Bereits optisch macht das neue E-Bike etwas her, dazu kommt eine hohe Leistung zum günstigen Kurs. Wo ist der Haken?
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Das Trekking 7 Ultra von Hepha haben wir bereits vor Monaten erstmals in München ausprobiert, als wir damit ein paar Runden im Englischen Garten in München gedreht haben. Für den ersten Eindruck hat es ausgereicht, für einen richtigen Test aber nicht, so dass wir diesen dann gleich zu Beginn des Jahres nachgeholt haben. Wie sich das preislich und technisch attraktive E-Bike, welches mit einem eigenen Antriebssystem mit 100 Newtonmetern Drehmoment und großem 708-Wh-Akku daherkommt, dann in unserem Text geschlagen hat, liest man jetzt in unserem Testbericht.

Hepha Trekking 7 Ultra im Detail

Hinter Hepha steht ein chinesisches Unternehmen, welches sich aber schon in 2021 mit einer Zweigstelle in nordrhein-westfälischen Hilden niedergelassen hat. Die Markenrechte wurden bereits zuvor ab 2019 eingetragen, am eingelegten Stammkapital der deutschen GmbH von 2,5 Mio. EUR kann man ablesen, dass die Chinesen es ernst meinen, in Deutschland Fuß zu fassen.

Hepha Trekking 7 Ultra 2023

Für die Produktion hat man inzwischen auch ein Werk in Maisach in der Nähe von München in Betrieb genommen, wo die finale Produktion aller E-Bikes der Marke erfolgt. Daher wirbt die Marke auch mit „Made in Germany“, was man den E-Bikes in der Realität aber auch anmerkt.

Das von uns getestete Hepha Trekking 7 Ultra ist mit einem Aluminiumrahmen ausgerüstet, dessen Nähte bei der Produktion komplett verschliffen werden. So macht das E-Bike schon beim ersten Anblick einen hochwertigen Eindruck, welcher durch die weitere gute Verarbeitung unterstrichen wird.

Das Design wurde mit Unterstützung des Münchner Kiska Designstudios entwickelt und führte zum German Design Award 2023, wo man in diesem Februar eine „Winner“-Auszeichnung in der Kategorie „Excellent Product Design“ entgegennehmen konnte.

An welchen Branchenführern sich die Marke orientiert, kann man erkennen, wenn man sich die verbauten Komponenten genau ansieht, allen voran den selbst entwickelten Mittelmotor. Der übertrumpft auf Wunsch der Kunden alle gängigen und vielfach verbauten Motoren und liefert je nach Konfiguration bis zu 100 Nm, mindestens aber 80 Newtonmeter.

Er findet sich sauber integriert im Rahmen des Modells wieder und wird durch eine Batterie mit 708 Wattstunden mit Energie versorgt, die entnehmbar und per Schloss gesichert im Rahmen des Modells untergebracht ist. Für das Aufladen liefert Hepha ein Schnellladegerät mit 6A Ladeleistung mit, welches die Batterie in rund vier Stunden wieder aufladen kann.

Das Trekking 7 Ultra bringt ein mittig montiertes großes Farbdisplay mit, welches mit einer klaren Anzeige aufwartet und viele Informationen darstellt. Die Bedienung findet zum einen direkt am abnehmbaren Display statt, aber auch an einer kompakten Schaltereinheit am linken Lenkergriff, welche die Auswahl der Unterstützungsstufe und das Aktivieren der Schiebehilfe ermöglicht.

Man kann sich zudem per Smartphone mit dem Antriebssystem verbinden und hat dann über die Hepha-App die Möglichkeit, Einfluss auf die Arbeitsweise der einzelnen Unterstützungsstufen zu nehmen. Auch das Tracken der Fahrten ist möglich, das Smartphone als Schlüssel für das E-Bike einzusetzen und vieles mehr.

