FAZUA / Porsche eBike Performance; Anm. d . Red.).
NCTE entwickelt magnetostriktive Drehmoment- und Kraftsensoren. Die Technologie ermöglicht unter anderem eine berührungslose Erfassung von Kräften und Drehmomenten und ist damit auch für Anwendungen in der E-Bike-Antriebstechnik interessant. Gerade bei Drehmomentsensoren kommt es auf eine präzise und zuverlässige Erfassung der vom Fahrer eingebrachten Kraft an, da diese Messwerte maßgeblich die Steuerung der Motorunterstützung beeinflussen.
Dass NCTE trotz des geplanten Personalabbaus ausdrücklich an Entwicklung und Innovation festhalten will, ist deshalb ein wichtiges Signal. Es spricht dafür, dass das Unternehmen seine technologische Position in diesem Bereich nicht aufgeben möchte. Allerdings bleibt offen, wie sich die Einschnitte in Produktion und operativer Organisation auf Fertigungskapazitäten, Lieferfähigkeit und die Umsetzung neuer Kundenprojekte auswirken werden.
Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt zugleich, dass sich technologische Kompetenz allein nicht automatisch in stabile Auftragsvolumina übersetzt. Für NCTE wird entscheidend sein, neue Rahmenvereinbarungen zu gewinnen und laufende Entwicklungsprojekte in langfristig tragfähige Geschäftsbeziehungen zu überführen. Für die E-Bike-Branche bleibt damit abzuwarten, welche Rolle die Sensorlösungen des Unternehmens künftig bei den Antriebsherstellern spielen werden.



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