OB aus Tübingen gibt Ideen für eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur für S-Pedelecs.
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Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer (B90/Grüne), ist ja ein bekennender E-Bike-Fan und fährt auch ein entsprechendes Modell als Dienstfahrzeug.

Aus eigener „Erfahrung“ bekommt er die Vor- und Nachteile beim Fahren mit seinem Dienst-S-Pedelec täglich hautnah mit und hat dabei Einiges an Verbesserungspotential entdeckt.

In einem offenen Brief an den aktuellen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CDU) macht er gleich zwei Vorschläge, wie man die Verkehrsinfrastruktur für S-Pedelecs verbessern könnte und sollte.

In seinem Schreiben an den Minister stellt er anfangs wohlwollend fest, dass die Elektromobilität vor allem in Städten viel Aufmerksamkeit findet. Allerdings seien es vornehmlich vierrädrige Elektrofahrzeuge, die ungleich mehr gegenüber ihren zweirädrigen Pendants den Vorzug und die entsprechende Aufmerksamkeit finden.

Er bemängelt, dass hier ein Missverhältnis besteht, da nur einige tausend Elektroautos derzeit in Deutschland zugelassen sind, denen circa zwei Millionen Elektrofahrräder gegenüber stehen. Dabei seien laut Palmer Elektroräder für die Verbesserung der Umweltqualität und Schadstoffbelastung in den Städten weitaus wichtiger, da sie gegenüber Elektroautos entscheidende Vorteile haben.

Zu nennen wären hier laut Tübingens OB der günstigere Anschaffungspreis, die einfacher herzustellende Infrastruktur und vor allem auch der geringere Flächenverbrauch, der gerade in Städten immer wichtiger wird.

Dabei könnten viele kurze Fahrten, für die bisher das Auto diente, mit dem E-Bike leichter und schneller erledigt werden. Außerdem erhöht sich der durchschnittliche Radius von normal aktiven Menschen mit dem Pedelec von fünf auf 15 Kilometer. Auch die Eignung für körperlich eingeschränkte oder ältere Menschen ist gegeben und das E-Bike sowohl im flachen als auch bergigen Gelände gleichermaßen einsetzbar.

Boris Palmer sieht hier für die Politik eine einmalige Chance, den Elektrorad-Boom mit geeigneten Maßnahmen zu fördern. Dazu müsste allerdings die Straßenverkehrsordnung auf den neuesten Stand gebracht und modernisiert werde, da dies derzeit nicht gegeben sei. Die Einstufung als Fahrrad nach der maximal elektrisch unterstützten Geschwindigkeit obliege der EU — hier könne der Bund nicht ohne Weiteres Änderungen vornehmen.

Allerdings hat Tübingens OB zwei weitere Vorschläge, die sich auf Bundesebene umsetzen lassen und für die weitere Verbreitung des Elektrorades sorgen könnten.

Einführung eines neuen Verkehrszeichens „E-Zweiräder frei“

Boris Palmer sieht zum einen großes Potential in de Freigabe der bestehenden Radverkehrsinfrastruktur für alle Elektro-Fahrräder, auch für S-Pedelecs. Hier kann (aus Gründen der Bauart bzw. Sicherheit) natürlich nicht jeder Radweg sogleich für die schnellen Pedelecs freigegeben werden. Allerdings sind gerade kürzlich ausgebaute Radwege aufgrund ihrer Auslegung auch für die Nutzung durch S-Pedelecs geeignet. Hier sollte gezielt freigegeben werden können.

Prinzipiell sei dies durch das Schild „Mofas frei“ derzeit schon möglich, aber damit holt man sich eine immense Lärm- und Abgasentwicklung durch die Leichtkrafträder auf den Rad- und Fußweg, der von den Nutzern derselben meist nicht gewünscht ist. Mit einem neuen Verkehrsschild „E-Zweiräder frei“ konnte man die Mofas aussperren und gleichzeitig für eine bessere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sorgen. Diesen Vorschlag untermauert Boris Palmer in seinem Schreiben mit einem praktischen Beispiel aus Tübingen.

Plakettenordnung für motorisierte Zweiräder

In einem weiteren Vorschlag fordert Palmer die Einführung einer Plakettenordnung für motorisierte Zweiräder. Neben den S-Pedelecs, Pedelecs und E-Bikes haben auch die Elektroroller und E-Scooter in der letzten Zeit rasant zugelegt. Ihre Vorteile gegenüber den konventionellen Fahrzeugen, die in Sachen verringertem Geräuschpegel und kaum vorhandener Luft- und Lärmverschmutzung zu suchen sind, werden durch Bund, Land und Stadt bisher noch viel zu wenig gewürdigt.

Hat man für Autos und LKW in den letzten Jahren Umweltzonen und Plakettenpflicht eingeführt, so können alte, laute und stinkende Mofas etc. bisher noch immer ungestört selbst in Zonen fahren, wo für die Erstgenannten längst eine grüne Plakette vorgeschrieben ist.

Dabei verpesten laut Tübingens OB manche Kleinkrafträder die Luft in den Städten bis zu hundert Mal mehr, wie ein moderner PKW. Hier sollte man ansetzen und die entsprechenden Fahrzeuge in die Regelungen der Plakettenordnung mit einbeziehen.

Als Vorteil verspricht sich Palmer eine Modernisierung der Fahrzeugflotte, die geringere Lärmbelastung und den Umstieg vieler Nutzer auf Elektro-Fahrräder oder -Roller. Sein Vorschlag beinhaltet demnach die Aussperrung von Zweirädern aus Umweltzonen, welche nicht einmal die Euro-3-Norm erfüllen.

Den kompletten Brief können Sie hier im Wortlaut lesen.

Was meinen Sie? Ist OB Palmer mit seiner Forderung auf dem richtigen Weg? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare hier auf unserer Seite oder in den sozialen Netzwerken.