Die Chinesen kombinieren den starken Antrieb dann mit einer 10-fach-Kettenschaltung aus der Shimano Deore Baureihe. In Sachen Bremsanlage greift man auf die Tektro Gemini SL (M535) zurück, die mit Bremsscheiben in den Größen 180 mm vorne und 160 mm hinten kombiniert wird.

Das Hepha Trekking 7 Ultra bringt eine einfache SR Suntour Federgabel mit, die per Coil 63 mm Federweg bereitstellt und so für Komfort sorgen soll. Auf weitere Federelemente wie beispielsweise eine Federsattelstütze verzichtet die Marke aber im Weiteren.

Der Vorbau ist winkelverstellbar und lässt sich so an den jeweiligen Nutzer anpassen, wobei es den Rahmen aber nur in zwei Größen gibt (M und L). Allerdings findet eine weitere Abstufung über die Rahmenform statt, so dass die E-Bikes für Menschen von 1,60 m bis 1,95 m passen sollen.

Das Hepha E-Bike ist weiter mit hauseigenen, designten Griffen und Sattel ausgerüstet, bringt eine LED-Lichtanlage von AXA samt Lichtautomatik mit und verzichtet auch nicht auf Schutzbleche aus Kunststoff, einen Gepäckträger mit Federklappe und Rails für Seitentaschen und einen Hinterbauständer.

Auf der Testfahrt

Bereits auf den ersten Metern in München begeisterte der Hepha DU-P100 Antrieb angesichts seiner schieren Leistung und die zurückhaltende Geräuschentwicklung. Dort im Englischen Garten konnte man allerdings nicht erkennen, wie die Kraftabgabe des Antriebs geregelt wird.

In heimischer Umgebung aber haben wir genügend Strecken, wo wir dieses genau herausfinden können. Natürlich unterstützt der Antrieb mit seinen 100 Nm im Vergleich sehr stark und bringt das knapp 27 kg Kilogramm wiegende E-Bike leicht auf 25 km/h und regelt darüber hinaus sanft aus.

Dafür muss der Nutzer aber nicht sportlich agieren, denn man fliegt auch steile Anstiege ohne Krafteinsatz regelrecht hoch. Der Fahrer muss dabei nur die Kurbel drehen, ohne großartige Belastung. Leider macht diese Funktionsweise des Hepha-Antriebs das E-Bike mehr zu einem Mofa als zu einem Pedelec, welches seinem Besitzer im Verlauf der Nutzung zu mehr Fitness verhelfen kann.

Uns ist natürlich klar, dass vielen Leuten genau dies gefällt, möglichst mühelos unterwegs zu sein. Auch zum Beispiel mit einem VanMoof kann man entsprechend fahren und braucht dafür nicht einmal den Turbo-Knopf. Die meisten Leute steigen aber aufs Fahrrad oder E-Bike um, um etwas für ihre Gesundheit zu tun und die Fitness zu steigern.

Genau das unterstützt das Hepha aber mit der Art und Weise, wie der Antrieb geregelt wird aber nicht und animiert die Nutzer nahezu den kompletten Vortrieb dem Antriebsmotor und seinen 100 Nm zu überlassen.

Der große Akku dürfte dabei für die meisten Strecken locker ausreichen und kann zudem schnell nachgeladen werden. Das Abnehmen des Akkuschutzes und die Entnahme der Batterie gelingt schnell und einfach.

Die Bauteile des Antriebs orientieren sich weiter an den führenden Teilnehmern der Branche. So wird das Display angeblich dort gefertigt, wo auch Bosch eBike Systems produzieren lässt, was man diesem auch ansieht. Die Funktionalität inklusive Ablesbarkeit ist sehr gut, abgesehen von den Tasten, die einen klaren Druckpunkt vermissen ließen.

