Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zum Engpass der Fahrradbranche – insbesondere in den Werkstätten. Mit einem neuen modularen Qualifizierungsprogramm für Quereinsteiger:innen will die „Fahrrad Akademie“, ein gemeinsames Bildungsangebot des Verbund Service und Fahrrad e. V. und der BIKE&CO, gezielt gegensteuern und kurzfristig zusätzliche Kapazitäten schaffen.
Die Ausgangslage ist angespannt: Laut aktuellem Shimano Report 2026 verzichten europaweit rund 121 Millionen Menschen auf das Fahrrad, weil der Zugang zu Werkstattleistungen fehlt. In Deutschland nennt sogar jede dritte befragte Person lange Wartezeiten als Hauptgrund, Reparaturen nicht durchführen zu lassen – ein Spitzenwert im europäischen Vergleich.
Strukturelle Ursachen belegen auch Zahlen des Bundesinstitut für Berufsbildung: Im Jahr 2024 traten lediglich 711 neu ausgebildete Zweiradmechatroniker:innen und Monteur:innen in den Arbeitsmarkt ein – bei rund 5.200 Fachhändlern im stationären Bereich. Branchenverbände wie VSF und BIKE&CO gehen aktuell von etwa 7.500 unbesetzten Werkstattstellen aus.
„Über die duale Ausbildung ist dieser Gap kurz- und mittelfristig nicht zu schließen“, erklärt Stephan Fuchs vom VSF. Gemeinsam mit BIKE&CO-Vorstand Michael Welle verantwortet er die strategische Ausrichtung der Fahrrad Akademie. Ziel sei ein Angebot, das „unmittelbaren Mehrwert bietet und sich konsequent an der Praxis im Fachhandel orientiert“.
Schneller Einstieg in die Werkstattpraxis
Das neue Qualifizierungsprogramm richtet sich gezielt an Quereinsteiger:innen ohne klassische Ausbildung im Zweiradbereich. Innerhalb kurzer Zeit sollen sie befähigt werden, grundlegende Aufgaben in der Werkstatt zu übernehmen – von der Arbeitsvorbereitung über Servicearbeiten bis hin zu einfachen Reparaturen und Montagetätigkeiten. Dadurch sollen qualifizierte Fachkräfte entlastet und Ressourcen für komplexere Arbeiten freigesetzt werden.
Drei Module, flexibel kombinierbar
Das Angebot ist modular aufgebaut und umfasst drei aufeinander aufbauende Einheiten: Werkstattgrundlagen (Modul 1), technische Vertiefung (Modul 2) sowie weiterführende Fachpraxis und -theorie (Modul 3). Während das Einstiegsmodul ohne Vorkenntnisse besucht werden kann, setzen die weiterführenden Module erste praktische Erfahrungen voraus. Das dritte Modul dient zudem der Vorbereitung auf den theoretischen Teil der Externenprüfung zum Fahrradmonteur.
Didaktisch kombiniert das Programm Online-Lernphasen mit Präsenzterminen in der VSF-Musterwerkstatt in Marburg sowie begleiteter Praxis im Betrieb. Jedes Modul schließt mit einer Prüfung ab.
Projektleiter David Lauzi betont den praxisnahen Ansatz: „Wir holen die Teilnehmenden dort ab, wo sie stehen, und qualifizieren sie gezielt für den Werkstattalltag – handlungssicher und vom ersten Tag an als echte Unterstützung.“
Hohe Förderquoten möglich
Ein zentrales Element des Programms ist die finanzielle Förderung: Die Kurse sind nach AZAV zertifiziert und können für Einzelpersonen über Bildungsgutscheine der Arbeitsagenturen oder Jobcenter vollständig finanziert werden. Auch Betriebe profitieren – mit Zuschüssen von bis zu 100 Prozent der Kurskosten sowie bis zu 75 Prozent des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung.
Mit dem neuen Angebot reagiert Die Fahrrad Akademie auf eine der drängendsten Herausforderungen der Branche – und setzt auf einen pragmatischen Ansatz, um Werkstätten kurzfristig zu entlasten, ohne die klassische duale Ausbildung zu ersetzen.





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