Der Weltenbummler und Abenteurer legte die Strecke in ein wenig mehr als drei Monaten zurück
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Robert Mohr ist ein diplomierter Geograf, Publizist und Abenteurer aus München, welcher in diesem Jahr mit 14.106 Kilometern die längste Reise auf einen elektrischem Zweirad unternommen hat und damit den bisherigen Guinessrekord (12.379 km) eingestellt hat.

Die Weltreise per Fahrzeug mit Elektromotor war beileibe nicht die erste, die der umtriebige Geograf und berufene Journalist unternommen hat. Bereits 1992/ 1993 unternahm er die „1. umweltfreundliche Weltumrundung per Elektromobil“ und für in acht Monaten rund 32.000 Kilometer mit einem KEWET Elektroauto. Die dabei gewonnenen Erfahrungen teilte er dann in seinem Buch „Sex-mal um den gesamten Globus!“ der Öffentlichkeit mit.

Guinessrekord oder Alltagstest?

Neuer Guiness-Weltrekordhalter in der Kategorie „Längste Reise per elektrischem Zweirad“ zu sein war vielleicht das oberflächliche Ziel des Aizpute (Lettland) geborenen und in Ulm aufgewachsenen Abenteurers.

Viel wichtiger war ihm aber zu beweisen, dass Elektromobilität im Alltag funktionieren kann! Denn, wenn er es schaffen könne, mit dem E-Bike um die Welt zu fahren, umso leichter sollte die Einbindung der Elektromobilität dann im Alltag der Menschen gelingen.

Robert Mohr und seine E-Bike Weltreise 2017

Abenteurer Mohr startete seine erneute Weltreise am 16. Mai 2017 in Økern in Oslo, wo er auch sein E-Bike beim örtlichen Hersteller von Elektrofahrrädern auslieh. Er entschied sich für ein Buddy Bike M2, welches mit einem 70 Nm starkem Hinterradantrieb daherkommt und in Sachen Energieversorgung mit einer 630-Wh-Batterie von Panasonic ausgerüstet ist.

Das Team hinter Buddy Bike konnte es zuerst nicht glauben, was der deutsche Mohr mit einem ihrer E-Bikes vorhatte. Denn auf so einer Tour kann alles Denkbare schiefgehen, stellte Jan Petter Skram, der CEO von Buddy Electric, fest.

Für die Reise stattete der Hersteller ihn trotzdem mit insgesamt drei Batterien (1.890 Wh) und Ladegeräten aus, damit Robert Mohr seine langen Tagesetappen von rund 350 Kilometern in acht Stunden auch ohne Nachladen schaffen konnte. Der erfahrene Reisende hatte zuvor die Streckenabschnitte und Abläufe genau geplant und die Erkenntnisse aus zahlreichen Reisen mit einbezogen.

Das E-Bike, welches mit 27-Gang-Schaltung und hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano ausgerüstet ist, rollt auf 29-Zoll-Rädern, die man für Mohr mit unplattbaren Reifen und einer verstärkten Kette ausgerüstet hatte. Weiter montierte Robert Mohr seien alten, aber ihm passenden Sattel und packte alles Notwendige in nur zwei kompakte Taschen am Gepäckträger.

Damit durchquerte oder streifte er Länder wie Norwegen, Schweden, Lettland, Russland, Sibirien, Kasachstan, Mongolei oder China. Von dort aus überquerte er den Pazifik per Flug nach Los Angeles und fuhr dort weiter bis nach Florida.

Seine größten Herausforderungen auf der Reise waren die Gefahr von Raubüberfällen oder das Durchqueren der mongolischen Wüste genauso wie die wechselnden klimatischen Bedingungen. Bei 45 Grad im Schatten wäre ein Vorwärtskommen ohne Elektroantrieb ungleich schwerer gewesen. Doch am Ende war alles halb so wild.

An die allabendlichen Schmerzen im Hintern bei 200 km Tagesreichweite gewöhnte ich mich nie. Aber im Stadtverkehr ist der E-Biker fast immer schneller!Robert Mohr

Obwohl bereits in Schweden sein E-Bike gestohlen wurde, konnte er es mit Hilfe der dortigen Polizei und dank GPS-Modul schnell wiederfinden. Auch die Angst vor der Mongolei war unbegründet. Er wurde dort herzlich empfangen, zum Essen und Übernachten eingeladen und konnte sein E-Bike ohne Probleme wieder aufladen.

Auch in Sibirien machte er gute Erfahrungen mit lokalen Bike-Fanatikern, die ihn eine beträchtliche Strecke dort begleiteten. In China gab es dann für Robert Mohr die ersten richtigen Probleme. Er konnte seine Batterien nicht wie gewünscht mit ins Flugzeug nehmen und musste nach einer Lösung suchen. Schließlich ließ er die Batterien vor Ort und entschied sich für den Rest der Strecke in LA neue zu kaufen. In  den USA konnte es zudem ganz legal mit 32 km/h weitergehen.

Abgesehen davon verlief die Reise weiter ohne größere Probleme. Ein überlasteter Gepäckträger und verschlissen Bremsbeläge waren alles, was am Ende festzuhalten blieb. Den verschlissenen Hinterreifen tauschte Mohr gegen einen neuen, der aber dann öfters mit einem Platten aufwartete. Daraufhin wechselte er zu Reifen, welche auch die dortige Polizei benutzt und das Problem war so gut wie behoben.

Bereits drei Monate, nachdem er erstmals in die Pedale getreten hatte, war der bisherige Guinness-Rekord bereits Geschichte. Er stellte den neuen Weltrekord auf, als er in Texas die magische Distanz von 12.380 Kilometern erreichte. Robert Mohr genügte das aber nicht und er radelte weiter in Richtung seiner Heimatstadt München. Als er dort ankam, zeigte der Distanzmesser exakt 14.106 Kilometer.

Fazit

Wer solch eine Reise unternimmt, kann anschließend auch ein Fazit ziehen. Für Robert Mohr sind gute E-Bikes auch zuverlässige Transportmittel und in Sachen Geschwindigkeit und Wirkung auf die Gesundheit bestens für Distanzen im Stadtverkehr geeignet.

Folgende Punkte haben sich dem Abenteurer während der Tour als besonders wichtig erwiesen: Ein winkel- und höhenverstellbarer Vorbau ist optimal, gegen ein selbsttätiges Lösen des Ständers helfen nur selbstsichernde Schrauben, der Gepäckträger sollte aus Stahl anstatt Aluminium sein und keinen Überhang aufweisen und schließlich sollten Tachos mindestens bis 100.000 Kilometern zählen und nicht nur bis 10.000 km.

Sein Weltrekord erzielte nicht nur eine neue Rekorddistanz, gleichzeitig wurde diese auch noch in drittschnellster Zeit erreicht. Zudem ist er der Einzige, welcher eine Weltumrundung per Vierrad und Zweirad absolvierte. Damit aber nicht genug.

Das nächste Abenteuer ist schon in Planung. Dieses Mal steht eine Überquerung des Atlantiks per Jetski an. Wir sind uns sicher: Robert Mohr wird es schaffen! 🙂

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Bilder: Robert Mohr