Für den Bediensatelliten am Lenker stand wohl Shimano Pate, was der guten Funktionalität natürlich keinen Abbruch tut. Die gleich daneben platzierte Klingel ist sehr wertig und gibt einen gut hörbaren Klang ab, um sich Platz auf dem Radweg zu verschaffen.

Der Sattel und die Griffe sehen optisch schön aus, dürften aber bei Langstreckenfahrten nicht die Unterstützung in Sachen Komfort und Ergonomie liefern, die man dabei benötigt. Hier wäre bei einem Nutzungsprofil mit vielen längeren Touren ein Austausch dieser Komponenten durchaus angebracht, wobei man noch eine Federsattelstütze oder gar deren absenkbare Variante in Betracht ziehen sollte.

Die Kenda-Reifen auf den Laufrädern in 27,5″ bieten guten Grip und leichte Dämpfung. Gröbere Unebenheiten kommen aber trotz Federgabel ziemlich ungefiltert beim Nutzer an. Gut hat uns die Tektro-Bremsanlage gefallen, die kräftig zupackt. Hier könnte bei schwereren Nutzern nur die kleine Bremsscheibe hinten auf längeren Abfahrten ein Problem darstellen.

Ein Problem gab es mit der Position, in welcher der Frontscheinwerfer montiert war. Durch die Befestigung an der Gabel und die Auswahl des Halters wurde das Licht genau über dem Casting der Gabel platziert.

Weil der Scheinwerfer noch den notwendigen Reflektor trägt, schlägt die Gabel bei Einfedern nach oben und drückt das Frontlicht aus seiner Position, so dass er einfach nach oben leuchtet. Hier könnte in der Produktion ein anderer Halter Abhilfe schaffen, der das Licht höher positioniert.

Hepha Trekking 7 Ultra 2023

Motor: Hepha DU-P100, 250 W, 100 Nm
Batterie: Hepha BT-P100, 708 Wh
Display: Hepha SC-P100
Rahmen: Aluminium Premium
Gabel: SR Suntour SF19 NEX-E25, 63 mm
Schaltung: Shimano Deore, 1×10
Bremsen: Tektro M535, 180/160 mm v/h
Kurbelgarnitur: Aluminium
Vorbau: winkelverstellbar
Sattelstütze: starr
Sattel: Hepha
Laufräder: Alex
Reifen: Kenda, 27,5″
Gewicht: 27 kg
zul. Gesamtgewicht: 150 kg
Preis: ab 2.999 EUR

Fazit

Das Hepha Trekking 7 Ultra ist ein E-Bike zum Kampfpreis, soviel ist klar. Zu einem Kurs von unter 3.000 EUR bekommt man derzeit kaum ein solches Modell, welches in diesem Maße qualitativ hochwertig verarbeitet ist und auch die beschriebene Fülle an Leistung und Funktionalität mitbringt. Ein großer Wermutstropfen ist aus unserer Sicht aber die Motorsteuerung, die wohl drehzahlabhängig funktioniert und nicht Drehmoment-geführt, was die Vorteile eines Pedelecs ad absurdum führen. Auch wenn es kurz mal Spaß macht, ohne Mühe einen Anstieg hochzufahren, wird es auf Dauer den Nutzern nicht die körperlichen Vorteile bringen, welche eine häufige Verwendung eines Pedelecs eigentlich mit sich bringen kann. Die komplette Ausstattung und der günstige Preis können darüber aus unserer Sicht nicht hinwegtäuschen. Von uns gibt es daher für das Trekking 7 Ultra nur ein zurückhaltendes „Gut“.

PRO
  • schön designter, cleaner Rahmen
  • kräftiger Motor
  • große Batterie
  • schnelles Ladegerät
  • komplette Ausstattung
  • Produktion in Deutschland
  • attraktiver Preis
CONTRA
  • Motorsteuerung Drehzahl-geführt
  • kleine Schwächen im Detail

Transparenzhinweis: Das Trekking 7 Ultra wurde uns seitens der Hepha GmbH für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.