Das patentierte Konzept wird jetzt zur Lizenzierung angeboten und damit wohl bereit für den Einsatz in der Massenproduktion
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Knapp ein Jahr nach unserem ersten Bericht über das BATOS-System (Battery Thermal Optimization System) liegen neue technische Details und Messergebnisse vor, die die Weiterentwicklung des Ansatzes konkretisieren. Während die ursprüngliche Ankündigung vor allem das grundsätzliche Potenzial eines aktiven Thermomanagements für E-Bike-Akkus in den Fokus stellte, liefern aktuelle Versuchsreihen nun belastbarere Einblicke in die tatsächliche Wirkung auf Zelltemperaturen und Betriebsbedingungen.

BATOS-System ermöglicht 30 % weniger Hitze

Überhitzung zählt zu den zentralen Belastungsfaktoren von Lithium-Ionen-Akkus im E-Bike-Alltag. Hohe Dauerlasten bei Anstiegen, starke Motorunterstützung oder sommerliche Außentemperaturen führen dazu, dass die Zelloberflächen konventioneller Akkus unter Last Temperaturen von bis zu 50 °C erreichen können. Aus Sicht der Zellchemie ist dieser Bereich bereits kritisch: Alterungsprozesse beschleunigen sich, die nutzbare Kapazität sinkt schneller, und die Leistungsabgabe kann instabil werden.

Genau an diesem Punkt setzt BATOS an, welches von der Sportimport GmbH unter der Leitung von Dirk Merz entwickelt wurde. Anders als rein passive Schutzmechanismen, die primär auf Begrenzung oder Abschaltung setzen, verfolgt das System einen Ansatz der gezielten thermischen Optimierung.

Dirk Merz mit BATOS® System

Die entstehende Wärme innerhalb des Akkus soll effizienter abgeführt werden, um Temperaturspitzen gar nicht erst entstehen zu lassen. In aktuellen Testaufbauten konnte die Zelloberflächentemperatur unter vergleichbaren Lastbedingungen um rund 30 Prozent gesenkt werden – konkret von etwa 50 °C auf rund 35 °C. Damit bewegen sich die Zellen deutlich näher an ihrem optimalen Arbeitsfenster.

Diese Reduktion wirkt sich auf mehrere für E-Bike-Nutzer relevante Aspekte aus. Niedrigere Betriebstemperaturen verlangsamen die thermische Alterung der Zellen und versprechen damit eine längere Lebensdauer des Akkus.

Gleichzeitig bleibt die Leistungsabgabe auch bei hoher Dauerlast stabiler, was sich positiv auf Reichweite und Fahrverhalten auswirken kann – insbesondere bei warmen Außentemperaturen. Zudem eröffnen sich Potenziale für schonendere, perspektivisch auch schnellere Ladezyklen, da die Zellbelastung bei geringerer Temperatur sinkt. Nicht zuletzt verbessert sich die Sicherheit, da thermischer Stress und damit verbundene Risiken reduziert werden.

Besonders relevant ist der Ansatz im E-Bike-Segment, wo Akkus zunehmend kompakt im Rahmen integriert sind und natürliche Kühlung nur eingeschränkt möglich ist. Das BATOS-System ist herstellerunabhängig ausgelegt und soll sich grundsätzlich auf unterschiedliche Batterieformate und Leistungsklassen übertragen lassen. Neben klassischen Pedelecs kommen damit auch Anwendungen wie E-Lastenräder, Light Electric Vehicles oder weitere Formen elektrischer Mikromobilität in Betracht, aber auch Batteriespeicher.

Aktuell wird BATOS zur Lizenzierung angeboten und richtet sich vor allem an Batterie- und Fahrzeughersteller, die die thermische Stabilität und Lebensdauer ihrer Akkus verbessern wollen. Ob und wann das System in Serienprodukten Einzug hält, wird maßgeblich von weiteren Praxistests und der Integration in bestehende Batteriekonzepte abhängen.

Fazit

Fest steht: Thermomanagement wird im E-Bike-Bereich bislang oft unterschätzt, obwohl es entscheidenden Einfluss auf Performance, Haltbarkeit und Sicherheit moderner Akkus hat. Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass BATOS über reine Überwachung hinausgeht und aktiv in das Temperaturgeschehen eingreift. Sollte sich dieser Ansatz unter realen Einsatzbedingungen bestätigen, könnte er die Diskussion um Akkulebensdauer und Zuverlässigkeit im Pedelec-Segment nachhaltig verändern.

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